# taz.de -- Minneapolis: Trump nennt tödliche ICE-Schüsse plötzlich „furchtbar“
> Der US-Präsident hat nach dem Tod zweier Menschen in Minneapolis seine
> Rhetorik geändert. Er erklärte zudem, er wolle die Situation
> „entschärfen“.
(IMG) Bild: Mit Blumen gedenken Menschen in Minneapolis des ICE-Opfers Alex Pretti
Das Lügengerüst, das Vertreter der Trump-Regierung kurz nach den
[1][tödlichen Schüssen auf Alex Pretti] durch Schergen der
Einwanderungsbehörde aufgebaut hatten, fällt nach und nach in sich
zusammen. Ein erster Untersuchungsbericht der Grenzschutzbehörde CBP
widerspricht den bisherigen Aussagen aus dem Weißen Haus, die den
37-jährigen Krankenpfleger als einen „Terroristen“ und „potenziellen
Attentäter“ beschrieben, der es darauf abgesehen hätte, Sicherheitsbeamte
zu töten.
Auch Präsident Donald Trump hat seine bisherigen Aussagen am Dienstag
relativiert. „Unterm Strich ist es einfach furchtbar. Beide (tödlichen
Vorfälle) waren furchtbar“, sagte er im Interview mit Fox News und verwies
dabei neben der Tötung von Alex Pretti auch auf die von Renée Good.
[2][Diese war am 7. Januar von einem Mitarbeiter der Einwanderungsbehörde
ICE erschossen worden]. Beide Vorfälle ereigneten sich in der US-Großstadt
Minneapolis.
Trump erklärte, dass seine Regierung versuchen wolle, die Situation in
Minneapolis zu „entschärfen“. Wie dies genau aussehen soll, ließ er
allerdings offen. Laut US-Medien könnte es sich dabei um einen Teilabzug
der ICE-Mitarbeiter aus der Stadt handeln.
Gleichzeitig verlangte der Präsident eine „ehrliche“ Untersuchung zu den
Umständen, die am Samstagmorgen zum Tod von Pretti geführt haben. Die
bisherigen Lügen der Trump-Regierung, die sowohl das Opfer verunglimpften
als auch die Tatsachen verfälschten, [3][konnten durch zahlreiche
Videoaufnahmen belegt werden].
Trotzdem hat bislang niemand aus der Regierung Verantwortung für die
zahlreichen Falschaussagen übernommen. Trump bleibt allerdings bei seiner
Kritik, dass Pretti keine Waffe bei sich hätte tragen dürfen, als er die
Einwanderungsoperation der Behörden filmte und dagegen demonstrierte. Auch
Heimatschutzministerin Kristi Noem und FBI-Direktor Kash Patel, die in den
vergangenen Tagen ähnliche Aussagen getroffen hatten, haben diese bislang
nicht zurückgenommen.
Für Mitglieder der Republikanischen Partei, die sich die Verteidigung des
zweiten Verfassungszusatzes, also des Rechts auf Waffenbesitz, groß auf die
Fahne schreiben, sind solche Aussagen gleich zweifach problematisch. Nicht
nur sind sie, da Pretti einen legalen Waffenschein besaß, rechtlich falsch,
sondern auch politisch heikel.
Der Lobbyverband NRA, der die Interessen der amerikanischen Waffenbranche
und -besitzer vertritt, verurteilte diese Aussagen als gefährlich und
forderte Regierungsbeamte dazu auf, sich gegen eine „Verallgemeinerungen
und die Dämonisierung gesetzestreuer Bürger“ zu wehren.
## Kritik von allen Seiten
Die Kritik aus den Reihen der Waffenlobby macht klar, dass nicht nur
Demokraten sich an den Aussagen der Regierung stören. „Im Moment hagelt es
Kritik von allen Seiten“, sagte ein anonymer Trump-Berater im Gespräch mit
Axios.
Das Weiße Haus versucht auch deshalb, Trump von den kontroversen Aussagen
seiner Regierungsmitglieder abzusetzen. Der republikanische Präsident
erklärte Journalisten, dass er den getöteten Pretti nicht für einen
Attentäter halte. „Davon weiß ich nichts“, sagte er.
Dennoch lobte Trump Noem am Dienstag sogar für ihre hervorragende Arbeit an
der US-mexikanischen Grenze, wo die Zahl der illegalen Einwanderer seit
Trumps Amtsantritt dramatisch gesunken ist. Die bislang einzige Person, für
die es im Zuge der zwei tödlichen Vorfälle in Minnesota eine Art von
Konsequenz gab, ist [4][Gregory Bovino]. Der ehemalige Topmann der
Grenzschutzbehörde CBP wurde von Trump durch Border-Zar Tom Homan ersetzt.
Trump bestätigte gegenüber Fox News, dass es bei der Entscheidung um die
Optik gegangen sei. Es sei kein „Rückzieher“, sondern nur eine kleine
Veränderung. „Bovino ist zwar sehr fähig, aber er ist auch ein ziemlich
exzentrischer Typ. Und in manchen Fällen ist das gut. Vielleicht war es in
diesem Fall nicht so gut“, sagte Trump.
## Politisches Gift für Trump
Demokraten und auch mindestens ein Republikaner fordern mehr Konsequenzen
Sie plädieren dafür, dass auch Noem und Miller ihren Hut nehmen. Der
demokratische Abgeordnete Bernie Thompson erklärte am Montag, dass das
Repräsentantenhaus unverzüglich „ein Amtsenthebungsverfahren gegen Kristi
Noem“ einleiten müsse. Sowohl Trump als auch Noem hätten laut Thompson
„Blut an ihren Händen“.
Der republikanische Senator Thom Tillis fügte hinzu, dass Miller in Sachen
Inkompetenz nicht zu überbieten sei und dass, wenn er Präsident wäre, weder
Miller noch Noem einen Job hätten. Am Montag forderten zudem die beiden
größten Gewerkschaften für Bundesangestellte, dass Noem und Miller
zurücktreten müssten.
Weder Noem noch Miller haben sich bisher zu den Rücktrittsforderungen
geäußert. Miller musste allerdings öffentlich eingestehen, dass die
CBP-Beamten bei den tödlichen Schüssen auf Pretti möglicherweise gegen die
eigenen Vorschriften verstoßen hätten.
Für Trump und seine Regierung ist die Situation in Minnesota auch
politisches Gift. Bei einer Veranstaltung in Iowa am Dienstag erwähnte er
die beiden tödlichen Schießereien in Minneapolis deshalb erst gar nicht.
Thema war die Wirtschaft, und auch dort tut sich Trump gerade schwer, die
Menschen vom Erfolg seiner Politik zu überzeugen.
28 Jan 2026
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## AUTOREN
(DIR) Hansjürgen Mai
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