# taz.de -- CDU-Wirtschaftspapier: Vorrang für Deregulierung
> Der CDU-Vorstand hat ein Maßnahmenpaket für die Wirtschaft verabschiedet.
> Die Forderungen gehen über den Koalitionsvertrag von Schwarz-Rot hinaus.
(IMG) Bild: Will jeden Stein umdrehen: CDU-Vorstandsmitglied und Bundeskanzler Friedrich Merz
afp | Angesichts der weiterhin schwachen Konjunktur fordert die CDU weitere
Maßnahmen zur Stärkung der Wirtschaft. „Vorrang hat alles, was Wachstum
schafft“, sagte der Parteivorsitzende und Bundeskanzler Friedrich Merz
(CDU) am Montag in Berlin bei der Vorstellung eines vom CDU-Vorstand
verabschiedeten Maßnahmenpakets. „Unsere Wirtschaft ist noch nicht wieder
ausreichend in Schwung – im Gegenteil“, sagte Merz. „Wir drehen jeden Stein
um, damit das Land wirtschaftlich wieder auf Kurs kommt.“
In seiner Erklärung formuliert der CDU-Vorstand Forderungen, die zum Teil
über den Koalitionsvertrag im Bund mit der SPD hinausgehen – in Punkten wie
Steuerentlastungen, Bürokratieabbau, Sozialreformen und Energieversorgung.
„Wir wollen, dass 2026 ein Aufschwungsjahr und ein Wachstumsjahr wird, dem
weitere Jahre folgen“, sagte Merz. „Wachstum ‚made in Germany‘ und ‚made
for Germany‘ – das ist unser gemeinsames Ziel.“
Das Papier trägt den Titel „Mainzer Erklärung“. Es hätte bereits Anfang
Januar bei einer Vorstandsklausur in Mainz verabschiedet werden sollen; die
Klausur war aber wegen des strengen Wintereinbruchs abgesagt worden.
Deswegen wurde das Papier erst am Montag in Berlin verabschiedet.
## EU-Regulierung soll „massiv“ zurückgefahren werden
Die Erklärung enthält eine Reihe konkreter Forderungen zur Stärkung der
Wirtschaft. Europäische Regulierung durch die EU in Brüssel solle „massiv“
zurückgefahren werden, heißt es in der Erklärung: Die CDU fordert „einen
sofortigen und weitgehenden Stopp für neue und laufende EU-Initiativen, die
zu Belastungen europäischer Unternehmen führen“.
Im Inland sollten Bürokratie abgebaut und Verwaltungsverfahren beschleunigt
werden, heißt es weiter. So solle eine behördliche Genehmigung [1][drei
Monate nach Einreichen der Unterlagen automatisch als erteilt gelten],
falls die Behörde nicht anders entscheidet – so etwa bei Bauvorhaben. In
neu einzurichtenden „Gründerschutzzonen“ sollten Unternehmensgründungen
binnen 24 Stunden genehmigt werden.
## Merz räumt ein: „Geht über Koalitionsvertrag hinaus“
Um den Technologiestandort zu stärken, will die CDU zudem die weltweit
ersten Fusionsreaktoren in Deutschland errichten lassen. Für die
Energieversorgung müssten langfristig „alle Optionen“ auf dem Tisch
bleiben. Auch für Arbeitnehmer plant die CDU Erleichterungen. Bis Mitte der
Legislaturperiode, also bis 2027, soll die Einkommensteuer für kleine und
mittlere Einkommen sinken. Zudem [2][sollen Überstundenzuschläge
steuerfrei] gestellt werden.
Merz räumte ein, dass diese Forderungen zum Teil „auch über den
Koalitionsvertrag hinausgehen“. Eine Belebung der Konjunktur habe aber
zentrale Bedeutung: „[3][Wirtschaft ist die Grundlage für fast alles] – für
Freiheit und Frieden, für innere und für äußere Sicherheit, für soziale
Sicherheit, auch für Klimaschutz, für Stabilität unserer Gesellschaft.“
19 Jan 2026
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