# taz.de -- Streamer Wow ohne HBO-Inhalte: Schlechter Gesamtcharakter
       
       > Nach dem Start von HBO Max in Deutschland wollen viele Nutzer:innen
       > weg von Skys Streaming-Anbieter Wow. Doch das dürfte gar nicht so einfach
       > sein.
       
 (IMG) Bild: WOW-Kunden vergeht gerade das Lachen: Daniel Ings und Peter Claffey in der HBO-Serie „A Knight of the Seven Kingdoms“
       
       Seit Jahresbeginn hat die [1][Streaming-Plattform Wow] Ähnlichkeit mit
       einem Supermarkt am Abend vor einem Feiertagswochenende: Nahezu alles, was
       man haben will, ist weg.
       
       Denn mit dem Start von [2][HBO Max] in Deutschland verlor der Serien- und
       Film-Bezahldienst des Medienkonzerns Sky seine Exklusivrechte für
       HBO-Inhalte. Diese waren bislang der Unique Selling Point des Anbieters.
       Viele Abonnent:innen dürften also nur wegen der HBO-Serien
       Wow-Streamer:innen sein.
       
       [3][Laut dem IT-Magazin Golem sind dort nun 110 Serien und 240 Spielfilme
       verschwunden.] Zum Beispiel abgedrehte Serien-Hits wie „Sex and the City“,
       „Girls“ und „Game of Thrones“. Von den wenig verbliebenen Serien sind meist
       nur die neuesten Staffeln verfügbar, sodass man keine Serie neu beginnen
       kann.
       
       Was bei Wow fehlt, ist nun bei HBO Max zu finden, das in Deutschland [4][am
       13. Januar startete]. HBO Max gehört mit 128 Millionen Abonennt:innen zu
       den fünf größten Streaming-Anbietern der Welt. Auf dem deutschen Markt war
       der Dienst bislang nicht verfügbar, da sich Wow die langjährigen
       Exklusivrechte – die jetzt ausgelaufen sind – gesichert hatte. Anders als
       Netflix und Prime hatte Wow kaum auf Eigenproduktionen gesetzt, sondern
       voll auf die exklusiven HBO-Inhalte.
       
       ## Was ist der „Gesamtcharakter“?
       
       Laut Verbraucherzentrale Hamburg steht Nutzer:innen aufgrund des
       Wegfalls des HBO-Contents ein Sonderkündigungsrecht zu. Das Angebot von Wow
       sei „erheblich verändert“, der „Gesamtcharakter“ ein anderer, sodass die
       Voraussetzungen für eine Sonderkündigung erfüllt seien, schreiben die
       Verbraucherschützer [5][auf ihrer Webseite].
       
       Sky sieht das anders. Die Seite mit dem Kündigungsformular, auf das die
       Verbraucherzentrale verlinkte, wurde wohl verändert: Dort wird nun
       unübersehbar verkündet, es würde kein Sonderkündigungsrecht gelten, denn
       der „Gesamtcharakter“ des Angebots habe sich nicht geändert.
       
       Der „Kern des Programms“ sei weiter enthalten, lediglich seien „einige
       abgeschlossene Serien von HBO künftig nicht mehr Teil des Angebots“. Wow
       verweist auf die Serien „White Lotus“, bei der die letzten beiden Staffeln
       noch verfügbar sind, und auf „Euphoria“, deren neue Staffel im April
       erscheint.
       
       Im sozialen Netzwerk Reddit berichten dementsprechend zahlreiche Personen,
       ihre Sonderkündigung wäre zurückgewiesen worden. Stattdessen sei ihnen nach
       Diskussionen ein Gutschein für einen Monat HBO Max angeboten worden, um
       dort die fehlenden Serien nachzuholen. Auf Nachfrage der taz, was man
       Kund:innen anbiete, die von ihrem Sonderkündigungsrecht Gebrauch machen
       wollen, wiederholte eine Sprecherin von Sky lediglich, dass „sich bei den
       Veränderungen im Angebot der HBO-Inhalte kein Sonderkündigungsrecht“
       ergebe. „Dass sich Lizenzrechte verändern, ist im Streaming-Markt üblich“,
       so die Sprecherin.
       
       ## Kurz vorm Ende
       
       „Es überrascht uns nicht, dass Wow die Kund:innen in den Verträgen halten
       möchte“, sagte eine Sprecherin der Hamburger Verbraucherzentrale der taz.
       „Stellen Verbraucher:innen nach Ausspruch der Kündigung die Zahlungen
       ein und besteht Wow auf diese, wird letztlich ein Gericht entscheiden
       müssen.“
       
       Damit nutzt Sky seine Macht aus, den es als großes Unternehmen mit
       Rechtsabteilung und Kapital gegenüber Individuen hat, für die ein Rechtsweg
       mit unverhältnismäßigen Kosten verbunden ist. Besonders pikant: Zum Black
       Friday Ende November hatte Wow mit sehr vergünstigten Jahresabos geworben,
       dabei „exklusive und preisgekrönten Top-Serien, unter anderem von HBO“
       angepriesen, obwohl bereits absehbar war, dass diese Inhalte alsbald von
       der Plattform verschwinden würden.
       
       Ob dies als unlauterer Wettbewerb und Verbrauchertäuschung gewertet werden
       könne, müsse man laut Verbraucherzentrale genauer prüfen. „Man muss sich
       die Werbung genau ansehen und das Unternehmen muss zudem natürlich auch
       bereits gewusst haben, dass ihm die Lizenzen zeitnah nicht mehr zur
       Verfügung stehen“, sagte eine Sprecherin.
       
