# taz.de -- Neues „Game of Thrones“ Spin-Off: Blut, Moral und Ritter-Ehre
> Mit „A Knight of the Seven Kingdoms“ schreibt HBO die „Game of
> Thrones“-Saga von George R. R. Martin fort. Bildgewaltig, moralisierend
> und systemkritisch.
(IMG) Bild: Peter Claffey als Sir Duncan der Große in „A Knight of Seven Kingdoms“
Ist der großgewachsene Mann in zerlumpter Kleidung wirklich ein echter
Ritter? Als der junge Sir Duncan der Große (Peter Claffey) an einem Turnier
teilnehmen will, wird ihm das verwehrt. Seinen Mentor Ser Arlan of
Pennytree, auf den sich Duncan beruft und der ihn kurz vor seinem Tod zum
Ritter geschlagen haben soll, kennt jedenfalls niemand.
Die neue [1][„Game of Thrones“]-Spin-off-Serie „A Knight of the Seven
Kingdoms“ begibt sich in die Niederungen der Ebene und lotet das Leben
eines einfachen, geradezu proletarisch anmutenden Ritters in der
Fantasywelt von George R. R. Martins „Eis und Feuer“-Kosmos aus. Statt den
Fokus auf die oberen Zehntausend aus dem Haus Targaryen, ihre Festungen und
feudalistischen Ränkeschmiede zu richten, erzählt der Sechsteiler von
Ritterturnieren, Saufgelagen und dem Traum vom sozialen Aufstieg.
Wobei die Targaryens in dieser Geschichte, die 100 Jahre vor „Game of
Thrones“ angesiedelt ist, auch vorkommen. Denn ein Junge namens Egg (Dexter
Sol Ansell), der sich Duncan als Knappe anbiedert, ist in Wirklichkeit der
spätere König Aegon V., der Ururgroßvater jener Drachen zähmenden, für
„Game of Thrones“ so zentralen Daenerys Targaryen (Emilia Clarke).
Nur will der junge Aegon alias Egg, der sich auch extra die weißen Haare
abrasiert und kahlköpfig bleibt, mit seiner Herrschersippe nichts zu tun
haben und schlägt sich auf die Seite des verlorenen einfachen Ritters.
Dieser einfache Ritter Duncan wächst als Junge in einer chaotischen
Nachkriegsordnung auf.
Die Drachen sind zu dieser Zeit alle tot und zufällig begegnet er einem
einfachen Heckenritter, der sich wandernd durch die Lande schlägt und dem
er als Knappe folgt. „A Knight of the Seven Kingdoms“ kontrastiert die
bisherigen Serien „Game of Thrones“ und [2][„House of the Dragon“]. Es geht
um Klassenunterschiede, Habitus und den Kampf um Anerkennung in einer
brachial hierarchisierten Welt.
## Der brave Ritter und treue Knappe
Die literarische Vorlage von [3][George R. R. Martin] „Der Heckenritter von
Westeros“ stammt von 1998, zwei weitere Novellen über den Ritter und seinen
blaublütigen Knappen folgten, weitere sind eigentlich in Planung. Wobei der
Kultautor, der bei „A Knight of the Seven Kingdoms“ wieder als ausführender
Produzent mitwirkt, vor lauter Filmaufträgen gerade offensichtlich gar
nicht zum Schreiben kommt.
Für Fans dürfte es beim Heckenritter dennoch viel zu entdecken geben. Vor
allem die in Rückblenden aufgefächerte, aber leider auch nur minimal
angerissene Geschichte von Westeros ist spannend und schreibt das komplexe
World-Building dieser Saga gediegen fort. Den einfachen Leuten und ihrer
Alltagskultur wird viel mehr Raum gegeben. Dabei wird auch ausgiebig
gerotzt, sich übergeben und defäkiert, wie das sonst kaum im Film zu sehen
ist.
Insgesamt aber reißen einen die gerade mal sechs jeweils halbstündigen
Folgen der ersten Staffel – eine zweite soll folgen – nicht wirklich mit.
Das Verhältnis des braven Ritters zum treuen Knappen ist einfach
geschnitzt, der Kampf gegen machthungrige, selbstgefällige Targaryens ist
moralisierend und vorhersehbar. Dennoch: Die dramaturgische Zuspitzung
mündet im brachialen Ritterturnier, das mit viel Action, Dreck und Splatter
so bildgewaltig in Szene gesetzt ist, wie man das bisher kaum zu sehen
bekam.
19 Jan 2026
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## AUTOREN
(DIR) Florian Schmid
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