# taz.de -- Abschaffung kleiner Bundesländer: Liebenswerter Eigensinn
       
       > Markus Söder will Bundesländer zusammenlegen. Doch vermeintlich
       > ineffiziente Zwerge wie das Saarland oder Bremen sind ein Gewinn für das
       > Land.
       
 (IMG) Bild: Wer hat Angst vor Markus Söder? Bayerns Ministerpräsident (CSU) will die Zahl der Bundesländer verringern
       
       Markus Söder will [1][die Zahl der Bundesländer verringern, weil kleine
       Bundesländer nicht mehr „lebensfähig“ seien]. „Größere Einheiten sind
       erfolgreicher“, sagt der Ministerpräsident eines großen Bundeslandes nicht
       ganz selbstlos. Ein typischer Söder-Move, den er vermutlich in zwei Wochen
       selbst schon wieder vergessen hat. Doch die Debatte um Länderfusionen
       taucht regelmäßig auf und ist daher ernst zu nehmen.
       
       Klar gibt es Verbesserungsbedarf beim Föderalismus: Die Kleinstaaterei in
       der Bildung ist ärgerlich; in Potsdam gilt ein anderer Lehrplan als ein
       paar S-Bahn-Stationen weiter östlich in Berlin. In der Verkehrspolitik wird
       zu oft nebeneinander und nicht miteinander geplant.
       
       Doch die Struktur aus 16 Ländern, gerade auch was die Größenunterschiede
       angeht, garantiert Vielfalt und Alternativen für die BewohnerInnen, auch
       liebenswerten Eigensinn. Bremen etwa ist für die westniedersächsische
       Jugend seit jeher ein Zuzugsort, denn in dem traditionell links regierten
       Bundesland – hier stellt die SPD seit 80 Jahren den Regierungschef – ging
       es schon immer etwas liberaler zu als in der Umgebung. Im Saarland spielen
       die Beziehungen zu Frankreich eine besondere Rolle. Und Hamburg würde eher
       sein Wahrzeichen, den „Michel“, abreißen, anstatt in einem diffusen
       Nordbundesland aufzugehen. Die „Freie und Hansestadt“ war im 19.
       Jahrhundert vor der Reichsgründung sogar mal ein eigener Staat und hat sich
       bis heute ihre ausgeprägte Eigenständigkeit bewahrt – und ist übrigens im
       Länderfinanzausgleich ein Geberland.
       
       In Deutschland gibt es schon genug Kunstprodukte und Binde[2][strichländer
       wie Nordrhein-Westfalen] und Mecklenburg-Vorpommern, die den inneren
       Zusammenhalt mühsam durch Proporzregelungen herzustellen versuchen. In
       einer Zeit, in der alles Mögliche dem kalten Effizienz-Dogma unterliegt,
       ist es eine Wohltat, wenn sich ein Land wie Deutschland noch vermeintlich
       überkommene Traditionen leistet, auch wenn sie manchmal nicht ganz
       effizient sein mögen.
       
       14 Jan 2026
       
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