# taz.de -- Nach europäischem Nordsee-Gipfel: Offshore-Branche fordert bessere Förderung
> Windräder auf See sollen Europa helfen, klimafreundlich und resilienter
> zu werden. In Deutschland gab es zuletzt jedoch eine
> Ausschreibungsflaute.
(IMG) Bild: Logistisch herausfordernd: Rotorblätter für Offshore-Windräder auf dem Gelände von Siemens Gamesa Renewable Energy in Cuxhaven
Die deutsche [1][Offshore-Windbranche] rechnet damit, im kommenden
Jahrzehnt viele neue Anlagen zu bauen. Allerdings sei dafür eine
Verbesserung der Förderbedingungen nötig, so Branchenvertreter am Dienstag
bei der Vorstellung der jüngsten Branchenzahlen.
Im vergangenen Jahr sind in den deutschen Seegebieten 41 Windkraftanlagen
mit 518 Megawatt ans Netz gegangen. Darüber hinaus wurden 19 Anlagen mit
278 Megawatt errichtet, denen aber noch der Netzanschluss fehlt. Die
Gesamtzahl in deutschen Meeren liegt aktuell bei 1.680 Anlagen mit 9,74
Gigawatt unter optimalen Bedingungen technisch erreichbarer Leistung.
Zuletzt ist die Entwicklung [2][etwas ins Stocken geraten]: Bei
Ausschreibungen für zwei Flächen in der deutschen Nordsee gab es [3][im
vergangenen August keinerlei Gebote]. Nun sollen die Gebiete im Jahr 2026
erneut ausgeschrieben werden, doch ohne Änderung der Förderung, die das
Windenergie-auf-See-Gesetz definiert, dürfte es auch diesmal kaum einen
Investor geben.
„Die Politik sollte erst die Rahmenbedingungen anpassen und dann erneut
ausschreiben“, sagte zur Vorstellung der Branchenzahlen Dennis Rendschmidt,
Geschäftsführer des Maschinenbauverbandes VDMA Power Systems. Notwendig sei
„ein Erlösmodell, das Investitionssicherheit bietet“. Eine gute Option
seien Differenzverträge. Das heißt: Die Betreiber der Anlagen bekommen bei
niedrigen Marktpreisen des Stroms die Differenz zu einem Referenzwert
erstattet, müssen aber auch bei hohen Preisen die Mehrerlöse abführen.
## Kanzler spricht sich für Offshore bis zur Kernfusion aus
Vertreter der Windbranche zeigen sich [4][nach dem Nordsee-Gipfel vom
Vortag in Hamburg optimistisch]. Zumal Bundeskanzler Friedrich Merz,
nachdem er von Journalisten auf frühere ablehnende Bemerkungen zur
Windkraft angesprochen wurde, gesagt hatte: „Ich habe immer differenziert
zwischen Wind an Land und Wind auf See.“
Der Gipfel habe „ein klares Signal für die Offshore-Windenergie“ gegeben,
resümierte Branchenvertreter Rendschmidt – auch weil die europäische
Resilienz angesichts geopolitisch unsicherer Zeiten Standardthema in den
Redebeiträgen war. Als Konsequenz unterzeichneten die Staatschefs der
Nordseeanrainer die „Hamburger Erklärung“, wonach die Länder beim Schutz
ihrer Energieinfrastruktur gemeinsam vorgehen wollen, „um eine ganze Reihe
an Bedrohungen wie physische Sabotageakte, Cyberangriffe oder andere
hybride Angriffe abzuwehren“.
Auf dem Gipfel vereinbarten Deutschland und Dänemark auch den ersten
grenzüberschreitenden Offshore-Windpark „Bornholm Energy Island“. Nahe der
dänischen Ostseeinsel sollen Anlagen mit zusammen 3 Gigawatt entstehen. Der
Strom soll sowohl nach Dänemark als auch nach Deutschland fließen können.
Das Projekt wird mit 645 Millionen Euro von der Europäischen Union
gefördert.
Auch in deutschen Seegebieten sind die Ziele ambitioniert: Im Jahr 2030
sollen 30 Gigawatt installiert sein, 2035 dann 50 Gigawatt und 2045 sogar
70 Gigawatt. An den Lieferketten werde der Ausbau nicht scheitern, so
Rendschmidt: „Die europäischen Hersteller können alle Projekte
realisieren.“
Für den Aufbau und die Wartung der Windkraft auf See müsse aber auch in die
Häfen investiert werden, forderte Markus Nölke, Geschäftsführer der
Windenergie-Agentur WAB. Heute seien die Häfen eine Angelegenheit alleine
der Länder, künftig müsse sich angesichts der Bedeutung der marinen
Energiewirtschaft auch der Bund stärker engagieren. Die Hafenwirtschaft
brauche in den kommenden Jahren 3 Milliarden Euro Unterstützung.
Schließlich sind die Herausforderungen an die Infrastruktur durch die
Dimensionen der Technik stets gewachsen: Die durchschnittliche Neuanlage
auf See hatte im Jahr 2025 nach Zahlen des Beratungsunternehmens Deutsche
WindGuard einen Rotordurchmesser von 211 Metern und eine Nennleistung von
12,6 Megawatt. Sie steht 91 Kilometer von der Küste entfernt in einer
Wassertiefe von 35 Metern.
Unterdessen konnte auch ein Einwurf des Bundeskanzlers auf dem
Nordsee-Gipfel die positive Grundstimmung in der Branche kaum
beeinträchtigen: Offshore-Windkraft sei eine Übergangstechnik, bis die
Kernfusion komme, hatte Merz am Montag gesagt. Womöglich weil die Existenz
marktreifer Fusionsreaktoren noch völlig in den Sternen steht, scheint
diesen Satz in der Branche niemand als wirklich relevant zu erachten.
27 Jan 2026
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## AUTOREN
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