# taz.de -- Nina Warken über das Frausein in der CDU: „Wir müssen uns aufdrängen“
       
       > Seit 2025 ist Nina Warken Bundesgesundheitsministerin und Vorsitzende der
       > Frauenunion. Junge Christdemokratinnen fordert sie auf, öfter mal stur zu
       > bleiben.
       
 (IMG) Bild: Das Angebot, Gesundheitsministerin zu werden, kam zunächst überraschend für Nina Warken
       
       taz: Frau Warken, „ohne ausgeprägten Machtsinn kann man sich nicht
       freudvoll und erfolgreich politisch engagieren.“ Das hat die
       Politikwissenschaftlerin Ursula Münch vor einiger Zeit für die Frauen Union
       geschrieben. Fehlt christdemokratischen Frauen der Machtsinn? 
       
       Nina Warken: Das kann man so pauschal nicht sagen. Wir haben ganz viele
       Frauen in der Partei, die sich auf unterschiedlichen Ebenen engagieren.
       Aber es ist immer wieder zu beobachten, dass sie den entscheidenden Schritt
       nicht machen, wenn es um eine Kandidatur geht oder darum, den nächsten
       Posten anzustreben. Frauen sind eher der Meinung, dass sie sich in der
       Sache engagieren, aber nicht unbedingt mehr Verantwortung übernehmen
       wollen. Da können wir sicher noch offensiver werden.
       
       taz: Sind die Frauen also selbst schuld? 
       
       Warken: Nein, wir brauchen bessere Rahmenbedingungen, damit Frauen
       überhaupt den Wunsch bekommen, Verantwortung zu übernehmen.
       
       taz: Sie haben erlebt, wie schwierig es sein kann, wenn man als Frau nach
       vorn will. 2021 wollten Sie als Direktkandidatin für den Bundestag
       antreten, aber Ihr Kreisvorsitzender wollte unbedingt Ihren männlichen
       Gegenkandidaten durchsetzen. 
       
       Warken: Ich war zu diesem Zeitpunkt zweimal über die Landesliste in den
       Bundestag eingezogen und wollte dann für das Direktmandat kandidieren. Und
       plötzlich hieß es, ich als Frau könnte doch wieder über die Landesliste
       kandidieren und der Mann für das Direktmandat …
       
       taz: … das in Ihrem Wahlkreis Odenwald-Tauber bislang sicher an die CDU
       ging. 
       
       Warken: Genau. Ob in Baden-Württemberg die Landesliste überhaupt zieht, das
       ist eben sehr unsicher. 2013 war unser Zweitstimmenergebnis so gut, da bin
       ich über die Liste in den Bundestag gekommen, 2017 konnte ich aber erst
       nach einem Jahr nachrücken.
       
       taz: Sie haben sich durchgesetzt. Was haben Sie aus dieser Erfahrung
       mitgenommen? 
       
       Warken: Man muss immer gewappnet sein. Es ist ein stetiges Arbeiten und
       Netzwerken.
       
       taz: Was würden Sie jüngeren Christdemokratinnen raten? 
       
       Warken: Konsequent und auch einmal stur bleiben. Nicht zu lange zögern und
       Gelegenheiten ergreifen, wenn sie sich ergeben. Ein gutes Netzwerk bilden,
       um sich eine breite Machtbasis zu verschaffen. Das klappt am besten durch
       verbindliche Absprachen.
       
       taz: Sind die Frauennetzwerke im Vergleich zu denen der Männer immer noch
       zu schwach in der CDU? 
       
       Warken: Sie sind nicht zu unterschätzen. Luft nach oben ist immer.
       
       taz: Der Frauenanteil der CDU-Mitglieder ist mit 26,5 Prozent im Vergleich
       zu anderen demokratischen Parteien auffallend gering. Und bei den Posten
       gilt: Je näher man der Macht kommt, desto weniger Frauen gibt es. Der Kreis
       um Merz im Kanzleramt ist [1][eine reine Männerrunde]. 
       
       Warken: Wir sollten nie davon ausgehen, dass der Weg für uns wie
       selbstverständlich geebnet ist. Wir müssen schon in die Auseinandersetzung
       gehen und uns aufdrängen. [2][Wir brauchen mehr Frauen in Führungsgremien,
       auch mit Blick auf den Koalitionsausschuss] …
       
       taz: … in dem für die Union sechs Männer sitzen. Und keine einzige Frau. 
       
