# taz.de -- Frauen mit Jagdscheinen: Sie ballern, und das ist gut so
       
       > Die Zahl junger Frauen mit Jagdschein wächst. Dahinter verbirgt sich ein
       > seit Langem nötiger Generationenwechsel.
       
 (IMG) Bild: Ein Bild aus vergangene Tagen: die Jägerin Kerstin herrmann aus Dammendorf bei Chossewitz bei der Hubertusjagd im Oktober 1999
       
       Jetzt ballern auch noch die Frauen im Wald rum: Die Zahl der
       Jagdscheininhaber ist auf rund 470.000 gestiegen, ein absoluter Rekord –
       und es sind zunehmend Frauen darunter. Das ist gut so. Denn es geht nicht
       um die Frage, ob Frauen mit ihrer angeblich geringeren Aggressivität und
       größeren Mütterlichkeit (ach, Bambi) hier schießen oder nicht schießen.
       Dahinter steht ein Generations- und Kulturwandel, der dringend notwendig
       ist. Frauen sind hierbei ein wichtiger Bestandteil dieses Wandels.
       
       Die Jägerschaft, das waren viel zu lange zu viele ältere Männer, [1][oft
       mit Adelstitel und viel Geld]. Sie verteidigten mit Macht ihre Privilegien:
       Waffen besitzen, morgens auf dem Hochsitz sitzen, Trophäen jagen,
       Wohnzimmerwände mit Geweihen pflastern. Wer den komplexen Jagdschein machen
       wollte – das sogenannte grüne Abitur –, brauchte dafür viel Zeit und viel
       Geld.
       
       Verteidigt wurde und wird dabei ein komplett überaltertes System aus
       jahrezehntelangen Pachten und unreformierten Gesetzen, das vor allem eines
       schützt: viel Wild. Aber der dringend notwendige Umbau unserer Wälder zu
       mehr Klimaresilienz funktioniert nicht ohne ein [2][passendes
       Jagdmanagement], also weniger Wild. Mit dem Wegsterben der alten
       Jagdpatriarchen und der Emanzipation jüngerer Jagdgenerationen öffnen sich
       endlich die Türen für moderne Jägerinnen und Jäger. Frauen knacken hier
       eine der letzten Männerdomänen.
       
       Den Jagdschein kann man mittlerweile in kurzer Zeit machen, der Aufwand ist
       überschaubar, die Kosten sind es auch. Das lockt junge Jägerinnen und
       Jäger, wie beispielsweise in dem kleinen Ökologischen Jagdverband (ÖJV).
       Der Verein, der übrigens lange von einer Frau geleitet wurde, wächst. Der
       ÖJV jagt mit einem klaren Bewusstsein dafür, dass der [3][Wald nicht nur
       eine Kulisse] für Jagdwild ist, sondern ein Ökodienstleister, der
       entwickelt und geschützt werden muss. Wenn es nicht möglich ist, das
       Management über Gesetze zu verbessern, dann muss es eben bottom-up
       geschehen: mit mehr jungen Jägerinnen und Jägern.
       
       29 Jan 2026
       
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