# taz.de -- Der Kampf um Rojava: Hoffnung ist kurdisch
       
       > Schon wieder werden die Kurd:innen im Stich gelassen. Und wieder einmal
       > von denen, die sich Freiheit und Demokratie auf die Fahnen schreiben.
       
 (IMG) Bild: Mal wieder lässt der Westen die Kurd*innen im Stich- deren Antwort und Reaktion wie schon immer Solidarität
       
       Widerstand ist Leben, lautet ein kurdisches Sprichwort. Für Kurd:innen
       ist das kein Pathos, sondern eine nüchterne Zustandsbeschreibung. Wer
       kurdisch ist, lernt früh, dass die eigene Identität etwas ist, das
       verteidigt werden muss – ein Leben lang.
       
       Schon wieder werden die Kurd:innen im Stich gelassen. Wieder einmal von
       denen, die sich Freiheit und Demokratie auf die Fahnen schreiben: [1][die
       USA, der sogenannte Westen]. Dieselben Akteure, die sich noch vor wenigen
       Jahren auf die Schultern kurdischer Kämpfer:innen gestützt haben, als es
       darum ging, [2][den IS zu besiegen]. In Kobanê haben Kurd:innen nicht nur
       für ihr eigenes Überleben gekämpft, sondern auch für unsere Sicherheit.
       Unter einer Parole, die um die Welt ging: Jin Jiyan Azadî. Frau Leben
       Freiheit.
       
       2022 wurde dieser Slogan durch die Proteste in Iran erneut zu einem
       globalen Aufschrei. Politiker:innen auf westlichen Bühnen riefen ihn
       solidarisch, bewegt, manchmal ein bisschen zu selbstzufrieden. Heute sieht
       dieselbe Welt dabei zu, wie Kurd:innen erneut angegriffen und vertrieben
       werden. Diesmal durch das islamistische syrische Regime, unterstützt von
       der Türkei.
       
       „Eine Region, die einst ein Ort von Frieden und Brüderlichkeit war, wurde
       in eine [3][Arena von Blutvergießen verwandelt]“, sagt eine Frau aus
       Rojava, die anonym bleiben möchte. „Wie konnte es so weit kommen?“ Sie
       fragt nicht aus Naivität. Sie fragt, weil diese Frage weh tut. Weil sie uns
       meint.
       
       ## Ihre Antwort lautet Widerstand
       
       Wie also Hoffnung haben in all dem? Vor einigen Tagen kursierte ein Video
       eines Milizionärs, der grinsend mit dem abgeschnittenen Zopf einer
       getöteten Kurdin posierte. Kurdinnen weltweit flechten sich daraufhin die
       Haare und stellen ihre Videos in die sozialen Medien. Ihre kollektive
       Antwort auf Gewalt ist der Widerstand.
       
       Wir haben die kurdischen Kämpferinnen oft romantisiert: diese starken
       Frauen mit Kalaschnikow und geflochtenem Haar. Was wir dabei oft übersehen:
       Dieser Widerstand kommt aus einem brutalen Überlebensinstinkt. Aus der
       Erfahrung, dass es niemand anderes tun wird, wenn sie es nicht selbst tun.
       „Wir haben keine andere Wahl als Widerstand zu leisten“, sagt die Kurdin
       aus Rojava.
       
       Vielleicht ist das die eigentliche Hoffnung. Nicht die naive Vorstellung,
       dass alles gut wird, sondern die unbeirrbare Weigerung, sich brechen zu
       lassen. Aus Prinzip Hoffnung zu haben bedeutet, jetzt erst recht für Würde
       zu kämpfen. Hoffnung ist kurdisch.
       
       25 Jan 2026
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Daniela Sepehri
       
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