       Warken: Ja, das ist unbestritten ein Problem. Aus meiner Sicht sollte
       zusätzlich eine Frau, etwa eine der stellvertretenden Vorsitzenden,
       teilnehmen. Aber mit dem Vorschlag sind wir noch nicht durchgedrungen.
       
       taz: Mit welchem Argument wurde er zurückgewiesen? 
       
       Warken: Dass das Gremium nicht zu groß sein soll. Aber wir bleiben dran.
       
       taz: Die CDU hat 2022 etwa für Vorstandsämter stufenweise eine Quote
       eingeführt. Macht sich das bemerkbar? 
       
       Warken: Ja und nein. Auf dem Parteitag im Februar dürfte ein ausgewogener
       Vorstand gewählt werden. Da zeigt sich, dass es sich lohnt, eine Quote zu
       haben. Für Parteigremien können wir die Quote verbindlicher festschreiben
       als beispielsweise für Landeslisten. Wir sind jetzt gespannt auf den
       Gleichstellungsbericht des Generalsekretärs.
       
       taz: Die Quote wurde befristet für fünf Jahre eingeführt. Sehen Sie
       Versuche, sie gleich wieder abzuschaffen? 
       
       Warken: Allen muss klar sein, dass wir nach fünf Jahren noch nicht da sein
       werden, wo wir sein wollen. Deshalb sollten wir die Quote gegebenenfalls
       nachbessern, aber nicht abschaffen. Mir sind keine solchen Bestrebungen
       bekannt. Wir würden auch konsequent dagegenhalten.
       
       taz: Auf dem Bundesparteitag sollen wegen der Quote drei statt zwei
       stellvertretende Parteichefinnen gewählt werden, weshalb ein neuer
       Vizeposten geschaffen wird. Ist es den CDU-Männern nicht zuzumuten, dass
       sie im Zuge von Parität Einfluss abgeben? 
       
       Warken: Für uns ist das Ergebnis gut, wenn die Wahlen so laufen wie
       vorgeschlagen. Dann haben wir drei Frauen, die stark sowie sehr
       unterschiedlich aufgestellt und jeweils Aushängeschilder sind.
       
       taz: In manchen Ländern merkt man gar nicht, dass die CDU inzwischen eine
       Quote hat. In Sachsen-Anhalt hat der Landesvorstand für die Landtagswahl im
       September eine Liste vorgeschlagen, bei der die erste Frau auf Platz zehn
       stand. Ein klarer Verstoß gegen die Quotenregel. Warum hat das keine
       Konsequenzen? 
       
       Warken: In der Satzung stehen Zielvorgaben für die Aufstellung von
       Landeslisten. Das hängt mit dem Wahlrecht zusammen. Das ist nicht im Sinne
       dessen, was wir vereinbart haben und nicht genug. Wir werden gezielter im
       Vorfeld von solchen Listenaufstellungen auf die CDU-Landesvorsitzenden
       zugehen, mit dem Ziel, Frauen angemessen zu platzieren. Die Repräsentanz
       von Frauen sollte gemeinsames Anliegen sein, das muss sich in Zukunft
       stärker abbilden.
       
       taz: Und ist es ein gemeinsames Anliegen? 
       
       Warken: Es gibt Landesverbände, in denen es längst selbstverständlich ist.
       Insgesamt gelingt es deutlich besser als früher. Dort, wo es nicht der Fall
       ist, werden wir immer wieder daran erinnern. Wir sprechen auch auf der
       kommunalen Ebene gezielt Frauen an und ermutigen sie, zu kandidieren. Von
       dort geht es ja oft weiter auf die Landes- oder Bundesebene. Es ist eine
       Kärrnerarbeit für die gesamte Partei.
       
       taz: Eine Stärke der CDU ist, dass sie breit aufgestellt ist, mit der
       Mittelstandsvereinigung MIT, dem Arbeitnehmerflügel CDA, der Frauen Union.
       Jetzt hat sich die MIT ziemlich stark durchgesetzt – mit Posten und Themen.
       Verspielt die CDU gerade eines ihrer Pfunde? 
       
