# taz.de -- Kunstpreis für Meredith Monk: Die Poesie der Sinne
       
       > Die Sängerin, Komponistin und Performancekünstlerin Meredith Monk erhält
       > den Großen Kunstpreis Berlin der Akademie der Künste.
       
 (IMG) Bild: Meredith Monk, hier am 29. Oktober in Essen, wo ein Dokumentarfilm über sie vorgestellt wurde
       
       Ein langsames Atmen, Schlucken, Hauchen, Schreien, Verstummen: So klingt
       Meredith Monk auf ihrem Album „[1][Impermanence]“ von 2008. Es zeigt
       besonders charakteristisch Monks Kunst der „extended vocal technique“, mit
       Klanggesten wie Summen, Krächzen, Keuchen, Lachen sowie Kehlkopflauten
       (Vocal Fry) und Falsett, mit schnellen Wechseln von Jodeln und Trillern.
       Ihre Silben ohne spezifische Bedeutung bezeichnet sie als „Phoneme“: Als
       Klangbilder, die sie als „Poesie der Sinne“ sieht.
       
       Anlässlich von Monks 60-jährigem Bühnenjubiläum im vergangenen Jahr gab die
       Akademie der Künste Berlin nun am Mittwoch bekannt, dass Monk in diesem
       Jahr der Große Kunstpreis Berlin verliehen wird. Der Preis wird jährlich im
       Wechsel in sechs verschiedenen Sektionen vergeben und ist mit 15.000 Euro
       dotiert. 1948 wurde er in Erinnerung an die Märzrevolution 1848 vom
       Berliner Magistrat gestiftet, um die besondere Bedeutung der Künste für
       eine freiheitliche Gesellschaft hervorzuheben.
       
       Es ist eine weitere Ehrung für die jetzt 83-jährige Performance- und
       Stimmkünstlerin Monk, der 2014 von Barack Obama die „[2][National Medal of
       Arts]“ verliehen wurde, die höchste künstlerische Auszeichnung der USA.
       2024 zeigte das Münchner Haus der Kunst unter dem Titel „Calling“ in einer
       großen Werkübersicht ihre Videoarbeiten und Installationen, und im Oktober
       2025 trat sie die Pina-Bausch-Professur an der Folkwang Universität der
       Künste in Essen an.
       
       ## Alternative Methoden räumlicher Wahrnehmung
       
       Die 1942 in New York geborene Meredith Jane Monk beginnt Mitte der 1960er
       Jahre in der Fluxus- und Happening-Bewegung der New Yorker Downtown-Szene
       mit ersten Performances und Vokalexperimenten, ihre Stimme umfasst drei
       Oktaven. 1964 zieht sie, 22-jährig, in das brachliegende Viertel unterhalb
       der 14. Straße. Die Mieten sind niedrig, und sie trifft auf gleichgesinnte
       Künstlerinnen wie Laurie Anderson, Trisha Brown und Joan Jonas. Sie führt
       ihre Performances in leerstehenden Fabrikgebäuden oder in privaten
       Wohnungen auf.
       
       Als Kind leidet sie unter einer Sehstörung und entwickelt mithilfe der
       [3][Dalcroze-Eurhythmie] alternative Methoden räumlicher Wahrnehmung durch
       rhythmische Bewegung und Gehörbildung. Dies thematisiert sie in
       feministischen Arbeiten wie „[4][16 mm Earrings]“ (1966), indem sie mit
       weiblichen Rollenbildern aus Märchenerzählungen spielt und [5][Wilhelm
       Reichs Theorie über den männlichen Orgasmus] rezitiert. In der Performance
       „Juice“ arbeitet sie metaphorisch mit Menstruationsblut.
       
       ## „Ich arbeite in den Rissen“
       
       Bereits 1968 gründet sie ihre Organisation „The House“ zur Förderung
       interdisziplinärer Performances und 1978 ihr bis heute bestehendes „Vocal
       Ensemble“. Sie schreibt Opernwerke und beginnt 1981 mit ihrer fortlaufenden
       Serie „Shrines“, angelehnt an buddhistische spirituelle Schreine, in denen
       sie Umweltfragen thematisiert. Zuletzt erschien 2023 „[6][Songs of
       Ascension Shrine]“, eine Performance auf der Oliver Ranch in Kalifornien
       mit zwei Treppenhäusern als Doppelhelix. In einem Podcast des [7][National
       Endowment of the Arts, das Trump jetzt abwickeln möchte], sagte sie über
       ihre Arbeit: „Ich arbeite in den Rissen, wo die Stimme zu tanzen beginnt,
       wo der Körper zu singen beginnt, wo Theater zu Kino wird.“
       
       Am 21 März 2026 wird ihr Werk im Rahmen des Eröffnungswochenendes des
       Festivals MaerzMusik gewürdigt. Mit einem Konzert mit Meredith Monk sowie
       mit dem Dokumentarfilm „Monk in Pieces“ (2025) und ihrem eigenen Film „Book
       of Days“ (1988).
       
       22 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://ecmrecords.com/product/impermanence-meredith-monk/
 (DIR) [2] https://www.arts.gov/honors/medals/meredith-monk
 (DIR) [3] https://de.wikipedia.org/wiki/Rhythmische_Erziehung
 (DIR) [4] https://www.youtube.com/watch?v=xbE_P8fByo8
 (DIR) [5] https://www.deutschlandfunk.de/psychoanalytiker-wilhelm-reich-das-goettliche-im-leiblichen-100.html
 (DIR) [6] https://www.youtube.com/watch?v=c3mSVR3xtfU
 (DIR) [7] https://www.deutschlandfunkkultur.de/usa-mitarbeiter-verlassen-die-staatliche-kulturfoerderung-100.html
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Maxi Broecking
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Performance-KünstlerIn
 (DIR) Performance
 (DIR) Kunstpreise
 (DIR) Avantgarde
 (DIR) Reden wir darüber
 (DIR) Avantgarde
 (DIR) Schwerpunkt Berlinale
 (DIR) Bildende Kunst
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Dokumentation über Avantgarde-Musikerin: Björk war regelrecht starstruck
       
       Die 82-jährige Meredith Monk gewann den Goldenen Löwen für ihr Lebenswerk
       der Biennale Musica. Nun kommt die Dokumentation „Monk in Pieces“ ins Kino.
       
 (DIR) Filme zu Meredith Monk und Keith Jarrett: Freies Spiel mit Tönen
       
       Wie der größte Hit von Keith Jarrett entstand und wie Meredith Monk groß
       wurde, erzählen zwei Filme der Berlinale: „Köln 75“ und „Monk in Pieces“.
       
 (DIR) Meredith Monk in München: Sprache als Form
       
       Meredith Monk ist Grenzgängerin der Künste seit den 1960er Jahren. Das Haus
       der Kunst widmet der 81-jährigen New Yorkerin nun eine große Werkschau.