# taz.de -- Sorge um Gasvorräte: Der nächste Winter könnte teuer werden
       
       > Die Gasspeicher leeren sich. Weil sich die Preisstruktur auf dem Markt
       > verändert hat, haben Händler kein Interesse an einer schnellen
       > Wiederbefüllung.
       
 (IMG) Bild: Gasspeicher in der Nähe von Kiel: Je kälter es ist, desto schneller sinken die Gasvorräte
       
       Die abnehmende Kälte in Deutschland sorgt beim Blick auf den Stand der
       Gasvorräte für etwas Entspannung – auch wenn es für eine Entwarnung noch zu
       früh ist. Gleichzeitig wächst die Sorge, ob im kommenden Winter genug
       Energie zum Heizen vorhanden sein wird. Der Druck auf Wirtschaftsministerin
       Katherina Reiche (CDU), rasch [1][eine nationale Gasreserve] aufzubauen,
       steigt.
       
       Seit Wochen schauen Manager:innen aus der Energiebranche und die
       Öffentlichkeit nervös auf die deutschen Gasspeicher. Die Lager waren zu
       Beginn der Heizsaison viel schlechter gefüllt als in den Vorjahren. Durch
       die Kältewelle in weiten Teilen Deutschlands haben sich die Vorräte
       erheblich dezimiert. [2][In Bayern sind die Lagerstätten nur noch zu 18,8
       Prozent gefüllt. Im Bundesdurchschnitt lag der Füllstand am Dienstag bei
       26,6 Prozent], das entspricht 66,8 Terawattstunden.
       
       Das Bundeswirtschaftsministerium und die für die Energiesicherheit
       zuständige Bundesnetzagentur versichern immer wieder, dass es keinen Grund
       zur Sorge gäbe. „Die inzwischen gut ausgebaute LNG-Infrastruktur in
       Deutschland und Europa ermöglicht neben der bestehenden und sicheren
       Hauptversorgung durch norwegisches Pipelinegas die notwendigen Importe nach
       Deutschland“, so eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums. Auch
       das bayrische Wirtschaftsministerium sieht keinen Grund zur Sorge. Es
       verweist auf die österreichischen Gasspeicher Haidach und 7Fields, die an
       das bayrische Netz angeschlossen und zu mehr als 35 Prozent gefüllt sind.
       
       Trotz dieser Versicherungen: Die Verantwortlichen in der Energiebranche
       sind erleichtert, dass die Kältewelle in weiten Teilen Deutschlands
       abgeklungen ist. „Es wurde in den vergangenen Wochen in einem Tempo Gas
       ausgespeichert, das wir nicht erwartet hatten“, sagt Peter Schmidt,
       Geschäftsführer von EWE Gasspeicher. Das Tochterunternehmen des überwiegend
       kommunalen Energieversorgers EWE betreibt in Niedersachsen drei
       Gasspeicherstandorte, die überdurchschnittlich gut gefüllt sind.
       
       ## Lage derzeit nicht beunruhigend
       
       Der Winter ist noch nicht vorbei. Wenn die Temperaturen noch mal erheblich
       sinken, könnte die Erleichterung in Sorge umschlagen. Stand jetzt gilt
       aber: Für diesen Winter ist die Lage trotz der niedrigen Füllstände nicht
       beunruhigend. Fest steht allerdings, dass die Speicher so leer wie nie
       zuvor in die nächste Saison gehen. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass das
       Auffüllen nicht so reibungslos erfolgen wird wie früher. Die
       Einspeichersaison geht von April bis Oktober. Normalerweise reservieren die
       Gashändler lange im Voraus Lagerplatz. „Aber in diesem Jahr sind noch große
       Kapazitäten unvermarktet“, berichtet Schmidt.
       
