# taz.de -- Wolf im Schwarzwald: Özdemirs Opferlamm
> In Baden-Württemberg soll nach 180 Jahren wieder ein Wolf legal
> geschossen werden. Die grüne Umweltministerin hilft damit Cem Özdemir im
> Wahlkampf.
(IMG) Bild: „…auch nur ein armes Schwein“, der Wolf im SChwarzwald, Baden-Württemberg
Der Wahlkampf im Südwesten könnte bald sein erstes Opfer fordern.
Umweltministerin Thekla Walker (Grüne) hat diese Woche den
„Hornisgrinde-Wolf“ per Ausnahmegenehmigung zum Abschuss freigegeben. Der
Wolf, offiziell GW2672 genannt, wäre der erste seiner Art, der in
Baden-Württemberg seit 180 Jahren legal erlegt wird.
Der Einzelgänger vom Nordschwarzwald (die Hornisgrinde ist der höchste Berg
dort) war immer wieder Menschen in der beliebten Wander- und
Wintersportgegend im Nordschwarzwald nahegekommen. Walker greift damit
robust in eine Wahlkampfdebatte ein. Denn [1][Grünen-Spitzenkandidat Cem
Özdemir] hatte unter dem Druck seines Herausforderers [2][Manuel Hagel] im
Landtagswahlkampf mehrfach versprochen, der Forderung von Bauern und Jägern
nachzukommen und den Wolf ins Jagdrecht aufzunehmen.
Landwirtschaftsminister Peter Hauk von der CDU und auch die FDP sehen darin
den einzigen Weg, Wölfe, die etwa Nutztiere reißen, legal zu entnehmen.
Walker hatte bisher betont, dass dafür erst das [3][Bundesjagdrecht]
geändert werden müsse.
Mit der Sondergenehmigung zeigt sie nun, dass der Abschuss gefährlicher
Wölfe auch ohne diese Änderung möglich ist. Doch der Zeitpunkt ist heikel:
Die Ministerin erließ die Genehmigung einen Tag vor einer Landtagsdebatte
über einen FDP-Gesetzentwurf zum Jagdrecht. Zudem gilt die Erlaubnis nur
bis zum 10. März, kurz nach der Landtagswahl. FDP-Chef Hans-Ulrich Rülke
kommentiert: „Der Wolf GW2672 wird als Opferlamm für Özdemirs Wahlkampf in
die Geschichte eingehen. “
Den Verdacht, der Abschuss diene allein dem Wahlkampf, äußert ausgerechnet
der Jagdverband, der die Entscheidung eigentlich begrüßt. Der Zeitpunkt sei
„sehr überraschend“, heißt es. Schließlich sei das auffällige Verhalten des
Wolfs bereits seit Mai 2024 bekannt.
Das Timing hängt jedoch mit der Paarungszeit zusammen, wie der
Grünen-Wolfsexperte Markus Rösler erklärt. Der einsame Wolf von der
Hornisgrinde sei „ja auch nur ein armes Schwein“, sagt ein Hundebesitzer,
der ihm begegnet ist, im SWR. Auf der Suche nach einer Partnerin nähert
sich der Wolf Hund und Mensch – eine fast aussichtslose Suche, da im
Schwarzwald bisher nur vier Wölfe leben.
Dieses Verhalten macht ihn aus Expertensicht zum Problemwolf. Auch der Bund
für Umwelt und Naturschutz unterstützt den Abschuss, um brenzlige
Situationen zu vermeiden. Handyvideos zeigen, wie der Wolf Spaziergänger
mit Hund über längere Zeit verfolgt. Ein lebendiger Fang sei bisher nicht
gelungen, erklärt das Ministerium. Deshalb gibt Walker ihn nun zum Abschuss
frei – und entschärft damit ein heikles Wahlkampfthema für den
Grünen-Spitzenkandidaten.
29 Jan 2026
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## AUTOREN
(DIR) Benno Stieber
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