# taz.de -- 5 Jahre nach dem Massaker: Total nimmt die LNG-Förderung in Mosambik wieder auf
> Der Energiekonzern will das Gasprojekt auf dem Gelände weiterführen, auf
> dem 2021 Menschen in Containern verhungerten. Wieder spielt eine Armee
> mit.
(IMG) Bild: Sicherheitskräfte bewachen das Total-Mosambik-LNG-Projekt in Afungi in der Provinz Cabo Delgado, Mosambik, am 29. 9. 2022
Patrick Pouyanné, der Chef des französischen Energiekonzerns Total, und
Mosambiks Präsident Daniel Chapo haben es persönlich in die Hand genommen.
Vergangene Woche flogen sie gemeinsam in den Norden Mosambiks. Dort will
Total den [1][Bau einer Flüssiggasanlage] weiter vorantreiben.
Knapp fünf Jahre stand das 20-Milliarden-Dollar Projekt nun still, eine der
teuersten Investitionen Afrikas. Ursache war ein Angriff auf die LNG-Anlage
im April 2021. Die Miliz „Islamischer Staat Mosambik“ (ISM), die dem
„Islamischen Staat“ nahesteht, attackierte damals in der nordöstlichen
Provinz Cabo Delgado die Bevölkerung. Im Frühjahr hatte sie Teile der
Halbinsel nahe dem Ort Palma, an deren Ufern die LNG-Anlage errichtet wird,
unter ihrer Kontrolle.
Total zog seine Mitarbeiter aus Sicherheitsgründen ab, überließ die Anlage
den Soldaten der Armee Mosambiks – sie sollten sie bewachen und wurden
dafür von Total bezahlt.
Was dann auf dem Gelände passierte, [2][deckten Journalisten erst 2024
auf.] Reporter recherchierten vor Ort, dass Hunderte Bewohner eines Dorfes
nach einem ISM-Angriff im April 2021 in Richtung der Gasförderanlage
geflohen waren. Dort trennten die Soldaten die Dorfbewohner. Frauen und
Kinder brachten sie separat unter. Die rund 200 Männer betrachteten sie als
Kollaborateure der Miliz und sperrten sie in Container ein. Nach drei
Monaten Misshandlungen, mit nur wenig Sauerstoff und Nahrung in den
Containern, überlebten nur 26 der Männer.
## Ermittlungen in Frankreich
In Mosambik sowie in Frankreich wurden Ermittlungen eingeleitet. Im
November 2025 hat das [3][Europäische Zentrum für Menschenrechte (ECCHR)
eine Klage an die französische Staatsanwaltschaft übergeben].
Jetzt scheint die Sicherheit in Cabo Delgado wiederhergestellt. „Die
Regierung bestätigte insbesondere alle zur Gewährleistung der Sicherheit
getroffenen Maßnahmen und die fortgesetzte Zusammenarbeit mit Ruanda“, so
[4][Total in einer Erklärung].
Ruandas gut ausgebildete Armee hatte im Juli 2021 rund 4.000 Soldaten und
Polizisten entsandt, um gemeinsam mit Mosambiks maroder Armee gegen die
ISM-Miliz vorzugehen. Seit 2022 sichern diese auch die Überlandstraße von
der Hafenstadt Mocímboa da Praia nach Palma, die für die Lieferung von
Baumaterialien und Turbinen für die LNG-Anlage wichtig ist.
Bis zum Baustopp waren rund 40 Prozent der Anlage fertiggestellt. „In den
kommenden Monaten wird es zu einer massiven Steigerung der Aktivitäten
kommen […]. Ein erstes Offshore-Schiff wurde bereits mobilisiert, um mit
der Installation der Offshore-Infrastruktur zu beginnen“, sagte Total-Chef
Pouyanné bei einer Zeremonie in Afungi, das nahe dem Projektstandort liegt.
„Wir haben jetzt ein klares Ziel vor Augen: die LNG-Lieferung bis 2029 mit
einem Budget von 20 Milliarden US-Dollar.“
Der 5-jährige Stillstand hat die ohnehin enormen Kosten noch höher
getrieben – auf rund 4,5 Milliarden US-Dollar. Mosambiks Präsident Chapo
erklärte, dass beide Seiten nach Abschluss der Kostenprüfung verhandeln
würden. „Klar ist, dass die Verhandlungen den Projektfortschritt nicht
behindern. Ein Neustart ist unausweichlich“, so Chapo.
3 Feb 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Afrikas-neuer-Krieg-gegen-den-Terror/!5785609
(DIR) [2] /Europaeisches-Zentrum-fuer-Menschenrechte/!6131317
(DIR) [3] https://www.ecchr.eu/fall/the-price-of-gas-in-mozambique-accusations-of-complicity-in-war-crimes-against-totalenergies/
(DIR) [4] https://totalenergies.com/news/press-releases/mozambique-lng-announces-full-restart-all-its-activities-onshore-and-offshore
## AUTOREN
(DIR) Simone Schlindwein
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