# taz.de -- US-Planspiele zu Grönland: „Natürlich ist der Einsatz des US-Militärs immer eine Option“
       
       > Besetzen oder kaufen? Die US-Regierung überlegt, wie sie ihre Ansprüche
       > auf Grönland umsetzen könnte. Grönland und Dänemark halten weiter
       > dagegen.
       
 (IMG) Bild: Dänemarks Außenminister Lars Loekke Rasmussen (l.) und Dänemarks Verteidigungsminister Troels Lund Poulsen, am 6. Januar 2026
       
       Gerade hatte Dänemarks Außenminister noch davor gewarnt, die Dinge weiter
       aufzubauschen. „Es ist ernst genug“, sagte Lars Løkke Rasmussen nach einer
       Sondersitzung des Auswärtigen Ausschusses in Kopenhagen. Kurz danach machte
       die US-Regierung klar, dass alle zuletzt gehörten, teils widersprüchlich
       wirkenden Varianten von „Grönland muss amerikanisch werden“ für sie immer
       noch auf dem Tisch liegen.
       
       Erwägt Washington ernsthaft, sein Ziel mit militärischen Mitteln zu
       erreichen – und damit einen Nato-Alliierten anzugreifen? Nach der
       Militäraktion in Venezuela am Wochenende und den neuen Grönland-Äußerungen
       des US-Präsidenten hielt auch Mette Frederiksen nichts mehr für
       ausgeschlossen: Wenn das passiere, sei alles aus, [1][sagte die dänische
       Ministerpräsidentin] am Wochenende.
       
       Trump-Berater Stephen Miller hingegen erklärte die Frage, ob die USA
       Grönland mit militärischen Mitteln einnehmen würden, [2][im CNN-Interview]
       für irrelevant. Es würde sich doch sowieso niemand wegen Grönland mit
       seinen 30.000 Einwohnern militärisch mit den USA anlegen, sagte er in der
       Nacht zu Dienstag. Miller ließ es so klingen, als könnten sich die USA im
       Zweifel einfach nehmen, was sie wollten. Beobachter nicht nur in Dänemark
       stellten fest, dass er damit wohl recht haben könnte.
       
       ## Wie käuflich ist Grönland?
       
       Derweil erklärte der kurz vor Weihnachten plötzlich und unerwartet zum
       US-Sondergesandten für Grönland erklärte Jeff Landry, im Hauptberuf
       Gouverneur von Louisiana, dass man mit den Grönländern direkt sprechen
       wolle, ohne Umweg über Europa. Und ihnen Geschäfte anbieten, Verbesserungen
       – und Unabhängigkeit vom einstigen Kolonialherren Dänemark.
       
       Am Dienstagabend fasste das Weiße Haus dann offiziell zusammen, was aus
       seiner Sicht alles denkbar sei, um Kontrolle über Grönland zu bekommen.
       „Der Präsident und sein Team diskutieren eine Bandbreite von Möglichkeiten,
       dieses wichtige außenpolitische Ziel zu erreichen, und natürlich ist der
       Einsatz des US-Militärs immer eine Option, die dem Oberbefehlshaber zur
       Verfügung steht“, hieß es [3][auf Nachfrage der Nachrichtenagentur
       Reuters].
       
       Zu den diskutierten Möglichkeiten gehört demnach der bereits vielfach von
       Nuuk und Kopenhagen abgelehnte Kauf Grönlands durch die USA sowie das
       Angebot eines „Compact of Free Association“, also ein Abkommen, bei dem
       Grönland wie etwa die Marshall-Inseln im Pazifik seine Verteidigung den USA
       übertragen würde und im Gegenzug finanzielle Unterstützung bekäme. Das
       erklärte ein hochrangiges Mitglied der Trump-Regierung [4][gegenüber
       Reuters]. Der Präsident liebe es, Geschäfte zu machen, und wenn das mit
       Grönland gelänge, wäre das seiner erster Impuls.
       
       Die anonym zitierte Person sagte demnach auch, dass Donald Trump sich nicht
       abschrecken ließe von der deutlichen Erklärung mehrerer großer Nato-Länder,
       die Grönland am Dienstag ihre Unterstützung zugesagt hatten. Sein Ziel sei
       es, Grönland noch während seiner Amtszeit zu „bekommen“.
       
       ## Dänemark sieht Missverständnisse
       
       In Kopenhagen sprach Lars Løkke Rasmussen noch von Missverständnissen und
       Fehldeutungen durch die Amerikaner, wie der dänische Rundfunk DR
       berichtete. Dänemark täte viel mehr für die Sicherheit Grönlands, als die
       USA behaupteten, sagte der Außenminister. Er und seine grönländische
       Amtskollegin Vivian Motzfeldt hätten gemeinsam um ein baldiges Treffen mit
       US-Außenminister Marco Rubio gebeten, um vorhandene Missverständnisse zu
       klären.
       
       Denn eines der zentralen Argumente der USA ist, dass Dänemark es sich nicht
       leisten könne, die Sicherheit in der Arktis zu garantieren, und daher die
       USA Grönland schützen müssten. Außer acht lassen sie dabei das seit 1951
       bestehende Abkommen, das den USA bereits weitgehende Rechte zu
       militärischer Präsenz in Grönland garantiert. Auch die verstärkte dänische
       Aufrüstung und Nato-Zusammenarbeit in der Region ändern offenbar nichts für
       Washington.
       
       Eine wiederkehrende Formulierung in den Solidaritätsbekundungen für
       Grönland und Dänemark – ob von nordischen Nachbarn am Sonntag, von der
       EU-Kommission am Montag oder von den Nato-Ländern am Dienstag – ist die:
       Nur Grönland und Dänemark hätten über Dinge zu entscheiden, die Grönland
       und Dänemark betreffen. Die USA sind anderer Meinung.
       
       7 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] http://x.com/nexta_tv/status/2008297580808335686
 (DIR) [2] https://x.com/atrupar/status/2008318519142686860
 (DIR) [3] https://www.reuters.com/world/trump-advisers-discussing-options-acquiring-greenland-us-military-is-always-an-2026-01-06/
 (DIR) [4] https://www.reuters.com/world/trump-advisers-discussing-options-acquiring-greenland-us-military-is-always-an-2026-01-06/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Anne Diekhoff
       
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