# taz.de -- Ugandas Präsident wiedergewählt: Der Alte bleibt mit aller Gewalt im Amt
> Mit dem besten Ergebnis seit 30 Jahren wird Ugandas Präsident Yoweri
> Museveni im Amt bestätigt. Oppositionsführer Bobi Wine ist untergetaucht.
(IMG) Bild: Kampala, 17. Januar: Ugandas Sicherheitskräfte patrouillieren auf einer Straße, während Anhänger von Yoweri Museveni seinen Sieg bei den Präsidentschaftswahlen feiern
Kampfhubschrauber kreisen über Ugandas Hauptstadt Kampala. Im Tiefflug
zirkuliert ein russischer Helikopter über dem Armenviertel entlang der
Salama-Straße im Südwesten der Stadt, wo es in den vergangenen Tagen zu
gewaltsamen Ausschreitungen gekommen ist. Es ist Samstag abend, die
Verkündung des Ergebnisses der Präsidentschaftswahl vom Donnerstag steht
unmittelbar bevor.
Mit 71,65 Prozent der Stimmen wird Ugandas 81jähriger Präsident [1][Yoweri
Museveni] wiedergewählt, [2][verkündet schließlich die Wahlkommission].
1986 hatte Museveni das Land als Rebellenführer erobert, das jährt sich in
gut einer Woche zum 40. Mal. Nun gewinnt er seine siebte gewählte Amtszeit
mit dem besten Ergebnis seit seiner allerersten Wahl 1996.
Sein wichtigster Gegenkandidat Robert Kyagulanyi, unter seinem
Künstlernamen [3][Bobi Wine] bekannt, erhält laut den amtlichen Ergebnissen
24,72 Prozent, gut zehn Prozentpunkte weniger als vor fünf Jahren. Er
bezeichnet das Ergebnis in einer Videobotschaft als „gefälscht“ und ruft
die Bevölkerung auf, es nicht zu akzeptieren.
Der 43jährige Musikstar ist vor allem bei der Jugend beliebt. Mehr als
Dreiviertel der Bevölkerung Ugandas ist unter 40 Jahre alt und hat in ihrem
Leben noch nie einen anderen Präsidenten erlebt als Museveni. Bobi Wines
junge Anhänger erhoffen sich von ihm Veränderung und Verbesserung ihres
Lebens. Er hat schon im Vorfeld der Wahl angekündigt, dass er die
Ergebnisse nicht akzeptieren werde, sollte Präsident Museveni gewinnen.
## Proteste in den Armenvierteln
Bereits kurz nach Schließung der Wahllokale am Donnerstagabend kam es in
mehreren Stadtvierteln Kampalas sowie in weiteren Landesteilen zu
Protesten, vor allem in den Armenvierteln, wo die Jugendarbeitslosigkeit
und dadurch auch die Unzufriedenheit hoch ist. Wine spricht von insgesamt
mehr als 20 Toten landesweit – doch diese Zahlen wurden von keinen weiteren
Quellen bestätigt. Zehn Menschen sollen am Freitag bei der Erstürmung des
Hauses des Oppositionsabgeordneten Muwanga Kivumbi durch die Polizei
erschossen worden sein.
Entlang der Salama-Straße, wo am Freitag den ganzen Tag lang die Jugend
protestierte, Steine warf und Reifen anzündete, sind angeblich drei
Menschen zu Tode gekommen – was aber niemand der Anwohner dort bestätigt,
mit denen die taz sprach. Die taz sah jedoch, wie Polizisten und
Armeesoldaten von allen Seiten anrückten, um die Proteste niederzuschlagen.
Tränengas wurde gefeuert, auch Kugeln flogen.
Im Tiefflug kreiste ein voll bestückter Kampfhubschrauber über die Dächer.
„Viele Jugendliche sind einfach nur gelangweilt und unzufrieden, weil das
Internet ausgeschaltet ist“, berichtete eine Anwohnerin der taz. „Dass der
Hubschrauber nun bedrohlich über uns kreist, ist schiere Einschüchterung“.
Auch über Wines Haus im Viertel Magere nördlich der Hauptstadt zirkulierte
ein Hubschrauber. „Meine Frau und ich sind unter Hausarrest seit dem
Wahlgang am 15. Januar“, erklärt Wine von einem geheimen Ort aus [4][in
einem Video]. Es geht am Samstagvormittag online und seit Sonntag in Uganda
viral.
