# taz.de -- Meloni-Gesicht in italienischer Kirche: Rechter Engel in Rom
> Nach der Restaurierung sieht ein Engel in einer Kirche der
> Regierungschefin ähnlich. Dahinter steckt ein Anhänger Melonis. Die
> Ministerpräsidentin schickt einen Smiley.
(IMG) Bild: So viel zur Trennung von Kirche und Staat: Basilika San Lorenzo in Rom am 31. Januar 2026
In einer der ältesten Kirchen von Rom scheint Italiens rechte
[1][Ministerpräsidentin Giorgia Meloni] nun als Engel mit Flügeln zu sehen
zu sein – das sorgt für große Debatten. Der Fall beschäftigt inzwischen
sogar Papst Leo XIV., der zugleich Bischof von Rom ist. Dahinter steckt
offensichtlich ein Meloni-Verehrer, der in der Basilika San Lorenzo in
Lucina bei der Restaurierung eines Freskos einem Engel das Antlitz der
Regierungschefin verpasste. Meloni selbst reagierte darauf mit einem
Smiley.
Die katholische Kirche, deren Wurzeln bis ins fünfte Jahrhundert
zurückreichen, liegt mittendrin im historischen Zentrum von Rom. Sie ist
auch bekannt, weil sich dort eine Marmorbüste des letzten italienischen
Königs Umberto II. befindet, der nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1946
ins Exil ging. Darüber sind zwei Engel gemalt, an denen vor der
Restaurierung nichts besonders auffällig war.
## Ein Engel mit Italien-Karte
Jetzt ähnelt einer davon allerdings ungewöhnlich deutlich der
Ministerpräsidentin von der Rechtspartei Fratelli d'Italia (Brüder
Italiens), die Italien seit mehr als drei Jahren ununterbrochen regiert –
länger als fast alle anderen Regierungschefs nach dem Zweiten Weltkrieg.
Der „Meloni-Engel“ hält eine Schriftrolle mit den Umrissen Italiens in der
Hand. Der andere Engel – immer noch gewöhnlich – reicht dem in Ungnade
gefallenen Herrscher die Krone. Das Fresko ist nach Medienberichten nicht
besonders alt, sondern stammt aus dem Jahr 2000.
Die Angelegenheit fiel zunächst nicht größer auf – bis die Zeitung La
Repubblica sie am Samstag publik machte. Als Urheber geriet schnell ein
Römer unter Verdacht, der als ehrenamtlicher Helfer für die Kirche tätig
ist und künstlerische Ambitionen hat. Der Mann namens Bruno Valentinetti
gab schließlich auch zu, das Fresko restauriert zu haben. Auf Fragen von
Reportern antwortete er allerdings: „Wer sagt, dass es sich um
Ministerpräsidentin Meloni handelt?“
## Meloni: „Ich sehe sicherlich nicht wie ein Engel aus“
Meloni selbst, die in allen Umfragen das Feld von Italiens Politikern klar
anführt, postete ein Foto des Engels auf ihrer Instagram-Seite. Dazu
schrieb die 49-Jährige, versehen mit einem lachenden Smiley: „Nein, ich
sehe sicherlich nicht wie ein Engel aus.“ Aus der linken Opposition kamen
Proteste, dass es nicht einmal mehr Respekt vor der Kunst und der Kirche
gebe. In den Cafés der italienischen Hauptstadt amüsierten sich am
Wochenende viele über die Idee. Andere äußerten sich empört.
Der Fall beschäftigt inzwischen sogar den Vatikan, weil Papst Leo als
Oberhaupt der katholischen Kirche auch Bischof von Rom ist. Dort löste die
eigenmächtige Umwandlung des Engels Unmut aus. Der Generalvikar des
Bistums, Kardinal Baldo Reina, betonte, „Bilder der sakralen Kunst und der
christlichen Tradition“ dürften nicht für andere Zwecke instrumentalisiert
werden. Jetzt wird darüber nachgedacht, ob das Fresko wieder umgestaltet
werden soll.
## Zeitung: Maler war auch schon für Berlusconi tätig
Nach Informationen von Repubblica wirkte Valentinetti früher schon bei
Innenarbeiten in San Lorenzo mit. Politisch sei er im rechten Lager
verortet. Er soll auch schon vom inzwischen verstorbenen
rechtspopulistischen Regierungschef [2][Silvio Berlusconi] für
Renovierungsarbeiten in einer Villa beschäftigt worden sein. (dpa)
1 Feb 2026
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