# taz.de -- Verschenkaktion „4.000 Tonnen“: Unverhoffter Kartoffelsegen für Berlin
> Weil die Preise im Keller sind, werden Landwirte ihre Ernte nicht los.
> Damit sie nicht vernichtet werden, verschenkt ein sächsischer Betrieb
> seinen Bestand.
(IMG) Bild: Kartoffeljahr 2025: Ausgerechnet die Rekordernte wird vielen Landwirten jetzt zum Verhängnis
Die Kartoffel ist ein wundersames Produkt. Schmackhaft, nährstoffreich und
gesund. Kompakt in der Größe und vielseitig einsetzbar als Pellkartoffeln,
Bratkartoffeln, Ofenkartoffeln und Kartoffelstampf. Spätestens seit der
Preußenkönig Friedrich der Große das Nachtschattengewächs Mitte des 18.
Jahrhunderts hierzulande etablierte, ist die Kartoffel ein wichtiges
Grundnahrungsmittel.
Nur, auf dem Lebensmittelmarkt ist die Knolle trotz all ihrer Qualitäten
zurzeit nichts wert. Nach einer Rekordernte im vergangenen Jahr ist der
Kartoffelpreis dermaßen im Keller, dass die Bauern ihre Ernten kaum noch
loswerden.
In den Hallen der sächsischen Osterland-GmbH lagern derzeit 4.000 Tonnen
Kartoffeln, die keinen Abnehmer finden. Für den Großhändler, der die Ernte
bestellt hat, lohnt es sich bei den Niedrigpreisen schlicht nicht mehr, sie
abzuholen. „Der Händler hat ein faires Angebot gemacht und die Waren
entschädigt“, erklärt Osterland-Chef Hans-Joachim von Massow.
Wirtschaftlich ist der Schaden also verkraftbar. Aber emotional und
ökologisch wäre eine Vernichtung der Ernte eine Belastung. „Wir sind
begeistert, wie wir es als Landwirte immer wieder schaffen, dieses komplexe
Lebensmittel aus dem Boden zu zaubern“, sagt von Massow. Der Anbau sei sehr
aufwendig und arbeitsintensiv.
## Zivilgesellschaft regelt Verteilung
Um das kostbare Gut vor der Vernichtung zu wahren, hat sich der
Agrarbetrieb zusammen mit [1][der Öko-Suchmaschine Ecosia] und der Berliner
Morgenpost etwas einfallen lassen. Statt aufs Feld oder in die Biogasanlage
werden die Kartoffeln auf Lastern nach Berlin gebracht und verschenkt.
Rein rechnerisch könnte so fast jede*r Berliner*in ein Kilo Kartoffeln
erhalten. Bei der Verteilung setzt das Bündnis auf die lebendige Berliner
Stadtgesellschaft. Wer will, kann sich anmelden, um eine Tonne abzunehmen
und zu verteilen. Geliefert werden die Kartoffeln mit einem
25-Tonnen-Laster, in handlichen Bigbags, die jeweils eine Tonne Kartoffeln
fassen. Interessierte können sich dann [2][am Donnerstag und Freitag an den
auf einer Karte verzeichneten Verteilstellen] haushaltsübliche Mengen
abholen. Ein großer Teil der Ernte geht auch an die Tafeln.
„Wir sind überwältigt vom großen Andrang“, berichtet Ecosia Geschäftsführer
Wolfgang Oels. Anfangs hätten sich die Organisator:innen Sorgen
gemacht, ob es überhaupt Abnehmer:innen für einen 25-Tonner gebe.
Für den Preisverfall der Kartoffeln sind verschiedene Faktoren
verantwortlich. Nach einer Knappheit und hohen Preisen im Vorjahr haben
viele Bäuer:innen auf die Knolle gesetzt. Der regenreiche Juli führte
dazu zu einer Rekordernte. „Alle Betriebe haben besser geerntet als
erwartet“, erklärt Claudia Schievelbein von der Arbeitsgemeinschaft
Bäuerliche Landwirtschaft (ABL).
## Katastrophale Kartoffelschwemme
Die Folge: deutlich mehr Kartoffeln sind am Markt als gebraucht werden. „In
dem Moment des Überangebots unterbieten sich die Erzeuger gegenseitig, das
ist katastrophal“, sagt Schievelbein. Seien sie nicht vielfältig genug
aufgestellt, könnten die Nullpreise „Betriebe auch vor existenzielle
Probleme stellen“. Außerdem würde der Absatz seit Jahren sinken, Kartoffeln
seien halt kein „In-Produkt“, sagt die Landwirtin.
Während das Überangebot am Markt für viele Berliner:innen einen
unverhofften Kartoffel-Segen bedeutet, ist die Situation für viele
Landwirte deutlich ernster. Osterland-Chef von Massow plädiert daher
[3][für mehr Kartoffel-Konsum]: „Uns ist allen geholfen, wenn wir die alten
Rezepte wieder herausholen. Es ist eine sehr vielfältige Frucht.“
12 Jan 2026
## LINKS
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(DIR) [2] https://www.4000-tonnen.de/
(DIR) [3] /Inflation-an-Heiligabend/!6057893
## AUTOREN
(DIR) Jonas Wahmkow
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