# taz.de -- Dokumente über verurteilten Sexualtäter: Trump wird den Epstein-Skandal nicht los
       
       > Der US-Präsident steckt in einer politischen Zwickmühle. Sein Umgang mit
       > dem Fall Jeffrey Epstein könnte ihn die Unterstützung der MAGA-Bewegung
       > kosten.
       
 (IMG) Bild: Eine Statue, erbaut aus Protest vor dem Kapitol in Washington
       
       Die jüngsten Enthüllungen im Fall des verurteilten Sexualstraftäters
       Jeffrey Epstein werfen neue Fragen auf, konkrete Antworten bleiben sie
       allerdings weiter schuldig. Das US-Justizministerium veröffentliche
       vergangene Woche wie vom US-Kongress angeordnet weitere Akten und Dokumente
       in dem Fall. Dazu gehörten mehr als drei Millionen Textseiten, 180.000
       Fotos und über 2.000 Videoaufnahmen.
       
       Die Namen vieler bekannter Persönlichkeiten verstecken sich in den
       Dokumenten, darunter ein früherer Regierungsberater, ein
       American-Football-Team-Besitzer sowie die Milliardäre Bill Gates [1][und
       Elon Musk.] Auch US-Präsident Donald Trumps Name kommt mindestens
       eintausend Mal vor. Doch mit rechtlichen Konsequenzen muss der Republikaner
       nicht rechnen.
       
       „Es gibt viele E-Mails. Es gibt viele Fotos. Es gibt viele schreckliche
       Fotos, die offenbar von Epstein oder Personen aus seinem Umfeld aufgenommen
       wurden. Aber das reicht nicht unbedingt aus, um jemanden strafrechtlich zu
       verfolgen“, erklärte der stellvertretende Justizminister Todd Blanche am
       Samstag dem Sender CNN. Ganz abgesehen davon, dass der 79-jährige Trump als
       amtierender Präsident auch nahezu vollständige Immunität genießt – dank
       Supreme Court.
       
       Die veröffentlichten Dokumente bestätigten vor allem das, was bereits
       bekannt war. Nämlich, dass Epstein mit Trump und dem ehemaligen Präsidenten
       Bill Clinton über Jahre hinweg befreundet war. Beide haben angegeben,
       nichts von Epsteins Taten gewusst zu haben.
       
       Trump kommentierte die Veröffentlichung der Dokumente am Samstag so: „Ich
       habe sie selbst nicht gesehen, aber mir wurde von sehr wichtigen Personen
       versichert, dass sie mich nicht nur entlasten, sondern genau das Gegenteil
       dessen beweisen, was die Leute erwartet hatten.“ Was der US-Präsident damit
       meint, ist unklar. Es gibt Stimmen, die bislang ohne Beweise behaupten,
       Trump habe sich in der Causa Epstein ebenfalls etwas zu Schulden kommen
       lassen.
       
       Allgemein herrscht in der US-Bevölkerung Unmut über die schleppende
       Aufarbeitung des Falls. Epstein hatte über Jahre hinweg minderjährige
       Mädchen missbraucht und sie seinen Klienten zugeführt. Nur etwas mehr als
       einen Monat nachdem Epstein angeklagt wurde, wurde er im August 2019
       bewusstlos in seiner Zelle in einem New Yorker Gefängnis aufgefunden. Die
       Behörden sprechen von Suizid.
       
       ## Politische Zwickmühle
       
       Für Trump ist der Skandal auch ohne die Gefahr von rechtlichen Folgen ein
       ernstzunehmendes Problem. Die Kontroverse um Epstein hat sich wie ein
       großer Schleier auf seine Rückkehr ins Präsidentenamt gelegt.
       
       Trump selbst hatte lange die in der QAnon-Bewegung grassierende
       Verschwörungserzählung befeuert, Epstein [2][sei eigentlich ermordet
       worden], um dessen mächtige Freunde zu schützen. Im Wahlkampf vor zwei
       Jahren versprachen Trumps loyale Unterstützer, dass die sogenannten
       Epstein-Files inklusive einer angeblichen Klientenliste nach einem Wahlsieg
       schnell veröffentlicht werden würden. Was folgte, war allerdings ein
       schneller Rückzieher. Diese abrupte Kehrtwende und Trumps hartnäckiger
       Widerstand gegen die Freigabe der Akten führte zu Spekulationen darüber,
       dass diese womöglich belastende Informationen über ihn oder seine
       Vertrauten enthalten.
       
       Am Ende war der politische Druck zu groß und Trump lenkte ein. Doch auch
       mit der Veröffentlichung ist das Thema nicht vom Tisch. Es gibt Fragen
       darüber, ob das Justizministerium Informationen bewusst geheim halte, um
       Personen zu schützen.
       
       Justizminister Blanche verneint dies. Das Weiße Haus hat uns „nicht
       vorgeschrieben, wie wir unsere Überprüfung durchzuführen haben, worauf wir
       achten sollen, was wir schwärzen sollen und was nicht“, sagte der
       stellvertretende Justizminister. Trotzdem fühlen sich viele MAGA-Wähler
       hintergangen. Sie wollen, wie auch viele andere in der US-Bevölkerung,
       endlich sehen, dass die verantwortlichen Personen zur Rechenschaft gezogen
       werden.
       
       „Wichtig ist nicht die Veröffentlichung eines Teils der Epstein-Akten,
       sondern die strafrechtliche Verfolgung derjenigen, die mit Epstein
       abscheuliche Verbrechen begangen haben. Erst wenn es mindestens eine
       Verhaftung gibt, wird der Gerechtigkeit Genüge getan sein. Andernfalls ist
       das alles nur Show und reine Ablenkung“, erklärte Elon Musk, der in den
       Dokumenten erwähnt wird. Ob er sich mit Epstein traf und auf dessen Insel
       war, geht daraus bisher nicht hervor. Musk selbst bestreitet das.
       
       Aus politischer Sicht ist dies eine fast aussichtslose Position für Trump,
       unter anderem, weil er so lange zögerte, die Akten zu veröffentlichen. Doch
       damit nicht genug, denn solange die Veröffentlichung nicht in einer Anklage
       endet, werden einige davon ausgehen, dass die US-Regierung Informationen
       zurückhält. Es ist ein akutes politisches Risiko für den Präsidenten, denn
       es scheint eines der wenigen Themen zu sein, bei denen Trump Gefahr läuft,
       [3][seine loyalen MAGA-Wähler] zu verlieren.
       
       3 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Hansjürgen Mai
       
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