# taz.de -- Krieg in der Ukraine: Erster Gefangenenaustausch seit fünf Monaten
> Moskau und Kyjiw einigen sich bei einer neuen Verhandlungsrunde in Abu
> Dhabi auf die Freilassung von 314 Gefangenen.
(IMG) Bild: Umerow hatte den ersten Teil des erneuten Treffens als „produktiv“ bezeichnet und von „substanziellen“ Gesprächen gesprochen
afp/ap | Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat nach dem
Abschluss der neuen Ukrainegespräche in Abu Dhabi auf mehr Tempo gedrängt.
„Wir wollen schnellere Ergebnisse“, sagte Selenskyj am Donnerstag in Kyjiw.
Das zweitägige Treffen zwischen Unterhändlern Russlands und der Ukraine war
zuvor in der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate zu Ende
gegangen.
Selenskyj äußerte sich am Donnerstag an der Seite des polnischen
Regierungschefs Donald Tusk. Zuvor hatte die Sprecherin des ukrainischen
Verhandlungsführers in Abu Dhabi, Rustem Umerow, erklärt, die Verhandlungen
seien „abgeschlossen“. Umerow zufolge wurden die von den USA vermittelten
Gespräche im „gleichen Format“ abgehalten wie am Vortag: „trilaterale
Konsultationen, Gruppenarbeit und anschließende Abstimmung der Positionen“.
Dem US-Sondergesandten [1][Steve Witkoff] zufolge einigten sich beide
Seiten in Abu Dhabi auf einen neuen Gefangenenaustausch. Der Austausch sei
der erste seit fünf Monaten und betreffe 314 Gefangene, teilte Witkoff im
Onlinedienst X mit. Die Einigung sei „durch detaillierte und produktive
Friedensgespräche erzielt“ worden. Es liege aber „noch viel Arbeit“ vor
allen.
Das russische Verteidigungsministerium bestätigte die Einigung. Es
erklärte, dass „am 5. Februar 157 russische Soldaten aus der Ukraine
zurückgebracht wurden“. Im Gegenzug würden „157 Kriegsgefangene der
ukrainischen Streitkräfte übergeben“. Die Emirate und die Vereinigten
Staaten hätten bei der Rückkehr der russischen Gefangenen „humanitäre
Vermittlung“ geleistet.
## „Substanzielle“ Gespräche
Die Unterhändler der Ukraine und Russlands waren am Mittwoch zu einem
erneuten Treffen nach Abu Dhabi gekommen. Umerow hatte den ersten Teil des
erneuten Treffens als „produktiv“ bezeichnet und von „substanziellen“
Gesprächen gesprochen.
Der russische Unterhändler Kirill Dmitrijew sagte am Donnerstag vor
Staatsmedien, es gebe „definitiv Fortschritte, die Dinge entwickeln sich in
eine gute, positive Richtung“. Er warf den Europäern vor, versucht zu
haben, die Fortschritte zu „stören“. Dmitrijew nannte jedoch keine
Einzelheiten.
In einer ungewöhnlichen offiziellen Stellungnahme zu den Verlusten an der
Front hatte Selenskyj am Mittwoch erklärt, dass seit dem Einmarsch
Russlands im Februar 2022 mindestens 55.000 ukrainische Soldaten getötet
worden seien. Unabhängige Experten schätzen die Zahl allerdings weitaus
höher ein.
Vor anderthalb Wochen hatten Unterhändler Moskaus und Kyjiws erstmals
direkt miteinander über den US-Plan zur Beendigung der Kämpfe gesprochen.
Beide Seiten sind sich nach Angaben aus Verhandlungskreisen inzwischen in
mehreren Punkten einig. Hauptstreitpunkt bleibt jedoch die Forderung
Moskaus nach einem vollständigen Rückzug der Ukraine aus der wichtigen
Industrieregion Donbass.
## Neue Angriffe
US-Präsident Donald Trump drängt beide Seiten seit seiner Rückkehr ins
Weiße Haus vor gut einem Jahr zu Verhandlungen über ein Ende des Krieges.
Selenskyj sagte in einem am Mittwoch ausgestrahlten Interview im
französischen Fernsehen, die Rolle des US-Präsidenten sei entscheidend.
„Putin hat nur Angst vor Trump“, sagte er.
[2][Derweil überzog die russische Armee die Ukraine mit neuen nächtlichen
Angriffen]. Über Nacht habe Russland zwei Raketen und 183 Drohnen auf das
Nachbarland abgefeuert, erklärte die ukrainische Luftwaffe. Zwei Menschen
wurden den Angaben zufolge in der Hauptstadt Kyjiw verletzt.
Mindestens neun russische Militärblogger berichteten indes von einem
umfassenden Ausfall von Starlink-Terminals an der gesamten Kriegsfront in
der Ukraine – was sowohl die Kommunikation in der russischen Armee als auch
die Drohnenangriffe erschweren könnte. Die Technologie ermöglicht es
Russland, Drohnen besser zu steuern, sodass sie ihr Ziel präzise treffen.
Dank Starlink sind die Drohnen weniger anfällig für Störsignale.
## Militärischer Austausch
Starlink wird von SpaceX betrieben, einem Unternehmen von Elon Musk. Der
Tech-Multimilliardär hatte auf Kyjiws Wunsch Schritte eingeleitet, um die
Nutzung Netzwerks für russische Drohnenangriffe zu unterbinden.
Dem US-Verteidigungsministerium zufolge einigten sich die USA und Russland
derweil auf die Wiederaufnahme ihres hochrangigen militärischen Austauschs.
„Die Aufrechterhaltung des Dialogs zwischen den Streitkräften ist ein
wichtiger Faktor für globale Stabilität und Frieden, die nur durch Stärke
erreicht werden können“, erklärte das Europa-Kommando der US-Streitkräfte
in einer Stellungnahme.
Er befördere „mehr Transparenz und Deeskalation“. Die Militärkommunikation
auf hoher Ebene war im Jahr 2021 ausgesetzt worden, kurz vor dem russischen
Einmarsch in die Ukraine im Februar 2022.
5 Feb 2026
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