# taz.de -- Statistisches Bundesamt: Mehr als 13 Millionen Menschen armutsgefährdet
       
       > Die Armutsgefährdungsquote ist laut Statistischem Bundesamt gestiegen.
       > Mehr als 16 Prozent der Menschen sind gefährdet, in die Armut
       > abzurutschen.
       
 (IMG) Bild: Immer mehr von Armut betroffen: Kinder bei einer Brotzeit in einer Schule im Ruhrgebiet
       
       epd | Die Armutsgefährdungsquote ist laut Statistischem Bundesamt
       gestiegen. Mehr als 13 Millionen Menschen in Deutschland hätten zuletzt ein
       Einkommen unterhalb der Armutsgefährdungsgrenze gehabt, teilte das
       Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden mit. Damit gälten sie als
       armutsgefährdet. Das entsprach 16,1 Prozent der Bevölkerung. Ein Jahr zuvor
       hatte die Armutsgefährdungsquote bei 15,5 Prozent gelegen.
       
       Das Deutsche Kinderhilfswerk verweist auf die teuren [1][Langzeitfolgen von
       Kinderarmut] und dringt auf mehr Investitionen in Kinder. Die
       gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung fordert eine andere
       Sozialstaatsdebatte.
       
       ## „Offenkundiges Versagen sozialstaatlicher Institutionen“
       
       Der Bundesgeschäftsführer des Deutschen Kinderhilfswerks, Holger Hofmann,
       sieht in den Zahlen den Beweis dafür, dass bisherige sozialpolitische
       Ansätze zur Reduktion von Kinderarmut nicht wirkten. Es brauche eine
       eigenständige finanzielle Leistung für Kinder und Jugendliche mit
       gleichzeitiger Absicherung ihrer Bildungs- und Teilhabebedarfe. „Je länger
       Kinder in Armut aufwachsen und unter Teilhabe- und
       Bildungsbenachteiligungen leiden, desto weitreichender sind die
       Langzeitfolgen für ihre Entwicklung und beruflichen Perspektiven“, erklärte
       Hofmann. Investitionen in Kinder und deren Familien zahlten sich
       langfristig aus, denn sie führten zu mehr Wachstum und mehr
       gesellschaftlichem Zusammenhalt.
       
       Die Direktorin des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der
       Böckler-Stiftung, Bettina Kohlrausch, äußerte sich verwundert darüber, dass
       das [2][Problem steigender Armut] in der aktuellen Sozialstaatsdebatte
       keine Rolle spiele. „Dabei ist es ein offenkundiges Versagen
       sozialstaatlicher Institutionen, wenn die Armut in einem eigentlich reichen
       Land steigt“, sagte Kohlrausch. Die Zahlen selbst seien nicht
       verwunderlich. Die Forschung zeige, dass Einkommensungleichheit zunehme und
       die Verteilungswirkung des Sozialstaats zuletzt nachgelassen habe.
       
       Die Geschäftsführerin beim Paritätischen Gesamtverband, Katja Kipping,
       forderte, dass jede sozialpolitische Reform daraufhin überprüft werden
       solle, ob sie Armut noch mehr erhöhe. „Jede geplante Maßnahme, die droht,
       Armut zu verschärfen, ist zu unterlassen“, sagte Kipping.
       
       ## Erhebung bezieht sich auf 2024
       
       Betrachtet man die Armutsgefährdungsquote nach verschiedenen
       Haushaltstypen, weisen laut Statistischem Bundesamt zwei Gruppen eine
       überdurchschnittlich hohe Quote auf. 30,9 Prozent der Alleinlebenden und
       28,7 Prozent der Menschen in Alleinerziehenden-Haushalten hatten zuletzt
       ein Einkommen unterhalb der Armutsgefährdungsgrenze. Beim Vergleich nach
       dem überwiegenden Erwerbsstatus haben Arbeitslose mit 64,9 Prozent die
       höchste Armutsgefährdungsquote. Aber auch Personen im Ruhestand (19,1
       Prozent) sind überdurchschnittlich stark durch Armut gefährdet.
       
       Um das Einkommen vollständig zu erfassen, wird das Jahreseinkommen erfragt.
       Dadurch beziehen sich die Fragen zum Einkommen auf das Vorjahr der
       Erhebung, also auf das Jahr 2024. Nach Definition der Europäischen Union
       gilt eine Person als armutsgefährdet, wenn sie über weniger als 60 Prozent
       des mittleren Äquivalenzeinkommens der Gesamtbevölkerung verfügt. Im
       vergangenen Jahr lag dieser Schwellenwert für eine alleinlebende Person in
       Deutschland nach Steuern und Sozialabgaben bei 1.446 Euro im Monat. Für
       Haushalte mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern unter 14 Jahren war er bei
       3.036 Euro im Monat.
       
       3 Feb 2026
       
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