# taz.de -- Regierungserklärung zur Außenpolitik: „Europa muss die Sprache der Machtpolitik sprechen lernen“
> Bei seiner Regierungserklärung fordert Merz von Europa Geschlossenheit
> und machtpolitisches Selbstbewusstsein. Seine Rhetorik verändert sich.
(IMG) Bild: Bundeskanzler Friedrich Merz CDU bei der 56. Sitzung des Deutschen Bundestages am 29. Januar in Berlin
Friedrich Merz will an diesem Donnerstagmorgen im Bundestag ganz
offensichtlich zweierlei: den Willen zu europäischer Stärke ausstrahlen –
und Zuversicht. „Wir sehen seit einigen Wochen immer deutlicher, dass sich
eine Welt der Großmächte herauszubilden beginnt. In dieser Welt weht ein
rauer Wind“, sagt der Bundeskanzler zwar zu Beginn seiner
Regierungserklärung zur außenpolitischen Lage. Dann aber spricht er über
die Chancen, die sich aus diesen Veränderungen ergeben.
Über die Entschlossenheit und Stärke, [1][die die Europäische Union gerade
bewiesen hat] – und die Wirkung gezeigt hätten. Und er fordert von der EU
mehr machtpolitisches Selbstbewusstsein.
Damit verschiebt der Kanzler den eigenen Ton ein Stückchen weiter: weg von
Beschwichtigung mit Blick auf die Trump-Administration in den USA, hin zu
europäischer Gegenwehr. Im Bündnis mit den USA müsse klar sein: „Als
Demokratien sind wir Partner und Verbündete und nicht Untergebene.“
Hintergrund der Regierungserklärung sind die Ankündigungen von US-Präsident
Donald Trump, sich das zu Dänemark gehörende Grönland einzuverleiben – und
die damit einhergehenden Zolldrohungen gegen Deutschland und andere
europäische Staaten. Diese [2][hat Trump inzwischen wieder fallengelassen].
Ein Grund dafür, nicht nur aus Sicht des Bundeskanzlers: dass die EU zuvor
geschlossen die Bereitschaft signalisiert hat, ihrerseits deutliche
Gegenmaßnahmen zu ergreifen.
## Europa hat was zu bieten
„Das transatlantische Bündnis ist auch heute noch ein Wert an sich“, sagt
Merz und klingt damit kurz wieder wie früher. Doch dies füllt in seiner
Rede nur eine kurze Passage. Im Mittelpunkt: der Aufruf an die EU – und
damit auch an Deutschland selbst – zu Geschlossenheit und
Selbstbewusstsein. „Nur wenn wir auch selbst die Sprache der Machtpolitik
sprechen lernen, wenn wir selbst eine europäische Macht werden“, werde
Europa seine Vorstellungen durchsetzen können.
Aus den derzeitigen Veränderungen könnten sich auch Chancen für ein Europa
ergeben, das auf der Grundlage des Rechts agiere und sich der
internationalen Zusammenarbeit verschrieben habe. „Wir sind in der Welt
auch eine normative Alternative zu Imperialismus und Autokratie“, sagt
Merz. „Wir haben wirtschaftlich und wir haben vor allem ideell unseren
Partnern auf der Welt etwas zu bieten.“ Europa könne eine Macht sein,
„gerade auch auf der Grundlage der Werte, die wir nicht aufgeben wollen“.
Dass Deutschland zuletzt durch seine Unterstützung Israels in der Welt viel
Vertrauen verspielt hat, sagt der Kanzler natürlich nicht.
Europa müsse seine Sicherheit selbst in die Hand nehmen und dafür
Abhängigkeiten im technologischen Bereich und bei der
Verteidigungsfähigkeit abbauen. Die europäische Wirtschaft müsse
wettbewerbsfähig gemacht werden. Und Europa müsse geschlossen auftreten.
„Wir haben in diesen Wochen etwas spüren können vom Glück der
Selbstachtung“, sagt Merz. Das klingt einerseits ungewohnt pathetisch. Aber
hier scheint auch auf, wie herausfordernd, wenn nicht verzweifelt, die Lage
ist.
## Mehr Klarheit
Die Ukraine habe in Merz' Rede kaum eine Rolle gespielt, kritisiert die
grüne Fraktionschefin Britta Haßelmann in der anschließenden Debatte: „Herr
Bundeskanzler, mir reicht nicht ein Satz zur Ukraine.“ Dort müssten die
Menschen im vierten Kriegswinter vielfach ohne Heizung in klirrender Kälte
ausharren. Haßelmann erinnerte daran, dass Merz als Oppositionsführer stets
mehr Unterstützung des angegriffenen Landes gefordert hatte. „Mehr
Klarheit“ gegenüber Trump sei nötig, sagt Haßelmann weiter. Am Nachmittag
wird dazu ein Antrag der Grünen im Bundestag diskutiert.
Auch Linken-Fraktionschef Sören Pellmann fordert eine härtere Gangart
gegenüber dem US-Präsidenten, den er den „verhaltensauffälligen Flegel aus
dem Weißen Haus“ nennt. Pellmann kritisiert zudem die [3][zahlreichen
Völkerrechtsbrüche] der USA in der Vergangenheit.
Auffällig wenig zur Außenpolitik äußert sich dagegen AfD-Fraktionschefin
Alice Weidel. Stattdessen: das altbekannte Programm von Sozialmissbrauch
über Atomkraft bis „Massenmigration“. Das sei eine außenpolitische Debatte,
erinnert sie SPD-Fraktionschef Matthias Miersch, der nach ihr spricht. Aber
da sei die AfD eben „blank“, weil sie sich „den Spaltern an den Hals
geworfen“ habe.
29 Jan 2026
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## AUTOREN
(DIR) Sabine am Orde
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