# taz.de -- +++Verdi-Warnstreik am Montag+++: Deutschland friert und steht still
       
       > Fast in ganz Deutschland bleiben die Busse und Bahnen am Montag im Depot.
       > Auf den Straßen hat das erste Auswirkungen.
       
 (IMG) Bild: Auch in Hamburg steht der ÖPNV am Montag still
       
       Der Warnstreik im Nahverkehr und mehrere Unfälle haben zu Wochenbeginn
       viele Autofahrer im Berufsverkehr auf eine Geduldsprobe gestellt. Zwar
       hätten sich die Zahl der Staus und die Staulänge am Morgen auf einem
       ähnlichen Niveau wie zu Beginn der Vorwoche bewegt. „Allerdings stehen die
       Menschen länger im Stau“, sagte ADAC-Sprecher Thomas Müther. „Der
       Warnstreik macht sich bemerkbar insbesondere in Ballungsräumen.“
       
       Nach den Daten des [1][ADAC] gab es am Montagmorgen kurz vor 8.00 Uhr mehr
       als 500 Kilometer Stau und zähflüssigen Verkehr auf den Autobahnen in
       Nordrhein-Westfalen. Der Zeitverlust habe im Einzelfall bis zu einer Stunde
       betragen. Der ADAC-Sprecher verwies dabei auch auf Unfälle wie auf der A3
       zwischen Leverkusen und dem Kreuz Hilden sowie auf der A40. Unfälle hätten
       im morgendlichen Berufsverkehr besonders große Auswirkungen.
       
       Auf der [2][Übersicht] des NRW-Verkehrsministeriums waren gegen 8.00 Uhr
       viele rote Zahlen gerade in den Ballungsräumen zu sehen, die den
       Zeitverlust darstellen.
       
       Der öffentliche Nahverkehr ist in großen Teilen Nordrhein-Westfalens durch
       einen Warnstreik zum Erliegen gekommen. Busse und Bahnen sind in
       zahlreichen großen Verkehrsbetrieben zum Betriebsbeginn in den Depots
       geblieben. „Alle Ein- und Ausgänge sind symbolisch blockiert“, sagte
       Frank-Michael Munkler von der Gewerkschaft Verdi zur Situation bei den
       Kölner Verkehrs-Betrieben KVB. Auch in Bonn, Leverkusen und Bergisch
       Gladbach sollten zeitgleich ganztägige Arbeitsniederlegungen beginnen.
       
       Busse und Bahnen seien in den Depots geblieben, sagte auch Linda
       Malolepszy, die bei Verdi unter anderem für die Rheinbahn in Düsseldorf
       zuständig ist. Die Gewerkschaft hat Beschäftigte in insgesamt rund 30
       kommunalen Verkehrsbetrieben in NRW zu Arbeitsniederlegungen aufgerufen.
       Dazu zählen nahezu alle großen Nahverkehrsunternehmen des Landes wie DSW21
       in Dortmund oder der Verkehrsbetrieb der Stadtwerke Münster. Die Aseag in
       Aachen ist dabei eine der wenigen nicht betroffenen Ausnahmen.
       
       Angesichts des Warnstreiks rät der ADAC, Fahrten zu Stoßzeiten zwischen
       7.00 und 9.00 Uhr und 16.00 bis 18.00 Uhr nach Möglichkeit zu vermeiden.
       Wie stark sich der Warnstreik im öffentlichen Nahverkehr auf die
       Verkehrslage auswirkt, hängt laut ADAC entscheidend davon ab, wie viele
       Arbeitnehmer sich auf den Streik einstellen und gegebenenfalls auch im
       Homeoffice arbeiten können.
       
       Am Morgen des Warnstreiks kann es auf Straßen weiterhin glatt werden,
       teilte der Deutsche Wetterdienst (DWD) mit. Vor allem im Norden und
       Nordosten ist bis in den Vormittag hinein mit gefrierendem Regen zu
       rechnen, die Unwettergefahr bleibt jedoch gering. In den Hochlagen der
       Eifel sowie im Münsterland und im Sauerland sollten Verkehrsteilnehmer auf
       überfrierende Nässe und damit einhergehende glatte Straßen vorbereitet
       sein. Am Vormittag kann in Höhenlagen von mehr als 500 Metern zudem neuer
       Schnee fallen.
       
       Das NRW-Schulministerium hat auf die Schulpflicht hingewiesen. „Bei im
       Vorfeld angekündigten Ereignissen wie einem Streik des öffentlichen
       Nahverkehrs besteht die Verpflichtung zur Teilnahme am Unterricht auch
       weiterhin“, hatte das Ministerium auf der Plattform Facebook erklärt.
       Eltern müssten deshalb dafür Sorge tragen, dass ihre Kinder zur Schule
       kommen. Sollte einer Schülerin oder einem Schüler der Schulweg im
       Einzelfall nicht zumutbar sein, handele es sich um entschuldigte
       Fehlzeiten, hieß es.
       
