# taz.de -- Digitalisierung von NS-Opfer-Akten: Erinnerungskultur zum Mitmachen
> Zum Holocaust-Gedenktag starten die Arolsen Archives wieder die Aktion
> #everynamecounts. Jede:r kann helfen, Akten von NS-Opfern zugänglich zu
> machen.
(IMG) Bild: Lesen, verstehen, übertragen: Die Aktion #everynamecounts ist praktische Erinnerungsarbeit
Zum Holocaust-Gedenktag am 27. Januar starten die Arolsen Archives mal
wieder eine Aktionswoche, in der jede und jeder bei der Digitalisierung von
NS-Opfer-Akten mithelfen kann. Unter dem Hashtag #everynamecounts („Jeder
Name zählt“) werden Menschen darum geben, Namen und Daten aus Opferakten in
ein Formular einzutragen, sodass sie in Datenbanken such- und auffindbar
werden.
Die Arolsen Archives sind das weltweit größte Archiv zu den Opfern und
Überlebenden des Nationalsozialismus. Die Sammlung mit Hinweisen zu rund
17,5 Millionen Menschen gehört zum UNESCO-Weltdokumentenerbe. Sie
beinhaltet Dokumente zu den verschiedenen Opfergruppen des NS-Regimes und
ist eine wichtige Wissensquelle für die heutige Gesellschaft. Viele dieser
Akten sind zwar gescannt, aber noch nicht in digitale Datenbanken
übertragen.
Das soll die Aktionswoche ändern. Los geht es am Montagmorgen, einen Tag
vor dem 27. Januar, an dem jährlich an die Befreiung des
Konzentrationslagers in Auschwitz im Jahr 1945 erinnert wird.
Mitmachen kann man per Computer oder auch per Smartphone. Auf der
[1][Webseite der Arolsen Archives] bekommt man unter #everynamecounts eine
gute Gebrauchsanleitung – und dann gleich die erste Karteikarte aus dem
Archiv. Dort muss man die mal handschriftlich, mal mit Schreibmaschine
vermerkten Namen, Geburtsorte und -tage sowie weitere Einträge Stück für
Stück in ein Formular übertragen. Wenn etwas unleserlich ist, kann man
Felder auch leer lassen. Und wenn Fehler passieren? Auch kein Problem, jede
Karte wird mehrfach überprüft.
In dieser Woche geht es um 58.000 Dokumente vom Archivdienst für
Kriegsopfer aus dem Belgischen Staatsarchiv. Die Kartei enthält wertvolle
Hinweise zu den NS-Opfern, die die SS vielfach über das Sammellager
Mechelen in Belgien oder verschiedene Lager in Frankreich wie Drancy nach
Auschwitz deportierte. Die Karten wurden zwischen 1941 und 1944 vom
Sicherheitsdienst der deutschen Sicherheitspolizei (Sipo-SD) erstellt. Die
Kartei aus Brüssel enthält auch Karten zu Menschen, die untertauchen oder
fliehen konnten und so der Deportation entkamen.
Fast 60.000 Karteikarten? Das hört sich viel an, ist aber durchaus
schaffbar. Vor einem Jahr hatten sich [2][an einer ähnlichen Aktionswoche
der Arolsen Archives] ähnlich viele Menschen beteiligt. Und man schafft
durchaus mehr als eine Karteikarte, wenn man sich ein paar Minuten Zeit
nimmt.
Bei einer weiteren Aktionswoche im Herbst konnten [3][13.000 auf Postkarten
festgehaltene Erinnerungen ukrainischer Zwangsarbeiter] digitalisiert
werden. So entsteht nach und nach das laut Arolsen Archives größte digitale
Denkmal für die Opfer und Überlebenden der NS-Zeit. Wer daran mitarbeitet,
setzt ein Zeichen gegen das Vergessen.
26 Jan 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://arolsen-archives.org/pressemitteilungen/everynamecounts-challenge-zum-holocaust-gedenktag-2026/
(DIR) [2] /Digitales-Gedenken-an-Holocaust/!6064828
(DIR) [3] /Erinnerung-an-ukrainische-Zwangsarbeiter/!6116262
## AUTOREN
(DIR) Gereon Asmuth
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(DIR) 8. Mai 1945
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