# taz.de -- Verhandlungen über Ukraine-Krieg: Davos, Moskau, Abu Dhabi
> Die USA, Russland und die Ukraine verhandeln am Freitag in den Emiraten.
> In Davos hatte Selenskyj eine Einigung über US-Sicherheitsgarantien
> verkündet.
(IMG) Bild: Ein Verhandlungsmarathon: Treffen der Delegationen von Selenskij und Trump am Donnerstag in Davos
Zufrieden über die [1][Gespräche in Davos] äußerte sich Präsident Trump.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj habe ihm gegenüber den Wunsch
geäußert, ein Friedensabkommen mit Russland zu schließen. Bei seinem
Gespräch mit Journalisten an Bord der Air Force One sprach er zugleich von
einer „finalen Phase“ der Verhandlungen zur Beendigung des Krieges in der
Ukraine. Dies berichtet das Portal des öffentlich-rechtlichen ukrainischen
Senders Suspilne am Freitag kurz nach Mitternacht.
Konkret wurde Trump indessen nicht. Auf die Frage nach möglichen
Zugeständnissen sagte Trump, dass alle Seiten Kompromisse eingehen müssten
– auch Europa. Trump betonte zudem, dass sowohl Russlands Präsident
Wladimir Putin als auch Selenskyj seiner Einschätzung nach derzeit an einem
Abkommen interessiert seien. Selenskyj habe ihm persönlich gesagt, dass er
verhandeln wolle. „Er kam und sagte, dass er eine Einigung möchte. Ich war
mir dessen zuvor nicht ganz sicher“, zitiert Suspilne Trump.
Wenige Stunden zuvor hatte der ukrainische Präsident Selenskyj erklärt, er
habe mit Trump eine Einigung über Sicherheitsgarantien erzielt. Konkrete
Details dieser Sicherheitsgarantien nannte er indes nicht. Eine Bestätigung
von Seiten Trumps liegt nicht vor.
## Sicherheitsgarantien oder Sackgasse?
Deutlicher über die Aussichten auf einen Frieden äußerte sich der
ukrainische Parlamentarier Olexandr Mereschko, Vorsitzender des Ausschusses
für Außenpolitik und interparlamentarische Zusammenarbeit, [2][in einem
Gespräch mit dem ukrainischen Dienst von Radio Liberty.] „Die wichtigsten
Fragen bleiben unverändert stehen. Herr Witkoff besteht auf dem Abzug der
ukrainischen Truppen aus dem Gebiet Donezk. Möglicherweise wird über die
sogenannten Sicherheitsgarantien diskutiert, die derzeit eher symbolischer
Natur sind als echte Garantien“, sagte Mereschko. Und: „Das ist im Grunde
genommen eine Sackgasse.“
Bei seinen Gesprächen und Auftritten beim [3][Weltwirtschaftsgipfel in
Davos] hatte Selenskyj sich gegenüber Trump betont versöhnlich gezeigt.
„Der Dialog ist vielleicht nicht einfach, aber heute war er positiv – das
reicht“, zitiert der ukrainische Dienst von Radio Liberty den ukrainischen
Präsidenten über dessen Gespräch mit Trump. In seiner Rede vor dem Plenum
betonte Selenskyj, wie wichtig die Unterstützung der USA sei.
„Wenn der Waffenstillstand beginnt, wird es Kontingente, gemeinsame
Patrouillen und Flaggen der Partner auf ukrainischem Boden geben. Und das
ist das richtige Signal … Aber es gibt immer ein ‚Aber‘. Wir brauchen die
Unterstützung von Präsident Trump. Ohne die Vereinigten Staaten
funktionieren keine Sicherheitsgarantien“, zitiert die Nachrichtenagentur
unian.ua Selenskyj.
