# taz.de -- Finanzkrise der Vereinten Nationen: UN-Organisation zieht um
> Deutschlands UN-Standort Bonn erhält mit dem Entwicklungsprogramm UNDP
> prominenten Zuwachs. Der Grund dafür sind Sparzwänge.
(IMG) Bild: Bonn ist bereits UN-Standort mit mehreren Organisationen sowie dem UN-Freiwilligenprogramm, das Teil von UNDP ist
Das UN-Entwicklungsprogramm UNDP wird einen substanziellen Teil seines
Hauptquartiers von New York nach Deutschland verlagern, erklärte die
Organisation am Dienstag. Rund 300 der über 400 Mitarbeitenden sollen nach
Bonn ziehen, etwa 100 ins spanische Madrid. Ein kleiner Teil wird in New
York bleiben. Zuvor hatte UNDP bereits Mitarbeitende in seine Regionalbüros
versetzt. Die Organisation erklärte, der Schritt sei „Teil der laufenden
Bemühungen, sich an eine wandelnde Finanz- und Entwicklungslandschaft
anzupassen“.
UNDP steht wie das UN-System insgesamt unter finanziellem Druck. Seit
Jahren erhält es weniger Geld. Hinzukommt der Ausstieg der USA aus mehreren
UN-Organisationen. UNDP ist außerdem von dem weltweiten Rückzug aus der
Entwicklungszusammenarbeit betroffen, mit besonders drastischen
Einschnitten von den USA unter US-Präsident Donald Trump. Um auf die
Finanzkrise im UN-System zu reagieren, legte UN-Generalsekretär António
Guterres bereits Reformpläne vor, dazu gehört auch die Abkehr von der
Zentralisierung in New York.
Patrick Rosenow von der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen
e. V. (DGVN), sieht darin den Hauptgrund für die Entscheidung von UNDP, da
Bonn und Madrid deutlich günstiger als New York sind. „Die entsprechende
Infrastruktur, internationale Anbindung und administrative Erfahrung sind
bereits vorhanden.“ Bonn ist bereits UN-Standort mit mehreren
Organisationen sowie dem UN-Freiwilligenprogramm, das Teil von UNDP ist.
Ende November eröffnete UN Women sein globales Büro dort. Auch die Nähe zu
europäischen Geberländern dürfte ein Faktor sein. Deutschland ist größter
Beitragszahler des UN- Entwicklungsprogramms.
Für eine Verlagerung zu Standorten im Globalen Süden, etwa den
Regionalbüros oder den UN-Standort Nairobi, spräche hingegen, dass hier die
zentralen Aufgaben des UNDP liegen.
Die Bundesregierung hatte im Koalitionsvertrag erklärt, den UN-Standort
Bonn stärken und sich um zusätzliche Ansiedlungen bemühen zu wollen. „Für
Deutschland bedeutet dies nicht nur einen wirtschaftlichen Standortvorteil,
sondern auch eine stärkere politische Präsenz in zentralen UN-Strukturen
sowie mehr informelle Nähe zu wichtigen Entscheidungsträgern“, sagt
Rosenow. Für Entwicklungsministerin Reem Alabali Radovan zeigt die
Entscheidung: „Deutschlands Rolle in der globalen Entwicklungspolitik
wächst.“
## Deutschlands Beiträge sinken
Seit 2022 sinken hingegen die finanziellen Beiträge Deutschlands zur
Entwicklungszusammenarbeit und zum UN-System, so auch im letzten
beschlossenen Haushalt für 2026. Gleichzeitig steigt Deutschlands
Bedeutung, da die USA noch größere Lücken reißen. Deutschland ist
viertgrößter Geber zum regulären UN-Haushalt und sogar hinter den USA
zweitwichtigster Unterstützer von UN-Friedensmissionen und -Organisationen
zusammengenommen.
In letzter Zeit werden jedoch immer weniger Mittel für die Kernfinanzierung
von UN-Organisationen ausgegeben, über die diese frei verfügen können.
Stattdessen verlagern Staaten – wie auch Deutschland – ihre Ausgaben in
zweckgebundene Beiträge, die klare Ziele verfolgen, sodass zum Beispiel
mehr Geld in den Wiederaufbau der Ukraine fließt.
Das Deutsche Evaluierungsinstitut der Entwicklungszusammenarbeit (Deval)
kritisierte dies [1][in einem Bericht vom Juni] vergangenen Jahres. „Eine
stabile und angemessene Kernfinanzierung ist notwendig, damit multilaterale
Organisationen ihre originären Mandate eigenständig erfüllen können und
nicht lediglich als Durchführungsorganisationen im Auftrag einzelner
Staaten agieren“, kommentierte Amélie Gräfin zu Eulenburg von Deval.
20 Jan 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.deval.org/de/ueber-uns/aktuelles/news/detail/multilaterale-entwicklungszusammenarbeit-deutschland-steht-vor-neuen-herausforderungen-1-1
## AUTOREN
(DIR) Leila van Rinsum
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