       Warken: Wir sind weiterhin breit aufgestellt. Und wir sollten auch in der
       Debatte um die Reformagenda für unser Land noch stärker auf geeinte
       Konzepte setzen, in denen sich die beiden Flügel – MIT und CDA –
       verständigen. Dadurch zeigen wir, dass uns Wirtschafts- wie Sozialpolitik
       am Herzen liegt und wir in beiden Bereichen eine hohe Kompetenz haben. Wir
       werden uns da als Frauen Union aktiv einbringen.
       
       taz: Die MIT und auch der parteinahe Wirtschaftsrat der CDU haben im
       Vorfeld des Parteitags Forderungen formuliert, die eher Zweifel aufkommen
       lassen, wie sehr ihnen die Sozialpolitik am Herzen liegt. Die Forderung
       nach der Ausgliederung der Zahnarztversorgung aus dem Leistungskatalog der
       gesetzlichen Krankenversicherung haben Sie in Ihrer Funktion als
       Gesundheitsministerin sofort abgeräumt. Schießt der Wirtschaftsflügel übers
       Ziel hinaus? 
       
       Warken: Im Vorfeld von Parteitagen gibt es immer Vorschläge, die für
       Kontroversen sorgen – ganz besonders in Zeiten so großer
       Reformbedürftigkeit. Ich begrüße Debatten um den besten Weg auch
       grundsätzlich. Wenn jedoch an den Grundpfeilern unseres Solidarsystems
       gerüttelt wird, muss ich Position beziehen – auch im Sinne meiner Partei.
       Eine Abkehr vom Kerngedanken unseres Solidarsystems wird es mit der CDU
       nicht geben.
       
       taz: Sie sind auch Gesundheitsministerin. Wie viel Zeit bleibt Ihnen für
       den [3][Vorsitz der Frauen Union]? 
       
       Warken: Es bedarf guter Organisation, alles unter einen Hut zu bringen. Ich
       kann mich zu jeder Zeit bei meinen Aufgaben auf die jeweiligen Teams
       verlassen. Zudem habe ich von Anfang an gesagt, dass der Vorsitz der Frauen
       Union keine One-Woman-Show ist. Ich habe Stellvertreterinnen, die Termine
       wahrnehmen, Arbeitsgruppen leiten und sich eigenständig um Themen kümmern.
       Wir haben hier ein sehr produktives Miteinander.
       
       taz: Wären Sie eigentlich lieber Frauenministerin geworden? 
       
       Warken: Ich habe nicht zu Hause gesessen und mir überlegt, was ich werden
       wollen könnte. Das Angebot für das Amt als Gesundheitsministerin kam in der
       Tat überraschend für mich. Ich komme ja aus der Innen- und Rechtspolitik.
       Aber wenn man gefragt wird, dann muss man diese Chance ergreifen.
       
       13 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Merz-und-die-Maenner/!6101572
 (DIR) [2] /Brief-an-Merz/!6076628
 (DIR) [3] /Gesundheitsministerin-Nina-Warken/!6090496
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Sabine am Orde
 (DIR) Anna Lehmann
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Nina Warken Gesundheitsministerin
 (DIR) CDU
 (DIR) Frauenquote
 (DIR) Bundesministerium für Gesundheit
 (DIR) Gleichstellung
 (DIR) CDU-Parteitag
 (DIR) Frauen in Führungspositionen
 (DIR) GNS
 (DIR) Bundesministerium für Gesundheit
 (DIR) Nina Warken Gesundheitsministerin
 (DIR) CDU/CSU
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Geplante Gesundheitsreform: Die Hausärztin als Gatekeeper
       
       Zuerst zum Hausarzt, dann zum Facharzt: Das plant das
       Gesundheitsministerium mit dem Primärversorgungssystem. Dafür startet jetzt
       ein Dialogverfahren.
       
 (DIR) Nina Warkens Streit mit Krankenkassen: Sie verschleppt die Probleme
       
       Die Zusatzbeiträge der Krankenversicherungen werden steigen, Kritik daran
       ist angemessen. Nur weiß Gesundheitsministerin Warken nicht damit umzugehen
       – und vermeidet notwendige Reformen.
       
 (DIR) Brief an Merz: Unions-Frauen wollen die Hälfte der Macht
       
       Frauen sind in der Unionsfraktion deutlich in der Minderheit. Nun fordern
       sie von Friedrich Merz 50 Prozent der Posten in Fraktion und Regierung.