# taz.de -- Netzkapazitäten an der Grenze: Windbranche erzielt ihr zweitbestes Jahr der Geschichte
       
       > 2026 sollen noch mehr Windanlagen gebaut werden als in den Vorjahren.
       > Während es mit Genehmigungen schneller geht, fehlt es zunehmend an den
       > Netzkapazitäten.
       
 (IMG) Bild: Dank deutlich größerer Rotoren hat sich die Leistung von Windanlagen innerhalb von 10 Jahren im Schnitt verdoppelt
       
       Die [1][Windindustrie hat in Deutschland] das zweitbeste Jahr ihrer
       Geschichte hinter sich: Im Jahr 2025 wurden an Land 958 Windkraftanlagen
       mit einer Gesamtleistung von 5.232 Megawatt (MW) neu installiert. Das ist
       ein Anstieg der Zubauleistung um 58 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
       Lediglich das Jahr 2017 hatte mit einem Zubau von 5.524 MW noch ein wenig
       höher gelegen. Da vergangenes Jahr zugleich 456 Anlagen mit einem
       Durchschnittsalter von 23 Betriebsjahren stillgelegt wurden, ergab sich ein
       Nettozubau von 4.602 MW. Diese Zahlen präsentierten die Branchenverbände am
       Donnerstag.
       
       Eine neue Anlage kommt inzwischen im Mittel auf eine Nennleistung von 5,46
       MW. Das ist eine Verdopplung in den vergangenen zehn Jahren. Dieser Zuwachs
       wurde möglich durch einen Anstieg des durchschnittlichen Rotordurchmessers
       von 104 auf 151 Meter seit 2015. Auch die Türme wurden immer höher; die
       Nabenhöhe liegt inzwischen im Mittel bei 146 Metern.
       
       Spitzenreiter unter den Bundesländern war beim Zubau Nordrhein-Westfalen,
       wo 1.358 MW an Neuanlagen errichtet wurden, gefolgt von Niedersachsen mit
       1.156 MW. Unterdurchschnittlich sei der Leistungszuwachs in Hessen,
       Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein gewesen, berichtet
       die Fachagentur Wind und Solar.
       
       Gleichzeitig war das [2][Strompreisniveau] an der Börse zuletzt relativ
       hoch: Vergangenes Jahr lag der Preis im Mittel bei 8,9 Cent pro
       Kilowattstunde, während es in den 2010er Jahren meist 3 bis 4 Cent waren.
       Dadurch gab es bisher keine ausgeprägte Stilllegungswelle bei den
       Altanlagen, die nach 20 Jahren aus der Förderung fallen.
       
       ## Bei sinkenden Preisen droht Stillegung
       
       Aktuell sind in Deutschland daher noch rund 10.400 ausgeförderte
       Bestandsanlagen mit zusammen 12.650 MW in Betrieb. Da die Maschinen längst
       abgeschrieben sind, können sie derzeit häufig noch ohne Förderung
       weiterbetrieben werden, solange keine größeren Reparaturen erforderlich
       sind. Sollten die Strompreise im Großhandel allerdings wieder deutlich
       sinken und die Zahl der Stunden mit negativen Strompreisen weiter
       anwachsen, könnten zunehmend Altanlagen zum Aufgeben gezwungen werden.
       
       Der Bestand an Windkraftanlagen an Land in Deutschland liegt aktuell bei
       rund 68.000 MW (68 Gigawatt, GW). Trotz eines für 2026 von der Branche
       erwarteten Rekordzubaus in Höhe von 8 bis 8,5 GW werde der „Zielpfad nicht
       erreicht“, sagt Dennis Rendschmidt, Geschäftsführer des
       Maschinenbauverbandes VDMA Power Systems. Das ergebe sich aus den Zielen
       des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG): 2030 sollen 115 GW installiert
       sein, was in den verbleibenden fünf Jahren einen jährlichen Nettozubau von
       gut 9 GW erfordern würde. Das wäre das Doppelte des Wertes von 2025.
       
       Projekte gäbe es genug für noch höhere Zubauzahlen: Im vergangenen Jahr
       wurde in Deutschland eine Rekordleistung von gut 20 GW genehmigt. Das liegt
       auch daran, dass die Behörden zuletzt recht zügig gearbeitet haben. Die
       Genehmigungsverfahren, die im Jahr 2025 abgeschlossen wurden, hatten im
       Mittel nur 16,8 Monate gedauert. Zwei Jahre zuvor hatte der Zeitraum noch
       25,9 Monate betragen.
       
       Im Gegenzug wurde aber die Realisierungsdauer der Projekte immer länger.
       Zuletzt betrug der Zeitraum zwischen der Genehmigung und der Inbetriebnahme
       volle 29 Monate – ein neuer Rekordwert. Im Vorjahr waren es noch 27 Monate
       gewesen, zehn Jahre zuvor sogar nur 12,8 Monate. Ein Grund für die langen
       Zeiträume bis zur Realisierung sind fehlende Netze, die einen Anschluss der
       Anlagen oft erst mit Verzögerung zulassen. „Die Netzbetreiber sind in der
       Bringschuld“, sagt Bärbel Heidebroek, Präsidentin des Bundesverbands
       Windenergie. Dazu zähle auch, dass die Netze „intelligenter werden“ müssten
       durch mehr Digitalisierung.
       
       ## Branche beklagt zu wenige Ausschreibungsmengen
       
       Zudem beklagt die Windindustrie die aus ihrer Sicht zu geringen
       Ausschreibungsmengen. Denn um die garantierten Vergütungen zu erhalten,
       muss ein Projekt bei einer der alljährlich vier EEG-Ausschreibungen einen
       Zuschlag erhalten. Im Jahr 2026 sollen rund 10,9 GW ausgeschrieben werden,
       doch schon jetzt gibt es ein genehmigtes Anlagenvolumen von 14,8 GW. Damit
       sei bereits absehbar, dass im Jahr 2026 von den bereits genehmigten Anlagen
       fast vier GW keinen Zuschlag bekommen werden, rechnet Jürgen Quentin vor,
       Referent Energiewirtschaft und EEG bei der Fachagentur Wind und Solar.
       
       Da die Branche für das Jahr 2026 weitere 20 GW an Genehmigungen erwartet,
       könnten sich bis zum Jahresende rechnerisch Projekte mit zusammen fast 24
       GW ergeben, die ohne Zusage einer Förderung dastehen. Branchenlobbyistin
       Heidebroek fordert daher bereits höhere Kontingente in den Ausschreibungen.
       Doch im Laufe dieses Jahres werden die Karten für die Branche ohnehin neu
       gemischt: [3][Die Bundesregierung] wird das EEG überarbeiten, sodass sich
       für die Förderung der erneuerbaren Energien im kommenden Jahr einiges
       ändern dürfte.
       
       15 Jan 2026
       
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