# taz.de -- Energieversorgung: Die Angst vor Preiserhöhung ist groß
> Die Gasspeicher sind so voll, wie es die Vorgaben fordern. Die Versorgung
> ist sicher, sagt Wirtschaftsministerin Reiche. Aber viele sind
> beunruhigt.
(IMG) Bild: Deutschland zieht sich warm an. Viele fürchten noch weiter steigende Heizkosten, falls das Gas knapp wird
Es ist so bizarr wie vorhersehbar: Die Vorräte in den deutschen
Gasspeichern entsprechen den gesetzlichen Vorgaben, aber es wird eine
breite Diskussion über die Lagerbestände geführt.
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) betont immer wieder,
dass es keinen Gasmangel geben werde. „Sorgen sind nicht angebracht“, sagt
sie. Doch offensichtlich trauen viele dem Braten nicht.
Misstrauisch schauen nicht nur Energieexpert:innen, sondern auch viele
Bürger:innen auf die Füllstände der Gasspeicher und zählen mit: [1][75
Prozent im November, 55 Prozent um die Jahreswende, und nach dem eiskalten
Januar knapp über 30 Prozent] Anfang Februar. Im Februar 2025 waren die
Lager noch doppelt so gut gefüllt. 14 Prozent werden es wohl Ende März
sein, sagt der Verband der Gasspeicherbetreiber. Und zwar auch, wenn sich
die Temperaturen normalisieren. Das klingt beunruhigend. Die Angst vor
drastischen Preiserhöhungen ist groß.
Denn: Einen so kleinen Gasvorrat hatte die Bundesrepublik noch nie. Die
Beteuerungen aus dem Ministerium, dass ja anders als früher viel Gas über
LNG-Terminals nach Deutschland komme und deshalb hohe Speicherstände nicht
so wichtig seien, ist keineswegs eine Beruhigung. Schließlich kommt das
meiste LNG aus den USA– und kann von heute auf morgen von Donald Trump zur
Verhandlungsmasse erklärt werden.
Kein Wunder also, dass die Augen der Öffentlichkeit auf die Füllstände der
Gasspeicher gerichtet sind. In Zeitungen, Fernsehsendungen und in sozialen
Medien wird in diesen Tagen immer wieder die Frage erörtert, ob ein
Versorgungsengpass droht. Nein, sagen Vertreter:innen der
Bundesregierung regelmäßig. Oppositionspolitiker:innen und
Energieexpert:innen fürchten zwar noch keinen Gasnotstand, warnen
allerdings vor stark steigenden Preisen. Auch werden immer wieder
Forderungen nach einer nationalen Gasreserve laut, angelehnt an die
nationale Ölreserve. Das ist ein Notfallvorrat für 90 Tage.
## Reiche unterschätzt das Energiepreistrauma
Warnungen und Forderungen treffen auf ein Publikum, dem [2][die
Energiepreiskrise nach dem Beginn des russischen Angriffskriegs] auf die
Ukraine noch in den Knochen steckt. Ministerin Reiche ist es vielleicht
nicht mehr präsent, vielen Bürger:innen aber durchaus: Nachdem die
Gaslieferungen aus Russland ausgeblieben sind, explodierten die Preise. Die
Ampelregierung gab viel Geld aus, um die immensen Kosten mit Preisbremsen
für Bürger:innen und Unternehmen zu dämpfen.
Trotzdem waren die immer noch höheren Energierechnungen gerade für Leute
mit geringem Einkommen eine große Belastung. Viele saßen in dicken
Pullovern zu Hause und drehten das Thermostat herunter. In Amtsstuben wurde
die Temperatur gesenkt. Kommunen dachten über Wärmestuben nach, um
Bürger:innen bei einem Ausfall der Heizungen schützen zu können. Etliche
Industriezweige haben sich von den damaligen Preisschocks noch immer nicht
erholt. In energieintensiven Branchen wie Chemie oder der Stahlherstellung
hat die Produktion noch immer nicht das Niveau der Vorkriegszeit erreicht.
Die Ministerin hat das Energiepreistrauma in Deutschland krass
unterschätzt. [3][Schon im Sommer warnten die Gasspeicherbetreiber, dass
die Lager nicht gut gefüllt seien] und es bei anhaltender Kälte knapp
werden könnte. Der Staat hätte sicherheitshalber dafür sorgen können und
müssen, dass mehr Gas eingelagert wird. Doch das lehnte Ministerin Reiche
ab. Der Markt solle das lösen, fand sie. Wirtschaft ist zu 80 Prozent
Psychologie, sagen Ökonom:innen immer wieder. Das gilt auch für die
Preisbildung an den Energiemärkten. Reiche ist Ideologie offenbar wichtiger
als Psychologie. Das rächt sich jetzt.
Der milde Dezember hat dafür gesorgt, dass die Speicher nicht noch leerer
sind und die gesetzlichen Vorgaben zum 1. Februar gerade noch eingehalten
werden konnten. Die Ministerin hat Glück gehabt, nicht Recht behalten. Das
ist ein großer Unterschied. Und: Noch ist der Winter nicht vorbei.
3 Feb 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.bundesnetzagentur.de/DE/Gasversorgung/aktuelle_gasversorgung/_svg/Gasspeicher_Fuellstand/Speicherfuellstand.html?nn=652300
(DIR) [2] /Energiekrise/!t5872932
(DIR) [3] /Warnung-vor-Gasmangel-im-Winter/!6097361
## AUTOREN
(DIR) Anja Krüger
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