# taz.de -- +++ Neues zu den Epstein Files +++: Opfer mit Todesdrohungen konfrontiert
> Epstein-Opfer kritisieren unzureichende Schwärzungen in den Dokumenten.
> Polen ermittelt auch zu Epstein-Akten. Und eine britische Stiftung macht
> dicht.
(IMG) Bild: In dieser Version der Epstein-Akten wurde geschwärzt, in anderen hingegen nicht ausreichend zum Schutz der Opfer
## Polen untersucht mögliche Russland-Verbindung
Polen will mögliche Auswirkungen der Affäre um den verstorbenen
Sexualstraftäter Jeffrey Epstein auf das eigene Land untersuchen und hält
dabei auch Verbindungen nach Russland für möglich. Ministerpräsident Donald
Tusk kündigte am Dienstag an, die Behörden würden prüfen, ob es polnische
Verwicklungen gebe. Ein Schwerpunkt der Ermittlungen solle zudem auf einer
möglichen russischen Beteiligung an den Aktivitäten Epsteins liegen.
Um den Fall ranken sich zahlreiche Theorien. Dazu gehören Spekulationen,
Epstein habe im Auftrag von Geheimdiensten kompromittierendes Material
(„Kompromat“) über einflussreiche Personen gesammelt, um diese erpressbar
zu machen. Tusk greift mit seiner Ankündigung diesen Aspekt nun auf
offizieller Regierungsebene auf. (rtr)
## Stiftung von Sarah Ferguson schließt
Wenige Tage nach der Veröffentlichung weiterer Epstein-Akten hat die
Stiftung der Ex-Frau des früheren britischen Prinzen Andrew, Sarah
Ferguson, die Einstellung ihrer Tätigkeiten angekündigt. „Sarah’s Trust“
werde „auf absehbare Zeit“ schließen, sagte ein Sprecher britischen Medien.
Die Entscheidung sei „seit einigen Monaten“ diskutiert worden.
Die in Deutschland vor allem auch als „Fergie“ bekannte Ferguson taucht wie
ihr früherer Ehemann prominent in den Akten über den 2019 in Haft
gestorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein auf. Andrew hatte deshalb alle
seine Ehren und Titel abgeben müssen und heißt nur noch Andrew
Mountbatten-Windsor. Auch Ferguson verlor ihren Titel als Herzogin von
York. Die Nennung in den Epstein-Akten allein ist kein Beweis für ein
Fehlverhalten.
Die Verbindung von Ferguson zu Epstein ist bekannt. Sie hatte 2011 in einem
Interview mit der Zeitung Evening Standard zugegeben, von Epstein 15.000
Pfund (derzeit etwa 17.000 Euro) angenommen zu haben, und öffentlich
bedauert, Kontakt zu Epstein gehabt zu haben. „Fergie“ soll sich einem
Bericht der Sun zufolge aber dafür bei Epstein später per E-Mail „zutiefst“
entschuldigt haben. Auch die Epstein-Akten legen nahe, dass die
freundschaftliche Beziehung anhielt.
Zuvor hatten bereits andere Wohltätigkeitsorganisationen ihre
Zusammenarbeit mit Ferguson eingestellt. In E-Mails, die Ferguson
zugeordnet werden, wird Epstein unter anderem um finanziellen Rat gefragt.
In einer weiteren E-Mail scheint Epstein zur Geburt eines Jungen gratuliert
zu werden. (dpa)
## Epstein-Opfer beklagen Todesdrohungen
Das US-Justizministerium hat nach eigenen Angaben Tausende Dokumente und
Medien aus der jüngsten Veröffentlichung von Ermittlungsakten im Fall
Epstein zurückgezogen. Anwälte von fast 100 mutmaßlichen [1][Opfern des
Sexualstraftäters] Jeffrey Epstein hatten bei einem Gericht in New York
beanstandet, dass unzureichende Schwärzungen und lückenhafte
Anonymisierungen das Leben ihrer Mandanten „auf den Kopf gestellt“ hätten.
Sie warfen dem Ministerium schwere Versäumnisse vor und forderten das
Gericht auf, umgehend einzugreifen. Es gebe keinen Grad an institutioneller
Inkompetenz, der geeignet sei, als Erklärung für das Ausmaß des Versagens
herzuhalten, schrieben die Anwälte Brittany Henderson und Brad Edwards. Die
einzige Aufgabe, die gerichtlich angeordnet und vom Ministerium immer
wieder betont worden sei, sei zudem einfach gewesen: die Namen bekannter
Opfer vor der Veröffentlichung zu schwärzen.