„Gestern hat die Polizei mein Haus gestürmt und durchsucht“, so Wine. Der
Hubschrauber über seinem Grundstück habe mit Suchscheinwerfern der
Polizisten in der Dunkelhet den Weg gewiesen. „Ich bin glücklicherweise
entkommen“, so Wine. Er habe das Video von einem „geheimen Ort“ aus
gefilmt.
Ugandas Regierung hatte am Dienstagabend das Internet komplett
abgeschaltet. Nicht einmal VPN-Anwendungen funktionierten. Auch
Finanztransaktionen waren nicht möglich. Erst Sonntag früh – also viele
Stunden nach Bekanntgabe der Ergebnisse am Samstagabend – geht Uganda
wieder online.
In einer [5][ersten Erklärung] stellte Ugandas Polizeisprecher Kitumma
Rusoke am Sonntag früh klar: „Soweit ich informiert bin, ist er (Wine)
nicht unter Hausarrest“, sagt er und erklärt: „Wir haben unsere Präsenz in
allen Gebieten, welche die Einschätzung unserer Geheimdienste uns
aufzeigen.“
## Grabesruhe über der Stadt
Viele Hauptstädter haben die Tage über die Wahlen bei Angehörigen in den
Dörfern verbracht, vor allem Familien mit Kindern. Im Zuge des
Internet-Blackouts war es bedächtig ruhig in den sonst so geschäftigen
Straßen Kampalas. Die meisten Läden waren zu, aus den zahlreichen Kneipen,
wo sich viele junge Männer aus Frust über die Wahl betranken, schallte
keine Musik wie sonst. Selbst die Kirchen spielten keine Gospel-Songs mehr.
Nach Einbruch der Dunkelheit senkte sich eine Grabesruhe über die sonst so
laute Stadt.
Umso deutlicher konnte man das laute Knallen der Tränengaskanister hören.
Das dumpfe Röhren der Kampfhubschrauber ließ Fensterscheiben beben. Auch
Überwachungsdrohnen wurden über den Dächern gesichtet. Sobald sich eine
Gruppe Leute irgendwo entlang der Salama-Straße sammelte, kamen Soldaten
angelaufen, schossen Tränengas. Die Militärpolizei patrouillierte auf
Motorrädern durch die engen staubigen Gassen der Slums.
Afrikanische Wahlbeobachter stellen Musevenis Sieg nicht in Frage,
[6][äußern sich aber über den Wahlverlauf kritisch]. Nigerias Ex-Präsident
Goodluck Jonathan, Vorsitzender des gemeinsamen Beobachterteams mehrerer
Regionalorganisationen, mahnte an, dass zahlreiche Organisationen der
Zivilgesellschaft im Vorfeld der Wahl suspendiert wurden, Menschenrechte
und Meinungsfreiheit nicht garantiert seien und die Armee eine Atmosphäre
der „Einschüchterung und Angst“ erzeuge. Diese Kritik richtet sich indirekt
an Mohoozi Kainerugaba, Präsident Musevenis ältester Sohn und
Generalstabschef der Armee, der als Nachfolger seines Vaters gehandelt
wird.
In seinem Video ruft Bobi Wine seine Anhänger zu „friedlichen
Protestaktionen“ auf. Wahlkommissionschef Simon Byabakama wiederum [7][ruft
die Bevölkerung auf], Ruhe zu bewahren und „die Ergebnisse zu akzeptieren“.
Die Wahlbeteiligung am Donnerstag lag bei rund 52 Prozent, so die
Wahlkommission. Allein diese Zahl lässt viele Beobachter an den Ergebnissen
zweifeln. In den Wahllokalen, die die taz am Rande der Hauptstadt am
Donnerstag besuchte, waren viel weniger der registrierten Wähler
aufgetaucht.
18 Jan 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://en.wikipedia.org/wiki/Yoweri_Museveni
(DIR) [2] https://www.youtube.com/live/fWJi5DvfUA4
(DIR) [3] https://en.wikipedia.org/wiki/Bobi_Wine
(DIR) [4] https://x.com/HEBobiwine/status/2012486868298846649
(DIR) [5] https://x.com/ugandamediacent/status/2012489355361726940
(DIR) [6] https://ntv.co.ug/news/politics/observers-criticise-ugandan-army-over-election-directives
(DIR) [7] https://x.com/tv47digital/status/2012787240426971152
## AUTOREN
(DIR) Simone Schlindwein
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Test.