# taz.de -- Warnstreik in Hamburg: Frieren für bessere Arbeitsbedingungen
> Am Montag stehen bundesweit die Räder still, weil Ver.di zum Streik
> aufgerufen hat. Am Harburger Rathausplatz in Hamburg findet eine
> Kundgebung statt.
(IMG) Bild: Leere Bahnsteige in Hamburg: Am Montag fuhren keine U-Bahnen und kaum Busse
Am Montagmorgen haben sich etwa 300 Menschen auf dem Harburger Rathausplatz
vor einem Bühnentruck versammelt. Die meisten von ihnen tragen Warnwesten
der Gewerkschaft Ver.di oder schwarze Funktionsjacken der Hochbahn. Über
ihren Köpfen schwenken sie rote Fahnen. Aus den Lautsprechern dröhnen
Ansprachen, die bis in die nahe Einkaufspassage zu hören sind. Sie werden
von Gerassel, Tröten und Sirenen aus einem Megaphon untermalt.
Entspannt schlendern zwei Polizisten über den eisigen Rathausplatz. Unter
einem Pavillon gibt es gegen die klirrende Kälte heiße Getränke,
Franzbrötchen und Laugengebäck. Unter den Streikenden herrscht gute
Stimmung. Zwischendurch ertönt Gejubel und Applaus. Die Reden auf dem
Bühnentruck hingegen sind wütend.
Die meisten der Anwesenden sind Beschäftigte der [1][Hamburger Hochbahn],
der Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein (VHH) und des öffentlichen Dienstes.
Sie stehen hier bei -6 Grad, um für bessere Arbeitsbedingungen zu
demonstrieren.
## Dauerstress und kein Respekt
Einer von ihnen ist Marco Montano. Er ist seit zwei Jahren Busfahrer bei
der Hochbahn in Harburg und findet seine Arbeit eigentlich gut. „Das
Problem ist, dass es ein harter Job ist und [2][wir dafür zu schlecht
bezahlt werden]“, sagt er.
Auch, dass er als Beschäftigter der Hochbahn einen Teil des
Deutschlandtickets selbst bezahlen muss, findet er unerfreulich. Im Zuge
einer schrittweisen Reduzierung der Arbeitswoche von bisher 39 Stunden auf
37 Stunden pro Woche würden zudem die Pausenzeiten verkürzt, sagt er.
Ein weiterer Fahrer der Hochbahn berichtet von einer hohen Belastung in
seinem Beruf. Er möchte seinen Namen nicht verraten. „Wir wünschen uns mehr
Respekt. Die Fahrgäste sind meistens unfreundlich“, erzählt er. „Wir stehen
dauerhaft unter Stress und wir werden respektlos behandelt. Es ist richtig
schlimm geworden.“
Aufgerufen zu dem bundesweiten Warnstreik hat die
Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di. Konkret fordert sie eine Lohnsteigerung
von 7,5 Prozent sowie eine entsprechende Erhöhung der
Auszubildendenvergütung, außerdem die Einführung eines
Mietenkostenzuschusses in Höhe von 200 Euro pro Monat für Auszubildende.
Außerdem ist die vollständige Kostenübernahme des Deutschlandtickets sowie
eine Altersteilzeit, also die Möglichkeit vor der Rente stufenweise weniger
zu arbeiten, Teil des Forderungspakets.
## Zulage überraschend abgelehnt
In Hamburg finden die Tarifverhandlungen vor einem besonderen Hintergrund
statt. Ende 2025 [3][lehnte die Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL)
überraschend eine mit Ver.di erzielte Einigung über Zulagen für städtische
Beschäftigte ab]. Die Einigung hatte zuvor als sicher gegolten.
Carina Book von Ver.di in Hamburg bezeichnet das als Novum. „Die Hamburger
Zulagen waren bereits ausgehandelt“, sagt sie. Dass die Verhandlungen im
Nachhinein trotz der Unterschrift des Tdl-Verhandlungsführers – Hamburgs
Finanzsenator Andreas Dressel (SPD) – rückwirkend abgelehnt wurden, sei
nicht abzusehen gewesen. Die Hamburger*innen seien daher besonders
wütend.
„Und mit so einem sollen wir jetzt verhandeln?“, tönt es aus den
Lautsprechern über den Harburger Rathausplatz. „Überall wird Geld
gestrichen und überall ist man ideenlos. Wir sind nicht mehr bereit diese
Ideenlosigkeit aus unserem Portemonnaie zu finanzieren.“
## Verkehrschaos bleibt aus
Unter den Teilnehmenden sind auch einige Azubis und junge Leute. Eine
Sprecherin hat ihr Kind auf die Bühne geholt. „Letztens kam meine Mama nach
Hause und hat erzählt, dass bei ihr auf der Arbeit vier Kollegen gekündigt
haben“, ruft der Junge in das Mikrophon. „Dadurch kommt auch meine Mama
immer später nach Hause. Wisst ihr eigentlich, wie scheiße das für uns
Kinder ist?“
Die Hamburger*innen scheinen trotz des eisigen Wetters gut auf den
Streik vorbereitet gewesen zu sein. An den Bushaltestellen vor dem
S-Bahnhof Veddel stehen einige Passanten verloren neben der erloschenen
Anzeigetafel. Auch in den S-Bahnen und an den Gleisen ist es ruhig. Das
Verkehrschaos ist ausgeblieben.
Für Donnerstag drohen bereits weitere Einschränkungen. Für diesen Tag hat
Ver.di alle Beschäftigten des öffentlichen Dienstes der Länder erneut zu
einem ganztägigen Warnstreik aufgerufen.
2 Feb 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Hamburger-Hochbahn/!t5444503
(DIR) [2] /Verdi-und-Klima-Allianz-zu-OePNV/!6136674
(DIR) [3] https://hamburg.verdi.de/presse/pressemitteilungen/++co++fff375ee-cea0-11f0-96c5-57164132602b
## AUTOREN
(DIR) Mara Schaaf
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