# taz.de -- Exiliraner in Angst: Heftige Vorwürfe gegen Uni-Mitarbeiterin aus Iran
       
       > Ein offener Brief sorgt in Braunschweig für Unruhe. Ein Aktivist
       > beschuldigt darin eine junge Wissenschaftlerin, für das Regime in Teheran
       > zu arbeiten.
       
 (IMG) Bild: Solidarität mit den iranischen Protesten nach dem Tod Mahsa Aminis in der Gewalt der iranischen Sittenpolizei 2022
       
       Es sind schwere Vorwürfe, die der deutsch-iranische Menschenrechtsaktivist
       Behrouz Asadi da erhebt: An der Technischen Universität Braunschweig soll
       es eine wissenschaftliche Mitarbeiterin geben, die nicht nur familiäre
       Beziehungen nach Iran hat, sondern aktiv als Außenposten des Regimes wirkt.
       In einem offenen Brief, der an die Universitätsleitung gerichtet ist,
       fordert Asadi die sofortige Entlassung der jungen Frau.
       
       Der Exil-Iraner Asadi lebt eigentlich in Mainz, er ist Vorsitzender des
       Vereins „Woman Life Freedom Germany“ und [1][war lange für die Malteser in
       der Migrationsberatung tätig]. Im vergangenen Jahr wurde er mit dem
       Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Von den Vorgängen in Braunschweig habe
       er durch betroffene Studierende erfahren, sagt er: Er habe seinen Namen und
       sein Gesicht für die Aktion hergegeben, weil diese selbst zu viel Angst
       hätten.
       
       Es gehe keinesfalls darum, hier eine Einzelperson an den Pranger zu
       stellen, versichert Asadi. Aber das Regime verschränke eben systematisch
       Kultur- und Sicherheitspolitik miteinander. Die betreffende Person, die er
       auch namentlich benennt, sei die Tochter eines Mannes, der schon seit
       Jahrzehnten immer wieder hohe Ämter in Teheran besetzt. Aktuell ist er
       Minister.
       
       Es gebe Fotos, die ihn neben hohen Militärs und Polizeichefs zeigen,
       berichtet Asadi. Darunter sind auch Menschen, die er für die aktuellen
       Massaker an Demonstrierenden verantwortlich macht. Noch immer dringen
       wenige Nachrichten aus Iran – aber dass [2][die Toten zu Tausenden gezählt
       werden], bestreitet eigentlich niemand mehr.
       
       ## Exil-Iraner leben in ständiger Angst
       
       Und die Tochter dieses Mannes, die an der teuren Eliteuniversität ETH
       Zürich Architektur und Bauingenieurwesen studiert hat, soll mehr als bloß
       eine stille Profiteurin des Regimes sein. „Sie pendelt permanent zwischen
       Teheran und Braunschweig“, sagt Asadi.
       
       Die betroffenen Studierenden beklagten, sie habe einerseits versucht, das
       brutale Vorgehen des Regimes zu relativieren, andererseits auch die Namen
       kritischer Studenten weitergegeben – sodass deren Familien in Iran Probleme
       bekommen hätten.
       
       Ein solches Vorgehen wäre nicht untypisch für Iran: Transnationale
       Repression ist das Stichwort, mit dem sich nationale und internationale
       Sicherheitsorgane immer wieder befassen müssen. Iran spioniert nicht nur
       die exiliranische Community aus und setzt deren verbliebene Angehörige in
       Iran unter Druck. Er wird auch für eine ganze Reihe von Attentaten und
       Entführungen auf fremdem Boden verantwortlich gemacht.
       
       In diesem Fall kann Asadi allerdings keine konkreten Daten oder eine
       genauere Beschreibung der Vorfälle liefern. Er begründet das mit eben jenen
       Sicherheitsbedenken. Das bringt sowohl die Technische Universität
       Braunschweig als auch das niedersächsische Wissenschaftsministerium in eine
       schwierige Lage. Man nehme die Hinweise sehr ernst und wolle sie
       überprüfen, erklärte das Ministerium der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung
       gegenüber schon am Freitag.
       
       Von der Universität war weder am Freitag noch am Montag noch am Dienstag
       eine Stellungnahme zu bekommen. Aber die befindet sich da natürlich auch in
       einem Dilemma: Sie hat ja sowohl der Mitarbeiterin als auch den
       Studierenden gegenüber eine Fürsorgepflicht.
       
       An der politischen Haltung der Universität liegt das Zögern ganz sicher
       nicht: Als sich nach dem Tod der 22-jährigen Mahsa Amini an vielen
       Universitäten in Iran Proteste formierten und schon damals brutal
       niedergerungen wurden, hatte sich die TU Braunschweig [3][offen und
       eindeutig auf die Seite der Protestierenden gestellt]. Es gibt zahlreiche
       Exiliraner, die hier studiert haben, darunter auch der aktuelle
       CDU-Bundestagsabgeordnete Reza Asghari.
       
       ## Offener Brief auch an Bundesinnenminister Dobrindt
       
       Der Menschenrechtsaktivist Asadi wünscht sich eine unabhängige Untersuchung
       durch das Ministerium und die Gewerkschaft, um aufzuarbeiten, wie weit das
       Netzwerk des Regimes an der TU Braunschweig gereicht hat.
       
       „Das ist seit Jahren, auch international, dokumentiert, dass das
       i[4][ranische Regime akademische, kulturelle und wissenschaftliche
       Strukturen systematisch als Werkzeuge der Einflussnahme] und Repression
       missbraucht, um [5][im Ausland Netzwerke aufzubauen], Informationen zu
       sammeln, Regimekritiker zu identifizieren und oppositionelle Strukturen zu
       unterwandern“, sagt Asadi.
       
       Er hat sich deshalb in einem weiteren offenen Brief auch an
       Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) gewandt. „Es geht hierbei
       nicht nur um den Schutz iranischer Exilanten“, schreibt Asadi. „Es geht um
       die Integrität des deutschen Rechtsstaates, um die Sicherheit
       demokratischer Räume und um die Glaubwürdigkeit der deutschen
       Menschenrechts- und Sicherheitspolitik.“
       
       20 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Es-gibt-keinen-Knopf-zum-Abschalten/!1497410/
 (DIR) [2] /Massenmord-in-Iran/!6146663
 (DIR) [3] https://magazin.tu-braunschweig.de/m-post/proteste-im-iran/
 (DIR) [4] /Kontakte-deutscher-Unis-mit-Iran/!5968364
 (DIR) [5] /Bericht-ueber-westliches-Iran-Netzwerk/!5959877
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Nadine Conti
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Proteste in Iran
 (DIR) Schwerpunkt Iran
 (DIR) Braunschweig
 (DIR) Niedersachsen
 (DIR) Prozess
 (DIR) Proteste in Iran
 (DIR) Kaja Kallas
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Prozess wegen Koran-Verbrennung: Grenzen des Protests
       
       In Hamburg stehen zwei Protestierende vor Gericht, die bei einer Demo einen
       Koran verbrannt haben sollen. Der Richter stellt das Verfahren ein.
       
 (DIR) Massenmord in Iran: Wir können wissen, was geschieht
       
       Das Regime in Teheran hat während der jüngsten Proteste mindestens 16.000
       Menschen ermordet. Was hindert uns, diese Realität wahr- und ernstzunehmen?
       
 (DIR) Proteste in Iran: Mit EU-Sanktionen das Mullah-Regime stürzen?
       
       Die EU arbeitet an neuen Iran-Sanktionen. Ob es eine Entscheidung dafür
       gibt, ist fraglich. Doch wirken Sanktionen überhaupt? Das sagen
       Expertinnen.