# taz.de -- Shoah-Gedenken in Luckenwalde: Wenn ein Rechter Holocaust-Opfern gedenken soll
       
       > In der brandenburgischen Kreisstadt soll ein AfD-naher Abgeordneter die
       > Rede zum Gedenktag halten. Initiativen protestieren, der Bürgermeister
       > gibt sich machtlos.
       
 (IMG) Bild: Im Rathaus von Luckenwalde soll der umstrittene Redner am 27. Januar 2026 der Opfer des Holocaust gedenken
       
       Eine Tafel aus goldenen Buchstaben hängt im Rathausfoyer der Kreisstadt
       Luckenwalde in Brandenburg. „Den Opfern von Krieg und Gewaltherrschaft zum
       ehrenden Gedenken – Die Bürger der Stadt Luckenwalde“, ist dort zu lesen.
       Vor dieser Tafel findet jedes Jahr am 27. Januar das [1][Gedenken an die
       Opfer des Holocaust] statt, das auch bundesweit gesetzlich verankert ist.
       Ein Mitglied der Stadtverordnetenversammlung (SVV) in Luckenwalde hält
       dafür eine Rede. Welche Fraktion an der Reihe ist, regelt ein
       Rotationsprinzip.
       
       Diesmal ist die 2023 gegründete Wählervereinigung GfL (Gemeinsam für
       Luckenwalde) an der Reihe, ein:n Redner:in zu stellen. Die GfL sei damit
       zum ersten Mal beauftragt, sagt Jochen Neumann, der Bürgermeister der
       Stadt. „Die Fraktion hat Manuel Hurtig vorgeschlagen, der ein gewählter
       Stadtverordneter ist.“
       
       Das Problem: Manuel Hurtig postete auf seinem mittlerweile gelöschten
       TikTok-Account „germanio81“ rechte Inhalte. Darunter einen Beitrag von
       Dezember 2024, in dem er schreibt: „Mein Unwort des Jahres ist Demokratie“.
       In einem weiteren Post verwendete er den Hashtag „[2][Remigration]“. Zudem
       unterstützte er den Wahlkampf von AfD-Politiker:innen. Zur Landtagswahl
       2024 veröffentlichte Hurtig zahlreiche YouTube-Videos, in denen er Arne
       Raue und Birgit Bessin eine Plattform bietet, ihre Vorstellungen zu teilen.
       Raue und Bessin sitzen mittlerweile in der AfD-Fraktion im Bundestag.
       
       Die Entscheidung für Hurtig als Redner verkündete die GfL erst vor einer
       Woche, sagt Neumann. Vier Tage später schickten Organisationen einen
       offenen Brief an den Bürgermeister und die Stadtverordneten. Zu den
       Absendern gehören die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der
       Antifaschistinnen und Antifaschisten sowie das Zentrum gegen
       Antisemitismus, Rassismus und Ausländerfeindlichkeit Land Brandenburg. Auch
       der Deutsche Gewerkschaftsbund Teltow-Fläming schloss sich dem Brief an.
       
       ## Protest von außen
       
       Darin heißt es: „Uns fehlt jedes Verständnis dafür, dass ein stadtbekannter
       Rechtsaußen und Unterstützer einer verfassungsfeindlichen Partei die
       offizielle Gedenkrede der Stadt [3][Luckenwalde] am Holocaust-Gedenktag
       halten soll.“ Der Bürgermeister wird aufgefordert, „für ein würdiges
       Gedenken ohne Herrn Hurtig oder ähnliche Redner zu sorgen“.
       
       Und was sagt der Bürgermeister dazu? „Da kann ich nichts machen. Ich könnte
       höchstens die GfL anrufen und sie bitten, ihre Rednerwahl zu überdenken“,
       sagt Neumann. Auf Nachfrage der taz, ob er sie anrufen wird, kommt nur ein:
       „Puhh, ich kann es versuchen.“ Persönlich findet er: „Hurtig verbreitet
       krude Sachen. Ich würde keinen Nazi hinstellen, der in einer Rede der Opfer
       des Holocaust gedenkt.“
       
       Zu der Rednerwahl äußert sich auch die Sprecherin der Grünen Jugend
       Brandenburg, Anna Hilsenbeck. Der taz sagte sie: „Es hätte auch ein anderes
       Mitglied die Rede halten können, das keinen rechtsextremen Hintergrund
       hat.“ In einem Pressestatement der Grünen Jugend heißt es: „Das Versprechen
       ‚Nie wieder‘ verliert jede Glaubwürdigkeit, wenn Rechtsextremisten auf
       Gedenkveranstaltungen geduldet werden“, und weiter: „‚Nie wieder‘ heißt,
       klare Kante zu zeigen – auch und gerade dann, wenn es unbequem ist.“
       
       26 Jan 2026
       
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