# taz.de -- Schlechte Luft in vielen Regionen: Feinstaub in Deutschland reißt Grenzwerte
       
       > Die Luftqualität in weiten Teilen Deutschlands ist derzeit schlecht.
       > Schuld sind vor allem der Verkehr und Holzheizungen – nicht das Wetter.
       
 (IMG) Bild: Rauchender Schornstein eines Einfamilienhauses an einem kalten Wintertag in Stuttgart
       
       Die Luft über weiten Teilen Deutschlands ist derzeit stark mit
       [1][Feinstaub] belastet. Am Wochenende wurden [2][Daten des
       Umweltbundesamts] zufolge an zahlreichen Messstationen Feinstaub-Grenzwerte
       überschritten. Das war unter anderem in Berlin, in Thüringen, Sachsen, im
       Süden Schleswig-Holsteins, Mecklenburg-Vorpommerns und in Hamburg der Fall.
       Zwar hat der Niederschlag die Belastung vielerorts wieder gesenkt.
       Allerdings ist sie nach wie vor hoch, besonders im [3][Westen].
       
       Seit vergangener Woche hatte sich die Feinstaubbelastung aufgebaut. Grund
       dafür waren kalte Tage mit wenig Wind. Dazu kamen die menschengemachten
       Feinstaubemissionen. Aus dem Umweltbundesamt heißt es, ein Fünftel des
       Feinstaubs sei auf den Verkehr zurückzuführen, ein weiteres Fünftel auf
       Holzheizungen, mit denen Privathaushalte die Wohnungen warm halten. Daneben
       entstünden bei der Energieerzeugung und in der Industrie weitere
       Emissionen.
       
       „Der Ausstoß von Feinstaub in Deutschland ist viel zu hoch und führt dazu,
       dass die Feinstaub-Belastung in weiten Teilen Deutschlands regelmäßig im
       gesundheitsschädlichen Bereich liegt“, sagt Robin Kulpa, der zu Verkehr und
       Luftreinhaltung bei der Deutschen Umwelthilfe (DUH) arbeitet. Der Verband
       hat gegen das Nationale Luftreinhalteprogramm der Bundesregierung geklagt.
       Die Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts erwarte er noch in diesem
       Jahr, so Kulpa.
       
       Feinstaub setzt sich aus verschiedenen Partikeln zusammen. Dazu gehören
       etwa Pollen. Der Verkehr produziert unter anderem durch Reifen- und
       Bremsabrieb von Kraftfahrzeugen Feinstaub. Daneben sind Holzheizungen für
       die besonders hohe Belastung der vergangenen Tage verantwortlich.
       
       ## Demenz, Asthma, Diabetes
       
       Gesundheitsrisiken birgt Feinstaub besonders für Menschen mit
       Vorerkrankungen, Alte und Kinder. Die Partikel können in den gesamten
       Körper gelangen, sogar bis ins Gehirn. Dort können sie Demenz begünstigen
       oder an anderer Stelle Krankheiten wie Asthma. Feinstaub kann Entzündungen
       fördern und schlägt sich auch auf das Herzkreislaufsystem nieder. Dabei
       kann er das Risiko etwa von Bluthochdruck oder Diabetes Typ II erhöhen.
       
       Zudem beeinflusst Feinstaub die Umwelt. Rußpartikel absorbieren Wärme und
       heizen laut dem Weltklimarat die Atmosphäre um ein Vielfaches stärker auf
       als CO2. Außerdem könnte er Ernteerträge schmälern, so ein Bericht der
       Weltwetterorganisation.
       
       „Wir müssen weg von der Verbrennung fossiler Brennstoffe. Auch das Heizen
       mit Holz als erneuerbare Alternative sehen wir kritisch, denn es ist die
       größte Quelle gesundheitsschädlicher Feinstaub- und Rußpartikel in Europa“,
       sagt Kulpa.
       
       Die Feinstaubbelastung in Deutschland ist in den vergangenen Jahren
       kontinuierlich gesunken. Laut Umweltbundesamt würden die gesetzlichen
       Grenzwerte eingehalten. Maria Jung, wissenschaftliche Mitarbeiterin beim
       Center for Planetary Health Policy (CPHP), arbeitet zu Luftqualität in
       Deutschland. Sie sagt, Deutschland halte seine Grenzwerte zwar ein –
       allerdings landesweit erst seit 2024 und zudem begünstigt durch
       feinstaubarme Wetterlagen.
       
       ## Deutschland muss mehr tun
       
       Die Europäische Union hatte vor zwei Jahren neue Grenzwerte in [4][einer
       Richtlinie festgeschrieben.] Deutschland muss sie bis Jahresende in
       nationales Gesetz überschreiben. 2030 tritt sie in Kraft. Die neuen
       Grenzwerte schreiben vor, die Emissionen noch einmal zu halbieren. Um das
       zu schaffen, wären laut Jung verschiedene Maßnahmen denkbar, etwa eine
       City-Maut, Umweltzonen oder etwa weniger Holzöfen. Kurzfristig helfe etwa
       auch kostenloser öffentlicher Personennahverkehr. Kulpa von der DUH sagt,
       es müssten außerdem Partikelfilter im Verkehr nachgerüstet werden.
       
       Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt auf wissenschaftlicher
       Basis nochmals strengere Grenzwerte. Beim Umweltbundesamt hält man diese
       Vorgaben derzeit nur schwer umsetzbar. Marie Jung vom CPHP sagt: „Die
       WHO-Vorgaben sind tatsächlich eine Herausforderung. Aber vor 20 Jahren hat
       man auch gedacht, die jetzigen Grenzwerte wären nicht zu erreichen.“
       Deshalb seien auch diese Vorgaben in Zukunft realistisch, so Jung. Vor
       allem, da die europäischen Nachbarn nun ebenfalls ihre Feinstaubbelastung
       stärker regulieren müssten.
       
       Hier spielt die sogenannte Hintergrundbelastung eine wichtige Rolle. Bei
       ihr geht es um Feinstaub, der nicht lokal emittiert wird, sondern über
       Luftbewegungen aus dem Ausland oder sogar von anderen Kontinenten
       herüberweht. Die WHO empfiehlt einen Grenzwert von 10 Mikrogramm Feinstaub
       pro Kubikmeter Luft. Die Hintergrundbelastung mache laut Umweltbundesamt
       bereits die Hälfte davon aus. Sinkt sie global, haben alle es leichter, die
       Feinstaubbelastung auf ein Minimum zu senken.
       
       27 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Feinstaub/!t5019986
 (DIR) [2] https://www.umweltbundesamt.de/daten/luft/luftdaten
 (DIR) [3] https://www.umweltbundesamt.de/daten/luft/luftdaten
 (DIR) [4] https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:32024L2881
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Tim Feldmann
       
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