       Die erste Verhandlungsrunde für die etwa 30.000 Beschäftigten in rund 30
       kommunalen Verkehrsbetrieben in NRW blieb am 21. Januar ohne Ergebnis.
       Verdi NRW will die wöchentliche Arbeitszeit von 39 Stunden bei vollem
       Lohnausgleich verkürzen. Die Ruhezeit zwischen zwei Schichten soll von 10
       auf 11 Stunden erhöht werden. Der Zuschlag für Sonntagsarbeit soll von 25
       Prozent des Stundenentgelts auf mindestens 40 Prozent steigen, fordert
       Verdi NRW.
       
       Der Kommunale Arbeitgeberverband Nordrhein-Westfalen wirft Verdi vor, die
       Augen vor der desolaten Finanzlage der kommunalen Verkehrsbetriebe zu
       verschließen. Die Tarif- und Entgeltbedingungen hätten sich schon deutlich
       verbessert, so dass der Nahverkehr bereits jetzt attraktive Arbeitsplätze
       biete. Würde man den Forderungen nachkommen, müsste voraussichtlich an
       vielen Stellen verstärkt etwa über die Einstellung von Linien, längere
       Takte und die Vergabe von Beförderungen ans private Busgewerbe nachgedacht
       werden. (dpa/lnw)
       
       Warnstreik in Hamburg – Keine U-Bahnen und Busse 
       
       Für viele Pendler in Hamburg ist der heutige Tag angesichts des
       24-stündigen Warnstreiks im öffentlichen Nahverkehr eine besondere
       Herausforderung. Nach aktuellem Kenntnisstand seien bisher keine Busse von
       den Höfen gefahren, sagte ein Sprecher der Gewerkschaft Verdi der Deutschen
       Presse-Agentur (dpa). „Alles steht.“ Ähnlich sehe es bei den U-Bahnen aus.
       Man sei sehr zufrieden, wie der Warnstreik angelaufen sei.
       
       Die Hamburger Hochbahn hatte bereits im Vorfeld mitgeteilt, dass wegen des
       Warnstreiks voraussichtlich keine U-Bahnen fahren und die meisten Busse in
       den Depots bleiben. Ähnlich sieht es bei den Verkehrsbetrieben
       Hamburg-Holstein (VHH) aus. Von dem 24-stündigen Warnstreik nicht betroffen
       sind den Angaben zufolge die S-Bahn und die Hadag-Fähren.
       
       „Heute soll der Betrieb stillstehen“, sagte ein Busfahrer der Hochbahn der
       dpa. Man streike für mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen. „Auch wir
       müssen Mieten bezahlen, auch wir müssen unsere Kinder ernähren. Und das ist
       in der Stadt Hamburg alles nicht mehr so leicht.“
       
       Verdi fordert für die Hochbahn-Beschäftigten unter anderem eine
       Lohnsteigerung von 7,5 Prozent in Verbindung mit einer sozialen Komponente
       für die unteren Entgeltgruppen, die Erhöhung der Auszubildendenvergütung um
       7,5 Prozent und die Einführung eines Mietkostenzuschusses in Höhe von 200
       Euro pro Monat für Auszubildende. Bei der ersten Verhandlungsrunde am
       Freitag legten die Hochbahn-Arbeitgeber laut Verdi kein Angebot vor.
       Daneben wird derzeit bei der VHH ein neuer Manteltarifvertrag ausgehandelt.
       
       Am Morgen ist beim Busbetriebshof der Hochbahn in Harburg eine Kundgebung
       geplant. Von dort führt nach Verdi-Angaben ein Demonstrationszug bis zum
       Harburger Rathausplatz. Dort soll um 10.30 Uhr die gemeinsame
       Streikkundgebung der Beschäftigten von Hochbahn, VHH und aus dem
       öffentlichen Dienst der Länder stattfinden. (dpa/lno)
       
       BVG verurteilt Streik als „unverhältnismäßige Eskalation“ 
       
       [3][Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG)] haben den ganztägigen Warnstreik
       der Gewerkschaft Verdi kritisiert. „Die BVG verurteilt die
       unverhältnismäßige Eskalation in den gerade erst begonnenen
       Tarifverhandlungen“, erklärte das landeseigene Unternehmen am Morgen. „Die
       Arbeitgeberseite ruft die Gewerkschaft Verdi auf, gemeinsam am
       Verhandlungstisch nach realistischen Lösungen zu suchen, die
       Arbeitsbedingungen der Mitarbeitenden nachhaltig weiter zu verbessern.“
       
       Seit Montagmorgen um 3.00 Uhr stehen in Berlin U-Bahn, Straßenbahn und die
       meisten Buslinien still. Viele Berufspendler haben deshalb Probleme, bei
       eisigen Temperaturen und weiter glatten Gehwegen zur Arbeit zu kommen. Der
       Warnstreik soll bis Betriebsschluss in der Nacht zu Dienstag andauern. Die
       S-Bahn, die von der Deutschen Bahn betrieben wird, fährt dagegen planmäßig
       und hat angekündigt, ihr Angebot wegen des Ausstands bei der BVG leicht
       auszubauen.
       