       Wows Vorgehen wirkt wie ein letzter verzweifelter Überlebenskampf. Hinzu
       kommt, dass Sky auch die Bundesliga-Exklusivrechte verloren hat. Das wirft
       die Frage auf: Wie stellt sich das Medienunternehmen mit seiner
       Streaming-Plattform Wow zukünftig auf? Oder steuert gar alles auf eine
       Pleite zu?
       
       „Wow ist kurz vorm Ende“, sagt der Medienwissenschaftler Marcus S. Kleiner,
       Professor an der SRH University of Applied Sciences Berlin, der taz. „Nicht
       auf Eigenproduktionen zu setzen, war ein strategischer Fehler. So machte
       sich das Unternehmen abhängig von Studios und anderen Rechteinhabern.“
       Eigenproduktionen seien dagegen zentral, um Abonennt:innen dauerhaft zu
       halten und sich von anderen Anbietern abzuheben. „Wow hat sich nicht
       zeitgemäß weiterentwickelt, sich zu sehr zurückgelehnt in einem ohnehin
       wachsenden Geschäftsfeld“, so Kleiners Einschätzung.
       
       Den Grund, warum Wows Management nicht auf Eigenproduktionen gesetzt hatte,
       kann er allerdings nur erahnen. „Vielleicht war kein Kapital für
       Eigenproduktionen vorhanden oder man hatte keine guten Ideen, Autoren oder
       Produktionsfirmen, auf die man setzen konnte.“
       
       Wow versucht indes den Wegfall der HBO-Inhalte zu kompensieren. Man habe
       „gezielt in Inhalte und Partnerschaften investiert“, sagte eine Sprecherin
       der taz. Als Beispiele nannte sie Sony, NBC Universal, Sky Studios, Disney
       und das ZDF. Letztere, gebührenfinanzierte Inhalte sind in Deutschland aber
       sowieso über die Mediathek kostenlos abrufbar und daher kein Argument für
       ein Wow-Abo.
       
       Ohnehin liegt die Zukunft von Wow voraussichtlich in den Händen von RTL.
       Die Mediengruppe plant die Übernahme von Sky Deutschland, derzeit wird der
       Deal von den Wettbewerbshütern der EU-Kommission geprüft. Eine Entscheidung
       wird für dieses Jahr erwartet, vermutlich im ersten Halbjahr. Die deutsche
       Medienaufsichtsbehörde [6][Kommission zur Ermittlung der Konzentration im
       Medienbereich (KEK)] hat bereits ihren Segen gegeben.
       
       „Es entscheidet sich vermutlich nicht mehr auf der Management-Ebene von Wow
       selbst, wie es mit Wow weitergehen wird“, sagt Medienwissenschaftler
       Kleiner. „Es ist denkbar, dass Wow im Streamingangebot RTL+ komplett
       aufgehen könnte und dann die Marke vom Markt verschwindet.“ Allerdings hat
       RTL+ derzeit eine Kooperation mit HBO Max: Beide Abonnements sind im Bundle
       rabattiert zu haben.
       
       Für die HBO-Serien-Fans, die nun an ein Wow-Abo gebunden sind, ist das
       wahrscheinlich kein Trost: Statt der beworbenen „preisgekrönten“ Inhalte
       bekommen sie Dinge serviert, die sie nicht haben wollten. Und für die
       vermissten HBO-Inhalte müssten sie noch mal zusätzlich Geld auf den Tisch
       legen. So oder so.
       
       28 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.wowtv.de/
 (DIR) [2] https://www.hbomax.com/de/de
 (DIR) [3] https://www.golem.de/news/weniger-inhalte-fuer-wow-abonnenten-sky-abo-verliert-hunderte-warner-filme-und-hbo-serien-2601-204081.html
 (DIR) [4] /HBO-Serie-The-Pitt/!6145173
 (DIR) [5] https://www.vzhh.de/themen/telefon-internet/probleme-festnetz-handy-internet/hbo-statt-wow-kann-ich-mein-abo-kuendigen
 (DIR) [6] /Medienkonzentration-in-Deutschland/!5738640
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Eva Fischer
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Streaming
 (DIR) TV-Serien
 (DIR) HBO
 (DIR) WOW
 (DIR) Social-Auswahl
 (DIR) Streaming
 (DIR) Serien-Guide
 (DIR) Hollywood
 (DIR) Medienvielfalt
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Koalition einigt sich bei Filmförderung: Netflix und Co sollen in Deutschland investieren
       
       Blockbuster und Serien gedreht in Deutschland – das möchte die Regierung
       durch eine Investitionspflicht erreichen. Welche Folgen das haben könnte.
       
 (DIR) Serie „I Love LA“: Ein Leben zwischen Dramen
       
       Sie trinken Matcha Latte, haben Streit auf Tiktok und gern Sex. „I Love LA“
       von und mit Comedian Rachel Sennott ist Gen Z pur.
       
 (DIR) Neues „Game of Thrones“ Spin-Off: Blut, Moral und Ritter-Ehre
       
       Mit „A Knight of the Seven Kingdoms“ schreibt HBO die „Game of
       Thrones“-Saga von George R. R. Martin fort. Bildgewaltig, moralisierend und
       systemkritisch.
       
 (DIR) Übernahmekampf in Hollywood: Ein Deal auf Kosten nicht nur des Kinos
       
       Um das Filmstudio Warner Bros. tobt ein Kampf zwischen Netflix und
       Paramount. Bedroht sind sowohl die Zukunft Hollywoods als auch die
       Pressefreiheit.
       
 (DIR) Medienkonzentration in Deutschland: Die Macht der Konzerne
       
       Medienunternehmen sollen nie so viel Marktanteil haben, dass sie die
       Meinung bestimmen. Aber die Gesetze, die das regeln, sind veraltet.