# taz.de -- Landkreis will mehr Energie ernten: Osnabrück dreht am Rad
> Der Kreis Osnabrück will die Windenergienutzung massiv ausbauen. Das hat
> viele Vorteile. Das Umweltforum sieht aber auch Probleme.
(IMG) Bild: Genug Wind gibt es im Landkreis Osnabrück, wie hier auf einer Wiese in Borgloh: Fehlen nur noch die Windkraftanlagen
Anna Kebschull, seit 2019 Landrätin des Landkreises Osnabrück, ist Grüne.
Aber im Kreistag ist traditionell die CDU stark, der Grünen-Einfluss eng
begrenzt. Die Folge: Kebschulls bisherige Bilanz ist nicht so grün, wie
viele es sich erhofft hatten.
Doch jetzt, kurz vor Ende [1][ihrer ersten Amtszeit] und kurz vor der Wahl
zu ihrer womöglich zweiten, bohrt sie ein richtig dickes Ökobrett: das
Anfang 2026 in Kraft getretene [2][Regionale Raumordnungsprogramm 2025
(RROP).] Es sieht vor, die Flächen für Windkraft mehr als zu verdoppeln.
2,19 Prozent der Kreisfläche, 4.659 Hektar, sind für Windenergienutzung
vorgesehen. Das ist eine Übererfüllung der gesetzlichen Ziele.
Rund 200 Anlagen gibt es im Landkreis schon, mit rund 500 Megawatt
Leistung. Seit 2023 sind 195 neue Windenergieanlagen geplant, beantragt
oder genehmigt worden, mit einer künftigen Erzeugungskapazität von 1,3
Gigawatt. Bis zu 150 weitere neue Anlagen könnten jetzt hinzukommen – das
RROP gilt für zehn Jahre.
Der Landkreis habe „schon 2023 bilanziell über 100 Prozent seines
Strombedarfes durch erneuerbare Energien abgedeckt“, schreibt
Landkreissprecher Burkhard Riepenhoff der taz. Gut, 2023 war ein sehr
ertragreiches Windjahr. Aber, so Riepenhoff: „Mit weiterem Zubau der
erneuerbaren Energien wird diese Volatilität in naher Zukunft ausgeglichen
sein.“
## Mehr Strom als verbraucht
Sollten die Windvorrangflächen voll erschlossen werden, werde es,
prognostiziert Riepenhoff, „zu einer Überschussproduktion an grünem Strom
im Landkreis Osnabrück kommen“, im Bereich von einem guten Drittel im Jahr
2050. Dabei herausgerechnet ist allerdings das im Landkreis gelegene
Stahlwerk Georgsmarienhütte. Es verbraucht so viel Strom wie die ganze
Stadt Osnabrück.
Natürlich kommt es beim RROP zu Zielkonflikten. Im
BürgerInnen-Beteiligungsverfahren gingen Hunderte Stellungnahmen zur
Windenergie ein. „Die vielen Stellungnahmen zeigen, wie wichtig und
sensibel das Thema Windenergie für die Menschen im Landkreis Osnabrück
ist“, schreibt Landrätin Kebschull der taz.
„Wir haben die Hinweise aus der Beteiligung ernst genommen und die
ursprünglichen Flächen deutlich reduziert. Trotzdem bleiben einzelne
Standorte umstritten – das lässt sich bei einem solchen Planungsprozess
kaum vermeiden.“
Ein Problem des weiteren Ausbaus seien die Kapazitäten in den Netzen und
bei den Netzanschlüssen, räumt Riepenhoff ein. Speicherung sei wichtig,
auch intelligente Steuerung. Das betont auch Matthias Schreiber,
Vorsitzender des Umweltforums Osnabrücker Land: Der Ausbau der Stromnetze,
auch der Verteilnetze, hinke „weit hinterher“.
Mehr noch: „Der völlig ungehemmte Ausbau der Windkraft produziert massive
gesellschaftliche und ökologische Konflikte“, gibt Schreiber zu bedenken,
„insbesondere durch Landschaftszerstörung und einen rücksichtslosen Umgang
mit dem Schutz europarechtlich geschützter Vogel- und Fledermausarten. Ein
Großteil der Konflikte wäre vermeidbar gewesen, hätte zumindest vermindert
werden können, wenn der Ausbau sorgfältiger geplant worden wäre.“
Das Umweltforum sieht einen Teil der Planungen „sehr kritisch“. Einige
Projektierer seien zu zusätzlichen Maßnahmen zum Schutz gefährdeter Arten
bereit. „Wir befürchten aber, dass das nicht bei allen Projekten so
einvernehmlich zu lösen sein wird. Wir wollen es jedenfalls nicht einfach
so hinnehmen, dass um einer höheren Stromproduktion aus Wind willen die
Biodiversität weiter unter die Räder kommt.“
## Windkraft ist kein Allheilmittel
Es gibt noch ein Problem: Zu den Landkreis- kommen Kommunalflächen zur
Windenergienutzung hinzu. „Wir werden unsere Landschaft in ein paar Jahren
nicht wiedererkennen, ohne dass wir mit diesem Aktionismus das Klima
gerettet hätten“, glaubt Schreiber.
Andere CO₂-Quellen würden dagegen sträflich vernachlässigt: „20 Prozent
aller niedersächsischen Emissionen stammen aus kohlenstoffreichen Böden,
vornehmlich Mooren, ohne dass hier nennenswerte Aktivitäten zu verzeichnen
wären“, sagt er. „Das geht aber mit noch so viel Strom aus Wind nicht weg!“
17 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Gruene-ueber-ihren-Job-als-Landraetin/!5648821
(DIR) [2] https://www.landkreis-osnabrueck.de/fachthemen/bauen/regionales-raumordnungsprogramm-rrop
## AUTOREN
(DIR) Harff-Peter Schönherr
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