Sie sprachen von Tausenden Fällen, in denen die Regierung Namen und andere
personenbezogenen Daten nicht ausreichend unkenntlich gemacht habe. Acht
Frauen fügten dem Schreiben an Richter Richard M. Berman eigene
Stellungnahmen hinzu. Eine schrieb, die Veröffentlichung der Akten sei
„lebensbedrohlich“. Eine andere erklärte, sie habe Todesdrohungen erhalten,
nachdem 51 Einträge ihre privaten Bankdaten enthalten hätten. Sie habe
daraufhin versucht, Kreditkarten und Konten zu sperren. Berman beraumte für
Mittwoch eine Konferenz an.
Die vom Justizministerium veröffentlichten Akten enthielten unter anderem
Nacktbilder, auf denen die Gesichter mutmaßlicher Opfer zu erkennen sind,
Namen, E-Mail-Adressen und andere Informationen, mit denen sie persönlich
identifiziert werden können, die nicht oder nicht vollständig unkenntlich
gemacht wurden. Das Ministerium sprach von einem „technischen oder
menschlichen Fehler“.
In einem Schreiben an die New Yorker Richter, die die Verfahren gegen
Epstein und seine Vertraute Ghislaine Maxwell beaufsichtigen, erklärte der
US-Bundesstaatsanwalt Jay Clayton im Namen des Ministeriums, man habe
nahezu alle Materialien entfernt, die von Opfern oder deren Anwälten
benannt worden seien – ebenso eine „erhebliche Zahl“ von Dokumenten, die
die Regierung selbst identifiziert habe.
Das Ministerium habe auch seine Richtlinien für den Umgang mit
beanstandeten Dokumenten überarbeitet, nachdem Opfer und ihre
Rechtsvertreter Änderungen verlangt hätten, schrieb Clayton. Wenn
Unterlagen von Opfern beanstandet würden, würden sie aus dem Netz genommen,
geprüft und in geschwärzter Form wieder eingestellt, „idealerweise
innerhalb von 24 bis 36 Stunden“.
Ein Bereich der Website des Justizministeriums zu [2][Epstein-Akten], auf
dem öffentliche Gerichtsunterlagen aus den Strafverfahren gegen Epstein und
Maxwell sowie aus Zivilklagen abrufbar gewesen waren, funktionierte am
Montag nicht mehr. Die Nachrichtenagentur AP hinterließ eine Bitte um
Stellungnahme beim Justizministerium.
AP-Journalisten, die die Akten analysieren, haben mehrere Fälle gefunden,
in denen Namen in einem Dokument geschwärzt sind, in anderen Versionen
derselben Datei jedoch sichtbar. An anderen Stellen sind Namen und
E-Mail-Adressen zwar durchgestrichen, aber nicht vollständig unkenntlich
gemacht, sodass sie weiterhin erkennbar sind. Andere Textschwärzungen
lassen sich leicht durch Doppelklicken aufheben, um den darunterliegenden
Text anzuzeigen. Mit Blick auf in den Epstein-Akten enthaltene
Nacktaufnahmen und pornografische Darstellungen hat das Justizministerium
erklärt, dass abgebildete Frauen als mögliche Opfer betrachtet würden und
deshalb entsprechende Unkenntlichmachungen vorgenommen worden seien. (ap)
## Lettland: Polizei ermittelt wegen Epstein-Akten
In Lettland hat die Polizei Ermittlungen zu den Epstein-Akten eingeleitet,
nachdem das baltische EU-Land in den neu veröffentlichten Dokumenten als
möglicher Rekrutierungsort für junge Frauen und Minderjährige aufgetaucht
ist. Auch die Generalstaatsanwaltschaft in Riga kündigte an, die nun
bekanntgewordenen Informationen im Fall des verurteilten amerikanischen
Sexualstraftäters Jeffrey Epstein zu untersuchen. Dies meldeten die
Nachrichtenagentur Leta und der lettische Rundfunk.
Das US-Justizministerium hatte am Freitag weitere Ermittlungsakten zum Fall
Epstein veröffentlicht. Die Dokumente deuten Untersuchungen von lettischen
Medien zufolge darauf hin, dass Lettland einer der Orte war, an denen junge
Frauen und Minderjährige für Epsteins kriminelle Zwecke rekrutiert worden
seien. Lettland werde demnach in den Dokumenten in verschiedenen
Zusammenhängen mehr als 500-mal erwähnt, die Hauptstadt Riga sogar mehr als
800-mal.
Die veröffentlichten Akten enthalten den Medienberichten zufolge die Namen
mehrerer lettischer Models und Modelagenturen sowie Epsteins persönliche
Korrespondenz mit lettischen jungen Frauen. Auch könnten Frauen aus
Lettland dessen Assistentinnen gewesen sein, hieß es. In den
veröffentlichten Akten seien zudem Pässe lettischer junger Frauen,
Flugtickets von und nach Riga sowie Hotelreservierungen in der lettischen
Hauptstadt zu finden. (dpa)
## Clinton zu Aussage bereit
Der ehemalige US-Präsident Bill Clinton und seine Frau, Ex-Außenministerin
Hillary Clinton, haben sich bereiterklärt, nun doch im Zuge der
Aufarbeitung des Epstein-Skandals vor dem US-Kongress auszusagen. Damit
wollen sie einem drohenden Verfahren wegen Missachtung des Kongresses
zuvorkommen, wie der US-Sender CNN und die New York Times übereinstimmend
berichteten.