## Selenskyj kritisiert Europas Zögern
Weniger versöhnlich klang Selenskyjs Ton gegenüber den europäischen
Verbündeten. So kritisierte er ihre zögernde Haltung zu einer Lieferung von
Waffensystemen wie Tomahawk oder Taurus an die Ukraine. Ihm sei in Europa
geraten worden, man solle Amerika gegenüber nicht von den Tomahawk–Waffen
sprechen, um die Stimmung nicht zu verderben, so Selenskyj. Und man sage,
man solle besser nicht nach Taurus fragen.
Europa fehle Geschlossenheit. Diese Zersplitterung schwäche Europas
Fähigkeit, Russland wirksam entgegenzutreten. Europa verspiele eine
historische Chance, sich zu einer globalen Gestaltungsmacht zu entwickeln,
[4][so der Präsident].
## Treffen in Abu Dhabi mit US-Vertretern am Freitag
Unterdessen geht der Verhandlungsmarathon weiter. Am heutigen Freitag
werden russische und ukrainische Verhandlungsteams in Anwesenheit von
Vertretern der USA in Abu Dhabi, der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen
Emirate, zusammentreffen. Bereits in der Nacht hatten die
US-Sondergesandten Steve Witkoff und Russlands Präsident Wladimir Putin
mehr als dreieinhalb Stunden in Moskau verhandelt.
Mit dabei waren auch Jared Kushner, Schwiegersohn von US-Präsident Donald
Trump, und Regierungsberater Josh Gruenbaum. Auf russischer Seite waren
neben Putin sein Sondergesandter Kirill Dmitrijew und Putins
außenpolitischer Berater Juri Uschakow dabei.
Doch in der Ukraine sind die Hoffnungen auf ein baldiges Kriegsende
gedämpft. Er glaube nicht, dass der Krieg in diesem Jahr ende, so Olexandr
Mereschko.
23 Jan 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Davos-und-der-Krieg-in-der-Ukraine/!6147446
(DIR) [2] https://www.radiosvoboda.org/a/zelenskyy-tramp-davos-dialoh/33656928.html
(DIR) [3] /-Weltwirtschaftsforum-in-Davos-/!6147374
(DIR) [4] https://www.president.gov.ua/news/zvernennya-prezidenta-do-uchasnikiv-specialnogo-zasidannya-v-102517
## AUTOREN
(DIR) Bernhard Clasen
## TAGS
(DIR) Schwerpunkt Krieg in der Ukraine
(DIR) Donald Trump
(DIR) Wolodymyr Selenskyj
(DIR) Davos
(DIR) Friedensgespräche
(DIR) Moskau
(DIR) Wladimir Putin
(DIR) GNS
(DIR) Schwerpunkt Krieg in der Ukraine
(DIR) Weltwirtschaftsforum
(DIR) Schwerpunkt Krieg in der Ukraine
(DIR) Ukraine
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) +++ Nachrichten im Ukraine-Krieg +++: Massive russische Angriffe trotz Verhandlungen
Nach massivem Beschuss durch Russland kommt es in Kiew erneut zu Ausfällen
der Wärme- und Wasserversorgung. In Abu Dhabi sind die trilateralen
Gespräche vorerst beendet worden. Beide Kriegsparteien äußerten Zuversicht.
(DIR) +++ Trump-Show in Davos geht weiter +++: Selenskyj verkündet Einigung über US-Sicherheitsgarantien
Nach einem Treffen mit Trump spricht Selenskyj davon, dass es eine
Abmachung mit US-Präsident Donald Trump über US-Sicherheitsgarantien gebe.
(DIR) Davos und der Krieg in der Ukraine: Kalte Schulter für die Ukraine
Der Ukrainekrieg spielt in Davos kaum eine Rolle. Präsident Selenskyj
reiste zunächst gar nicht in die Schweiz. Russland intensiviert seine
Angriffe.
(DIR) Attacken auf die Ukraine: Kyjiwer haben kaum noch Hoffnung auf Wärme
Nach den russischen Angriffen haben einige Viertel der ukrainischen
Hauptstadt seit zehn Tagen weder Strom noch Heizung. Und das bei
Dauerfrost.