# taz.de -- Senat auf Schlingerkurs: Sozialarbeit kann weiter gehen
       
       > Eigentlich wollte der Senat die Streetworker vom Kotti nicht mehr
       > weiterfinanzieren, nun bekommt der Träger Gangway doch noch Geld.
       
 (IMG) Bild: Zwei Jahre mehr: Das Straßensozialprojekt am Kotti kann fortbestehen
       
       Mit großer Erleichterung reagiert der Verein für Straßensozialarbeit
       Gangway auf die Ankündigung des Senats, das Drogenpräventionsprojekt am
       Kottbusser Tor doch weiterzufinanzieren. „Als Träger freuen wir uns,
       besonders mit Blick auf die Adressaten“, sagte Hanna Lauter, die für
       Gangway die Standorte in Kreuzberg und Friedrichshain koordiniert, am
       Montag der taz. Sie hebt hervor, dass die zugesprochene Laufzeit von zwei
       Jahren sehr wichtig sei, um das Projekt, das erst vor knapp einem Jahr an
       den Start ging, zu verstetigen. Der Aufbau von Vertrauen und Sichtbarkeit
       im Bezirk ist eine Voraussetzung für aufsuchende Sozialarbeit, weshalb
       [1][die drohende Aufkündigung der Gelder für viel Irritation sorgte].
       
       Der Senat hatte letzten Freitag erklärt, dass er die Streetworker vom
       Kotti, die sich am Kotti vor allem um jugendliche Drogenkonsumenten
       kümmern, finanziell weiterfördert. Demnach soll Gangway für das Projekt mit
       rund 100.000 Euro pro Jahr etwa genauso viel bekommen wie im vergangenen
       Jahr.
       
       Gangway rief das Standortprojekt letzten Frühling ins Leben. Ausgestattet
       mit der „Seifenbüchse“ als mobiler Einsatzstation streifen Einsatzteams
       zweimal wöchentlich durch das von der Berliner Polizei als
       „kriminalitätsbelasteter Ort“ eingestrufte Gebiet im Herzen Kreuzbergs.
       Trotz der ausgesprochen positiven Resonanz des Projektes stellte die
       angekündigte Streichung der Fördergelder aus dem „Sicherheitspaket“ dieses
       vor ein jähes Ende. Der Verein sah sich mit Stellenkürzungen konfrontiert
       und konnte laufende Verträge nicht mehr verlängern.
       
       Dass nun ein Zusammenschluss dreier Senatsverwaltungen (Bildung, Umwelt und
       Wissenschaft) für das Fortbestehen des Projektes aufkommt, lässt die
       Bildungsverwaltung nicht ohne Seitenhieb gegenüber der amtierenden
       Bezirksbürgermeisterin Clara Herrmann (Grüne) über die Bühne gehen: Es sei
       dem Bezirk „offenkundig nicht gelungen, hier eine entsprechende
       Schwerpunktsetzung vorzunehmen“.
       
       Die Bezirksverwaltung weist den Vorwurf von sich: Der Bezirk habe vom
       Regierenden Bürgermeister „mehrfach zugesichert bekommen, dass alle
       Projekte in 2026 weiterfinanziert werden. Daher bestand kein Anlass dazu,
       zu priorisieren“, erklärt die Sprecherin des Bezirks, Sara Lühmann. Die
       Aussage der Bildungsverwaltung entbehre daher jeglicher Grundlage. Über das
       Fortbestehen des wichtigen Projektes freut sich aber auch die
       Bezirksverwaltung.
       
       Für Gangway und ihre Betreuten ist damit alles noch mal gut ausgegangen.
       Nichtsdestotrotz bezeichnet Lauter den Prozess als „kräftezehrendes
       Pingpongspiel“. Der Verein müsse regelmäßig für die Fortführung seiner
       Arbeit kämpfen, anstatt dass diese strukturell verankert und dadurch
       abgesichert werde, führt die Bezirksleiterin von Gangway aus. „Eine
       Verstetigung würde bedeuten, dass das Projekt in der Regelfinanzierung
       verankert ist.“
       
       16 Feb 2026
       
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