# taz.de -- Bundesweite Tarifverhandlungen: Auf der Straße für gute Bildung
> Zum von der GEW ausgerufenen „Streiktag Bildung“ demonstrierten rund
> 3.500 Beschäftigte für bessere Bezahlung. Berlin war ein Schwerpunkt der
> bundesweiten Proteste.
(IMG) Bild: Tausende protestierten am Donnerstag beim von Gewerkschaften ausgerufenen „Streiktag Bildung“ in Berlin
„Wir kämpfen für gute Bildung“, ruft eine Sprecherin am Donnerstagvormittag
ein ums andere Mal vom Lautsprecherwagen über den eiskalten Hermannplatz.
Zahlreiche der gut gelaunten Demonstrant*innen trugen rote
GEW-Warnwesten und machten mit Trillerpfeifen und Rasseln ordentlich Lärm.
Mehrere Transparente forderten mehr Geld für Bildung statt für Aufrüstung.
Die nach GEW-Angaben 3.500 Teilnehmenden versammelten sich anlässlich ihres
bundesweiten Streiktags im Bildungsbereich. Sie wurden in Berlin von
Delegationen aus Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern verstärkt.
Aus Kreuzberg war Judith dabei. Die Referendarin an einer Grundschule
findet die Bedingungen an den Schulen in Berlin „total krass“. Es werde
überall gespart „und gleichzeitig wird für andere Sachen Geld
rausgeschmissen. Das sehe ich nicht ein, denn Bildung ist ein Grundrecht
für alle.“ Judith fordert „keine Aufrüstung, sondern kleinere Klassen, mehr
Personal, multiprofessionelle Teams, bessere Ausstattungen der Schulen und
mehr Geld für Erzieher*innen“.
Die GEW verhandelt für rund 2,6 Millionen Länder-Beschäftigte, von denen
etwa die Hälfte im Bildungsbereich, an Schulen, Hochschulen und
Landes-Kitas arbeitet – also Lehrkräfte, Erzieher*innen, Hochschullehrende
und studentische Beschäftigte. Darunter sind 245.000 Angestellte an Schulen
und 684.000 verbeamtete Lehrkräfte, die jedoch nicht streiken dürfen. Für
diese fordert die GEW einen fairen Abschluss im Tarifvertrag der Länder
(TV-L), der den gesamten öffentlichen Dienst betrifft. Konkret fordern sie
7 Prozent mehr Gehalt, mindestens 300 Euro monatlich zusätzlich.
## Bisher kein verbindliches Angebot
Da die Arbeitgeber der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) in der
zweiten Runde der Tarifverhandlungen Mitte Januar in Potsdam kein
verbindliches Angebot vorgelegt hatten, rief die GEW rief zum bundesweiten
„Streiktag Bildung“ auf. Berlin war einer der zentralen Kundgebungsorte,
weitere Kundgebungen fanden in Hamburg, Köln, Leipzig und Mannheim statt.
Nach GEW-Angaben nahmen daran insgesamt knapp 12.000 Menschen teil, am
größten waren die Kundgebungen in Leipzig und Berlin.
Am Kottbusser Tor wurde die Menge lauter und die Musik besser, mit Songs
von Deichkind („Arbeit nervt“ und „Bück dich hoch“). Am Endpunkt, dem
spiegelglatten Oranienplatz, gab es neben Kaffee und Glühwein auch eine
Rede der GEW-Bundesvorsitzenden Maike Finnern. Die Streiks der vergangenen
Woche seien „ein starkes Zeichen“, so Finnern in ihrer länglichen Rede.
„Ihr seid das Rückgrat des Bildungssystems“, rief sie zum Schluss in die
Menge; „ihr seid das Rückgrat unserer Demokratie!“
Der GEW-Landesvorsitzende Gökhan Akgün zeigte sich in seiner Rede
kämpferischer. Subventionen für Privatschulen, aber Einsparungen an
Schulgebäuden, „das ist Klassenkampf von oben, und den nehmen wir nicht
einfach hin. Wir lassen nicht zu, dass Bildung weiter kaputtgespart wird“,
rief er unter Jubel.
„Wir haben uns nicht für das Brandenburger Tor entschieden, sondern für das
Kottbusser Tor. Denn hier in der Umgebung ist jedes zweite Kind von Armut
betroffen“, sagte Akgün anschließend zur taz: Bildungsgerechtigkeit müsse
erkämpft werden. Beim aktuellen Streik gehe es nicht einfach um ein
besseres Gehalt, so Akgün, sondern die GEW verbinde ihren Tarifkampf mit
sozialen Forderungen: „Wir fordern seit vielen Jahren kleinere Klassen,
damit unsere Kolleg*innen mehr Zeit haben für die Kinder und auf sie
eingehen können. Wir fordern dringende Entlastung für Brennpunktschulen und
Brennpunktkitas. Wir fordern echte Strategien zur Bekämpfung von
Kinderarmut. Wir wollen, dass die Schulen besser ausgestattet werden.“
„Uns wird gesagt, man müsse bei Bildung sparen. Man müsse bei Sozialem
sparen. Wir hätten hohe Kosten bei Sozialausgaben, bei Geflüchteten“, so
Akgün. Doch Steuerprüfungen von Großbetrieben vergangenes Jahr in Berlin
hätten zu Nachforderungen in Höhe von 345 Millionen Euro geführt. Für Akgün
ist klar: „Das Geld ist da, nehmt das Geld nicht bei den Kindern, nicht bei
den Beschäftigten, nicht bei Sozialprojekten, nicht bei Vereinen oder
Bildungseinrichtungen. Nehmt die, die Milliarden anhäufen,
Krisenprofiteure, Milliardenerben, die haben in den letzten Zeiten richtig
abgesahnt. Auf die Idee zu kommen, den Sozialstaat entschlanken zu wollen
oder bei Bildung kürzen zu wollen, das sind falsche Prioritäten, die dazu
führen werden, dass soziale Konflikte sich weiter verschärfen werden.“
Die dritte Verhandlungsrunde ist für den 11. bis 13. Februar in Potsdam
geplant. Wenn es dann kein Ergebnis gibt, soll der Streik weitergeführt
werden.
29 Jan 2026
## AUTOREN
(DIR) Darius Ossami
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