## Vorwürfe politischer Motive
Die Anwälte der Clintons teilten dem zuständigen Ausschuss des
US-Repräsentantenhauses mit, das Ehepaar sei bereit, zu einvernehmlich
vereinbarten Terminen persönlich und unter Eid auszusagen. Zuvor hatten
sich die beiden Demokraten monatelang geweigert, im US-Kongress zur
Untersuchung des Falls des Sexualstraftäters Jeffrey Epstein auszusagen.
Zugleich warfen sie dem republikanischen Vorsitzenden des
Aufsichtsausschusses, James Comer, vor, ein politisch motiviertes Verfahren
zu betreiben.
Ob Comer nun das Angebot der Clintons annimmt, war zunächst offen. Die
republikanische Führung hatte zuletzt bereits ein Verfahren wegen
Missachtung des Kongresses gegen die Clintons angestoßen. Eine Verurteilung
eines früheren US-Präsidenten in einem solchen Fall wäre einmalig. (dpa)
## Prozess gegen Sohn von Norwegens Kronprinzessin beginnt
In der norwegischen Hauptstadt Oslo hat der Prozess gegen den ältesten Sohn
von Kronprinzessin Mette-Marit begonnen. Marius Borg Høiby, der Stiefsohn
von Kronprinz Haakon, nahm am Dienstagmorgen seinen Platz im
Verhandlungsraum am Bezirksgericht Oslo ein. Ihm werden in 38
Anklagepunkten diverse Straftaten zur Last gelegt, darunter Vergewaltigung,
die Misshandlung einer früheren Partnerin, Gewaltvorfälle, der Transport
von 3,5 Kilogramm Marihuana, Bedrohungen und Verkehrsverstöße.
Das Verfahren belastet die Königsfamilie schwer – wenngleich Høiby weder
einen Adelstitel besitzt noch royale Pflichten hat. Laut Staatsanwaltschaft
drohen dem 29-Jährigen im Fall einer Verurteilung bis zu zehn Jahre
Gefängnis. Teile des Verfahrens, das bis zum 19. März angesetzt ist, sollen
hinter verschlossenen Türen stattfinden. Høibys Rechtsvertreter haben
erklärt, er streite alle Vorwürfe sexuellen Missbrauchs sowie die Mehrheit
der Gewaltvorwürfe ab.
Høibys Anwalt Petar Sekulic sagte, die Festnahme sei nach einem
mutmaßlichen Vorfall am Sonntag erfolgt, nannte aber keine weiteren
Details. Sein Mandant lehnte die Untersuchungshaft ab. Prinz Haakon hat
erklärt, dass weder er noch Mette-Marit planten, dem Prozess beizuwohnen.
Das Königshaus habe auch nicht vor, sich zu dem Verfahren zu äußern.
Mette-Marit selbst steht aktuell wegen ihrer Kontakte zum Sexualstraftäter
Jeffrey Epstein unter Druck. (ap)
3 Feb 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Memoiren-von-Epstein-Opfer-Giuffre/!6125521
(DIR) [2] /Freigabe-der-Epstein-Akten/!6140572
## TAGS
(DIR) sexueller Missbrauch
(DIR) Opfer
(DIR) Jeffrey Epstein
(DIR) Lettland
(DIR) Bill Clinton
(DIR) Schlagloch
(DIR) Jeffrey Epstein
(DIR) Norwegen
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Die Epstein Files und die Moral: Das hat Pizzagate-Potenzial
Die Epstein Files symbolisieren ein neofeudales Zeitalter. Und das braucht
keinen Marquis de Sade, es hat Jeffrey Epstein und seine Getreuen.
(DIR) Dokumente über verurteilten Sexualtäter: Trump wird den Epstein-Skandal nicht los
Der US-Präsident steckt in einer politischen Zwickmühle. Sein Umgang mit
dem Fall Jeffrey Epstein könnte ihn die Unterstützung der MAGA-Bewegung
kosten.
(DIR) Norwegens Königshaus unter Druck: Reger Mailverkehr mit Jeffrey Epstein
Ermittlungen zufolge soll Kronprinzessin Mette-Marit oft mit dem
US-Sexualstraftäter korrespondiert haben. Ab Dienstag steht ihr ältester
Sohn vor Gericht.
(DIR) Veröffentlichung neuer Epstein-Akten: Ex-Prinz Andrew soll aussagen
Der britische Premier Starmer erhöht den Druck auf Andrew
Mountbatten-Windsor: Er soll zur Aufklärung des Missbrauchsskandals vor dem
US-Kongress beitragen.