       Die Gewerkschaft Verdi hat den am Morgen angelaufenen Warnstreik bei den
       Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) als notwendigen Schritt verteidigt.
       „Unsere Priorität ist, am Verhandlungstisch voranzukommen“, sagte
       Verdi-Verhandlungsführer Serat Canyurt am Morgen der Deutschen
       Presse-Agentur. „Die Kolleginnen und Kollegen können sich Besseres
       vorstellen, als bei diesem Wetter zu streiken.“
       
       Aber bei den Tarifverhandlungen über bessere Arbeitsbedingungen bei der BVG
       habe sich der Arbeitgeber bisher geweigert, sich mit den seit zwei Monaten
       vorliegenden Forderungen der Gewerkschaft wirklich auseinanderzusetzen. „Da
       bleibt uns keine andere Wahl.“
       
       Die Beteiligung am Warnstreik sei schon am Morgen gut, so Canyurt. An
       Betriebshöfen für Busse oder Trams, in U-Bahn-Depots, an Werkstätten oder
       der BVG-Hauptverwaltung seien Streikposten. Die Beschäftigten seien
       entschlossen, für ihre Forderungen einzutreten und den Druck auf den
       Arbeitgeber zu erhöhen.
       
       Wegen eines bundesweiten Warnstreiks der Gewerkschaft Verdi kommt es heute
       vielerorts ganztägig zu erheblichen Einschränkungen im öffentlichen
       Nahverkehr (ÖPNV). Busse, Straßen- und U-Bahnen bleiben bei vielen
       kommunalen Verkehrsunternehmen infolge des Arbeitskampfs in den Depots.
       Betroffen sind nahezu alle 16 Bundesländer, wie Verdi mitteilte.
       
       Lediglich Niedersachsen ist den Angaben nach zunächst ausgenommen. Für die
       etwa 5.000 Beschäftigten dort gelte noch die Friedenspflicht.
       
       Für Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer dürfte es stressig werden
       – sie müssen trotzdem pünktlich am Arbeitsplatz erscheinen. Und für Eltern
       ebenso: Auch Schülerinnen und Schüler können nicht einfach zu Hause
       bleiben. Dazu kommt das Wetter: In einigen Regionen drohen laut den
       Vorhersagen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) weiter gefrierender Regen
       und Straßenglätte.
       
       Die Regional- und S-Bahnen der Deutschen Bahn fahren derweil ohne
       Einschränkungen. „Die S-Bahnen in Berlin, Hamburg, München, Stuttgart,
       Köln, Nürnberg, Rhein-Main und der Regional- und Fernverkehr der DB werden
       als Unternehmen nicht von Verdi vertreten und sind daher von dem Streik
       nicht betroffen“, teilte der bundeseigene Konzern mit.
       
       In den Tarifverhandlungen, die in allen 16 Bundesländern meist mit den
       Kommunalen Arbeitgeberverbänden geführt werden, fordert Verdi insbesondere
       deutlich bessere Arbeitsbedingungen – etwa durch kürzere Wochenarbeitszeit
       und Schichtzeiten, längere Ruhezeiten, aber auch durch höhere Zuschläge für
       Arbeit in der Nacht und am Wochenende.
       
       In Bayern, Brandenburg, dem Saarland, Thüringen und bei der Hamburger
       Hochbahn wird der Gewerkschaft zufolge zusätzlich über höhere Löhne und
       Gehälter verhandelt.
       
       Grundsätzlich gilt, dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer selbst dafür
       verantwortlich sind, pünktlich im Betrieb anzukommen, sie tragen das
       sogenannte „Wegerisiko“. Das gilt bei Streik genauso wie etwa bei Schnee
       und Glätte. Heißt: Auch wenn Busse und Bahnen nicht fahren, dürfen
       Angestellte nicht einfach zu spät kommen. Darauf macht Volker Görzel vom
       Verband deutscher Arbeitsrechtsanwälte aufmerksam. Wenn das Homeoffice
       keine Lösung ist, müssen Angestellte also nach zumutbaren Alternativen
       suchen.
       
       Fällt der Schulbus aus, gilt das auch nicht als Ausrede, dass das Kind
       nicht in der Schule erscheint. „Der Streik im Nahverkehr ändert nichts an
       der Schulpflicht“, sagt Wilhelm Achelpöhler, Anwalt für Verwaltungsrecht.
       Wegen eines einzelnen Tages werde zwar wohl kaum ein Schulträger ein
       Problem daraus machen, so die Vermutung des Anwalts. „Aber streng genommen
       handelt es sich um eine Ordnungswidrigkeit, für die theoretisch ein Bußgeld
       verhängt werden könnte. Das ist eine Ermessenssache.“
       
       Eltern müssen also im Falle eines Streiks nicht nur überlegen, wie sie
       selbst pünktlich zur Arbeit kommen, sondern auch eine Lösung finden, damit
       der Nachwuchs rechtzeitig in der Schule erscheint. (dpa/bb)
       
       2 Feb 2026
       
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