# taz.de -- Kriegswinter in Berlin und der Ukraine: Die toten Schwäne im Landwehrkanal
       
       > Der Anblick toter Schwäne im vereisten Kanal empört Berlin. Dass
       > währenddessen die Ukraine erfriert und der Westen nur abwartet, offenbar
       > weniger.
       
 (IMG) Bild: Während Berlin sich über tote Schwäne entsetzt, durchsteht die Ukraine den vierten Kriegswinter
       
       Ein weißer Schwanenhals steckt kopfüber im zugefrorenen Landwehrkanal.
       Wenige Meter daneben ragt ein verdrehter Schwanenhals aus einem
       eingefrorenen Schwanenkörper Richtung Himmel, den Schnabel geöffnet. Ein
       schon leicht zerfledderter Schwanenkörper liegt mit ausgestreckten Flügeln
       nebendran, und noch ein paar Meter weiter liegt in der Mitte des Kanals ein
       weiterer großer weißer Haufen, in dessen Mitte rohes rotes Fleisch zu sehen
       ist. Auf ihm drauf und um ihn herum hüpfende Krähen, die auf den
       Schwanenkadaver einhacken.
       
       Die toten Schwäne im zugefrorenen Landwehrkanal sind ein grausamer Anblick.
       Einer, der das Grauen des europäischen Kriegswinters 2025/26 aufs
       Dramatische symbolisiert. Dabei begann zumindest in Berlin alles mit
       Bildern, wie sie [1][Pieter Bruegel] im 16. Jahrhundert gemalt hatte:
       kleine bunte Menschenkleckse in weiß gepuderten Stadt- und
       Dorflandschaften. Zwar hat es seit dem 16. Jahrhundert selbst in Berlin
       schon einige Male Winter gegeben, so weiß, vereist und
       schlittschuhschlitternd war es jedoch schon lange nicht mehr.
       
       Die Gesichter der Bewohner, sonst so graugriesgrämig wie der Himmel über
       ihnen, strahlten wie beim Anblick von Iced Matcha Latte im Plastikbecher
       für 4,33 Euro.
       
       Das Lachen ist weg. Seit Wochen [2][spiegelglatte Wege],
       [3][Streusalzdesaster], eiskaltes Zehlendorf und jetzt auch noch Dutzende
       erfrorene Schwäne im Landwehrkanal. Als ich am Donnerstag an den erfrorenen
       Schwänen vorbeilaufe, tauchen vor meinem inneren Auge Bilder von
       winterlichen Schlachtfeldern auf: Einst erledigte die mörderische
       Eiseskälte antifaschistische Aufgaben (Stalingrad 1942/43).
       
       Und gleich hinterher schieben sich die aktuellen Bilder, die dieser Tage
       aus der Ukraine kommen: frierende Menschen, meterlange Eiszapfen an
       Leitungen und in ausgebombten Wohnungen. [4][Russland nutzt die Kälte als
       Waffe.] Gezielt lässt Putin die Energieinfrastruktur der Ukraine angreifen.
       Der ukrainische Energieminister Denys Schmyhal spricht etwas martialisch
       vom „Versuch eines winterlichen Völkermords“.
       
       ## Die Profis lassen auf sich warten
       
       Doch es bringt nichts, jedenfalls nicht im Westen. Weder das V-Wort, noch
       die grausamen Bilder erreichen hier die politischen Debatten.
       Schlimm-schlimm ist alles, was gerade noch so in Tages- und Talkshows
       gesagt wird. Während wir dabei zusehen, wie die Ukraine erfriert, wärmen
       wir uns an den gleich danach kommenden Bildern [5][aus dem 25 Grad warmen
       Abu Dhabi], wo die Gespräche zwischen den russischen, ukrainischen und
       US-amerikanischen Vertretern stattfinden.
       
       Weil weder Wasserschutzpolizei noch Feuerwehr oder Wildtierverband die
       toten Schwäne im Landwehrkanal vom Eis holt, ist in Berlin die moralische
       Empörung groß, der Anblick furchtbar.
       
       Dass weder die Nato noch Europa die Ukrainer vom Eis befreit, indem sie den
       Himmel über dem Land schließen, empört hier kaum jemanden mehr, nur der
       Anblick, den finden alle schlimm-schlimm. Es findet sich nach wie vor keine
       politische Mehrheit, die bereit wäre, für die Ukraine mehr zu opfern als
       bisher, und das ist im Wesentlichen Geld. Wir sitzen alles aus in der
       Hoffnung, dass das Gas reicht und die Winter nicht noch mal so hart werden.
       
       Zwei Männer retteten am Dienstag mit ihrem Kajak einem im Landwehrkanal
       festgefrorenen Schwan das Leben. Sie wurden dafür im Internet gefeiert,
       [6][vom Wildtierexperten des Senats aber kritisiert]. So was sollten nur
       Profis machen. Warum die Profis aber die Schwäne erfrieren lassen und nicht
       mal die Kadaver einsammeln, hat der Senat nicht verraten.
       
       Auch im Fall der Ukraine scheinen die Profis darauf zu warten, dass es
       wärmer wird und sich das Problem von allein löst. Die Ukrainer können nur
       noch darauf hoffen, dass zwei starke Typen mit Kajak vorbeikommen und sie
       retten.
       
       7 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://de.wikipedia.org/wiki/Pieter_Bruegel_der_%C3%84ltere#/media/Datei:Pieter_Bruegel_the_Elder_-_Hunters_in_the_Snow_(Winter)_-_Google_Art_Project.jpg
 (DIR) [2] /Lieferdienste-im-Winter/!6150825
 (DIR) [3] /Eis-und-Schnee-in-Berlin/!6151405
 (DIR) [4] /Russischer-Energie-Terror/!6149049
 (DIR) [5] /Krieg-in-der-Ukraine/!6152078
 (DIR) [6] https://www.rbb24.de/panorama/beitrag/2026/02/schwaene-eis-frost-rettung-derk-ehlert-eis-gefahr-berlin-brandenburg.html
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Doris Akrap
       
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