# taz.de -- Jochen Ott SPD-Spitzenkandidat in NRW: Herausforderer in schwieriger Lage
> Er will NRW „wieder gerechter“ machen, und kritisiert Amtsinhaber Hendrik
> Wüst als „Insta-Präsidenten“: Jochen Ott wird SPD-Spitzenkandiat 2027.
(IMG) Bild: Will Ministerpräsident in NRW werden: Jochen Ott von der SPD
Riesig ist die Aufgabe, die Jochen Ott übernommen hat: Der 51-jährige
Kölner, derzeit Landtagsfraktionschef, will Ministerpräsident des einstigen
SPD-Stammlands Nordrhein-Westfalen werden – und im Frühjahr 2027 den mit
guten Beliebtheitswerten ausgestatteten CDU-Amtsinhaber Hendrik Wüst
schlagen. Am späten Freitagnachmittag hat der SPD-Landesvorstand Ott
einstimmig zum Spitzenkandidaten nominiert. Seine offizielle Bestätigung
bei einem Aufstellungsparteitag im Juni gilt damit nur noch als Formalie.
Allerdings startet der Herausforderer in schwieriger Lage: Im
jahrzehntelang sozialdemokratisch regierten NRW mit seinen rund 18
Millionen Menschen fahren die Genoss:innen seit Jahren historisch
schlechte Ergebnisse ein. Galten schon die 26,7 Prozent der SPD bei der
Landtagswahl 2022 als riesige Enttäuschung, kam die [1][Partei bei der
Kommunalwahl im vergangenen September landesweit nur noch auf 22,1
Prozent.]
In der letzten, allerdings schon aus dem November stammenden Umfrage
dümpelten die Sozialdemokrat:innen analog zum Bundestrend bei miesen
19 Prozent herum. Wüsts CDU dagegen kam auf 36 Prozent. Entsprechend
vorsichtig äußerte sich Ott selbst. „Mit großer Dankbarkeit und Demut“
erfülle ihn die Nominierung, erklärte der Bildungsexperte, der bis 2010 als
Oberstudienrat Geschichte und Sozialwissenschaften an einer Gesamtschule
unterrichtete.
## Löhne, Bildung, Mieten
„Wieder gerechter“ machen wolle er NRW, erklärte der Vater von drei
Töchtern – und verwies auf SPD-Klassiker wie miese Löhne, immer stärker vom
wirtschaftlichen Status der Eltern abhängige Bildungschancen und
explodierende Mieten. „Ich lasse nicht locker, bis die Dinge geregelt
sind“, versprach er.
Als Oppositionsführer ging Ott den mit einer schwarz-grünen Mehrheit
regierenden Wüst oft hart und bissig an. „Substanzlose PR-Politik“,
betreibe der, er sei ein „Insta-Präsident“. Nun ja: Wüst hat auf Instagram
rund 77.000 Follower, das ist nicht besonders gut. Ott selbst kommt
allerdings auf gerade einmal 5.900.
Auch Wahlen hat Ott, der seit 1992 Genosse ist, selten gewonnen. Als Kölner
Oberbürgermeisterkandidat scheiterte er 2015 an der parteilosen Henriette
Reker. Und bei den Landtagswahlen 2017 und 2022 reichte es nicht für ein
Direktmandat – nur die Plätze 8 und 5 der SPD-Landesliste sicherten Otts
Sitz im Parlament.
## Wunschkandidat der Genoss:innen ist Ott nicht
Wunschkandidat vieler Sozialdemokrat:innen ist Ott deshalb nicht
unbedingt. Doch die aus der Arbeiterstadt Duisburg stammende
[2][SPD-Bundeschefin Bärbel Bas h]at abgewunken und erklärt, sie sehe ihren
Platz in Berlin. Auch der von Bas ins Gespräch gebrachte Duisburger
Rathauschef Sören Link wollte nicht ran – ebenso wenig wie der
erfolgreichste Kommunalpolitiker der SPD in NRW: Marc Herter, der bis 2018
parlamentarischer Geschäftsführer der Landtagsfraktion war und der im
September im ersten Wahlgang mit sensationellen 63,6 Prozent als
Oberbürgermeister von Hamm im östlichen Ruhrgebiet bestätigt worden war.
Nicht zuletzt die Co-Vorsitzende der NRW-SPD, Sarah Philipp, hat den Weg
für Ott freigemacht. Die 42-Jährige, die bisher eher blass geblieben ist,
war ebenfalls als mögliche Wüst-Herausforderin gehandelt worden.
[3][Angesichts der Schwäche der Grünen, zumindest in den Umfragen] derzeit,
kann Ott sich so zumindest als stellvertretender Ministerpräsident in einer
Koalition mit Wüsts CDU Hoffnungen auf ein Regierungsamt machen.
25 Jan 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Kommunalwahl-in-Nordrhein-Westfalen/!6113686
(DIR) [2] /Debatte-um-die-neue-Grundsicherung/!6145928
(DIR) [3] https://www.wahlrecht.de/umfragen/landtage/nrw.htm
## AUTOREN
(DIR) Andreas Wyputta
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