# taz.de -- Ermittlung gegen Vulkangruppe: Ein Zeichen der Verzweiflung
       
       > Bundesinnenminister Dobrindt kündigt 1 Million Euro Kopfgeld auf die
       > Vulkangruppe sowie ein Aufrüsten gegen Linksextremismus an. Er scheint
       > einen Erfolg nötig zu haben.
       
 (IMG) Bild: Am 5. Januar gehen im Südwesten Berlins die Lichter aus. Die Polizei tappt immer noch im Dunkeln
       
       Man möchte nicht Alexander Dobrindt sein. Das gilt generell (und) aus
       vielerlei Gründen. Aber vor allem will man nicht in der Haut eines
       konservativen CSU-Innenministers stecken, von dem in seiner Rolle als
       Innenminister, aber eben auch als rechter Scharfmacher erwartet wird,
       Erfolge im Kampf gegen radikale Linke vorzuweisen.
       
       Im konkreten Fall würde sich Dobrindt gern mit der Aufklärung des Anschlags
       auf das Stromnetz im Berliner Südwesten schmücken. [1][Für Hinweise auf die
       sogenannte Vulkangruppe hat der Bund 1 Million Euro ausgelobt] und eine
       breite Öffentlichkeitsfahndung gestartet, deren Plakate ohne jede
       Informationen einzig auf das Kopfgeld hinweisen.
       
       Doch während sich Dobrindt damit als Macher inszenieren will, offenbart
       seine Ankündigung vor allem zweierlei: Die absurd hohe Summe – 40-mal so
       viel, wie für die Ergreifung des RAF-Mitglieds Daniela Klette gezahlt wurde
       – zeigt zum einen, dass die Ermittlungsbehörden vollends im Dunkeln tappen.
       Dunkler noch als Straßenzüge in Steglitz-Zehlendorf Anfang des Jahres.
       
       Zum anderen offenbart das ausgesetzte Kopfgeld, wie ahnungslos Konservative
       und Sicherheitsbehörden sind, wenn es um radikale Linke geht. Links sein
       bedeutet nämlich zuallererst einmal, sich nicht kaufen zu lassen, schon gar
       nicht vom Staat. Das gilt umso mehr für jenen kleinen Teil der Szene, in
       der die Vulkangruppe(n) anzusiedeln sind, der nicht mehr auf die
       Reformierbarkeit der Gesellschaft setzt, sondern dieser abgeschworen hat.
       
       Unter dem Label von „Vulkangruppen“ werden vor allem in Berlin und
       Brandenburg [2][seit 2011 Anschläge auf die Infrastruktur verübt]. 15
       Jahre, in denen Sicherheitsbehörden den wahrscheinlich verschiedenen
       Täter:innengruppen keinen Schritt näher gekommen sind. Und nichts
       spricht dafür, dass sich das alsbald ändern wird.
       
       Angesichts einer breiten Ablehnung von ziellosen Sabotageaktionen gegen die
       Zivilbevölkerung auch innerhalb der radikalen Linken spricht viel dafür,
       dass hier abgeschottete, vollkommen autonom agierende anarchistische Zirkel
       agieren. Kleinstgruppen also, die nicht auf Szeneruhm zielen, den Kreis der
       Mitwissenden also extrem begrenzt halten.
       
       ## Konstruierter Terrorismus
       
       Angesichts der vollmundigen Ankündigung Dobrindts, gegen Linksextremismus
       aufzurüsten, werden absehbar ausbleibende Ermittlungserfolge auch seine
       persönliche Niederlage sein. Das wiegt umso schwerer, da der Innenminister
       selbst und mit ihm viele andere in Politik und Medien die Sabotageaktionen
       auf die Ebene von Terrorismus gehoben haben, also auf eine Stufe mit
       Gewaltverbrechen bis hin zum Mord. Auch wenn die Folgen von
       Sabotageaktionen mitunter unabsehbar sind: Die Motivation, Menschen zu
       vernichten, steht offensichtlich nicht dahinter.
       
       Doch die Hochstufung von Linken auf eine Stufe mit dem NSU oder dem IS
       entspricht einem rechten Zeitgeist. Zuletzt hatte die US-Regierung die
       sogenannte [3][Antifa Ost zur Terrororganisation erklärt und gar 10
       Millionen US-Dollar für Informationen ausgelobt], die zur Zerschlagung des
       Zusammenhangs dienlich sind. Dobrindts Innenministerium und das
       Bundeskriminalamt folgen nun dieser Schwerpunktsetzung. Neu ist das derweil
       nicht: Die größte Bedrohung für das konservative Establishment sind seit
       jeher Linke.
       
       Wie immer dient das auch dazu, Sicherheits- und Überwachungsstrukturen
       auszubauen. So soll der Verfassungsschutz zusätzliche Stellen für seine
       Schnüffelei gegen Linke erhalten, angekündigt sind zudem mehr Befugnisse
       für Ermittler:innen bei der automatischen Gesichtserkennung und der
       Speicherung von IP-Adressen. Zumindest das darf Dobrindt dann als Erfolg
       verbuchen.
       
       28 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
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