       Der Hintergrund: Früher sank der Gaspreis nach der Heizperiode. Die Händler
       nutzten das, um im Frühjahr und Sommer Vorräte für den Herbst und den
       Winter aufzubauen, weil sie das Gas so für mehr Geld verkaufen konnten, als
       sie selbst zahlen mussten. Nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine und
       der folgenden Energiepreiskrise hat sich der Markt geändert. Auch aufgrund
       der seit der Energiekrise geltenden gesetzlichen Regelungen zur
       Speicherbefüllung geben Preise im Sommer nicht mehr so stark nach. Die
       Händler sind nicht mehr bereit, viel Gas einzulagern, weil das Kosten
       verursacht. „Die Händler kaufen jetzt Gas für den Zeitraum, in dem sie es
       brauchen“, erklärt Schmidt. „Die Bevorratung lohnt sich für sie derzeit
       nicht.“ Bleiben die Speicher vergleichsweise leer, könnte das im nächsten
       Winter bei niedrigen Temperaturen zu stark steigenden Preisen führen.
       
       Um Engpässe zu vermeiden, könnte der Staat nach dem Vorbild der nationalen
       Ölreserve eine nationale Gasreserve anlegen. Das fordern unter anderem der
       Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) und der Präsident
       der Bundesnetzagentur Klaus Müller. „Das müsste recht bald geschehen“, sagt
       Schmidt. Denn die Einspeicherung großer Mengen dauert. „Das Gas müsste
       tranchiert beschafft werden, damit die Preise nicht nach oben getrieben
       werden“, erklärt er. Politik und Energiebranche müssten sich darüber
       verständigen, wie viel Gas vorgehalten werden soll. Denn der Bedarf ist
       stark wetterabhängig.
       
       Die Kosten wären überschaubar. Eine Reserve von 100 Terawattstunden würde
       im Winter bei einem Verbrauch von 2 Terawattstunden täglich etwa 50 Tage
       reichen. Bei einem Preis von 30 Euro pro Megawattstunde würde das 3
       Milliarden Euro plus Speichergebühren von 300 bis 400 Millionen Euro kosten
       – ein Bruchteil dessen, was der Staat für die „Gaspreisbremse“ zur Dämpfung
       der Energiepreiskrise in den Jahren 2022 und 2023 gezahlt hat. Und das Gas
       könnte der Staat eines Tages verkaufen, wenn die Reserve unnötig geworden
       ist.
       
       Die Opposition kritisiert, dass überhaupt eine unsichere Lage bei der
       Gasversorgung entstanden ist. „Wir zittern uns durch den Winter“, sagt der
       frühere grüne Wirtschaftsstaatssekretär Michael Kellner. Die Grünen sind
       der Auffassung, dass für die jetzige [3][Unsicherheit auch Ministerin
       Reiche verantwortlich ist]. Denn sie hat im Herbst nicht dafür gesorgt,
       dass mehr Gas eingelagert wird, [4][obwohl es Hinweise aus der
       Energiebranche auf mögliche Engpässe gab]. Weil die nächste reguläre
       Sitzung des Bundestagsausschusses für Wirtschaft und Energie erst Ende
       Februar ist, fordern sie eine Sondersitzung. Reiche soll erläutern, mit
       welchen Maßnahmen sie die Versorgungssicherheit gewährleisten will. „Wir
       prüfen derzeit, ob eine Teilnahme terminlich möglich ist“, so die
       Sprecherin des Wirtschaftsministeriums.
       
       Auch Kellner sieht mit Blick auf den nächsten Winter einen raschen
       Handlungsbedarf. „Die Regierung muss auf die geänderten Marktbedingungen
       reagieren“, fordert er. Er plädiert ebenfalls für den Aufbau einer
       nationalen Gasreserve. Soll dieser Vorrat schon für den kommenden Winter
       zur Verfügung stehen, müsse das Bundeswirtschaftsministerium jetzt handeln
       und die gesetzlichen Vorgaben schaffen, mahnt Kellner. „Die Zeit drängt, es
       dauert mehrere Monate, bis ein Gasspeicher gefüllt ist.“ Deshalb sei es
       wichtig, für die Marktteilnehmer schnell Klarheit zu schaffen.
       
       Die Anfrage der taz, ob das Bundeswirtschaftsministerium für eine nationale
       Gasreserve ist, blieb unbeantwortet.
       
       10 Feb 2026
       
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