# taz.de -- Uraufführung von Jelinek-Oper in Hamburg: Nichts klingt so schrill wie Donald Trump
       
       > Im Opernlibretto zeichnet Elfriede Jelinek den US-Präsidenten als
       > Wiedergänger von König Ubu. Olga Neuwirth hat schön-verstimmte Musik dazu
       > komponiert.
       
 (IMG) Bild: Auf der Insel von Gorgonzilla: Das Meer wogt blau, der Präsident fährt sorglos im Golfcart – denn er weiß, wie ungenießbar er ist
       
       Der König-Präsident liegt schwer im Magen. Monster Gorgonzilla ächzt. Es
       hat den gruselig-babyhaften Tyrannen verschlungen [1][und sich selbst
       gekrönt]. Im Monster-Reich flattern wieder Schmetterlinge, Häschen hoppeln
       heran, ein Reh beäugt zaghaft die grün überwucherten Hochhäuser.
       
       Doch lange währt das Idyll in der Hamburger Staatsoper nicht. Das
       öko-bewegte Monster könnte für ein Naturparadies und damit einen Wendepunkt
       im dystopischen Grundsetting von „Monster’s Paradise“ sorgen.
       
       [2][Komponistin Olga Neuwirth] und Dramatikerin Elfriede Jelinek lassen
       ihren neuesten Musiktheater-Wurf hier allerdings nicht enden. Sie schicken
       stattdessen ihre Alter Egos auf eine dystopische Floßfahrt ins Uferlose,
       vorbei noch an der versinkenden Elbphilharmonie in Richtung
       Sonnenuntergang.
       
       Alle Liebe zur Natur und die Vernichtung des König-Präsidenten haben also
       nicht geholfen, um, wie es gleich zu Beginn erklärt wird, den „Wärmetod des
       Universums“ zu verhindern. Dieser Prolog im Himmel macht das Publikum
       bekannt mit den Vampirinnen Vampi und Bampi.
       
       ## Ein aufgeblasener Chef auf seinem Klo aus Gold
       
       Beide „Vampiretten“ sind doppelt besetzt mit je einer Schauspielerin und
       einer Sängerin, die in der Uraufführung zugleich erkennbar Elfriede Jelinek
       und Olga Neuwirth darstellen: Vampi-Jelinek und Bampi-Neuwirth reisen zu
       den Krisenherden der Welt. Neben Klimakatastrophen-getriebenen
       Überschwemmungen, Waldbränden und Kriegen gehört dazu auch der
       König-Präsident.
       
       Er hockt in seinem ovalen Gold-Office auf einem goldenen Klo und
       tyrannisiert die Welt, gefeiert von Zombie-Bürger:innen und seinen
       Untergebenen in aufgerüschten Outfits mit Mickey-Mouse-Anklängen. Die
       Countertenöre Andrew Watts und Eric Jurenas umschmeicheln ihren
       menschenverachtenden, im wahrsten Sinne aufgeblasenen Chef – der von Demos
       bekannte Baby-Trump-Ballon lässt grüßen – mit barock anmutenden
       Koloraturkaskaden.
       
       Der österreichische Bariton Georg Nigl grunzt, quiekt und schnaubt sich
       durch die Partie dieser Figur, die direkt von Alfred Jarrys groteskem „Ubu
       Roi“ aus dem Jahr 1896 abstammt. Vor seinem Ende im Monster-Magen
       grimassiert Nigl schließlich in Großaufnahme virtuos.
       
       Eine König-Präsidenten-Persiflage, die einem leider allzu bekannt vorkommt
       und so weit wenig komisch ist. Angekündigt als „Grand Guignol Opéra“, also
       als musikalisches Kasperletheater für Erwachsene und als „Satire zum Stand
       der Gegenwart“, gab es bei der Uraufführung an der Staatsoper Hamburg kaum
       Lacher.
       
       Laut Dramaturg Christopher Warmuth [3][war das Libretto im März 2024
       beendet], also noch vor der US-Wahl zu Trump II. Mittlerweile ist das nicht
       selten arg kalauernde und mit Zitaten gespickte Stück von der Realität im
       Grunde überholt. Es fehlt der dramaturgische Biss für eine Heldinnenreise,
       die wirklich fesseln und nachschwingen würde.
       
       Regisseur Tobias Kratzer versucht szenisch die Schwäche auszugleichen,
       indem er gemeinsam mit seinem Ausstatter Rainer Sellmaier auf der Bühne
       auffährt, was geht. Etwa wenn es auf die Insel von Monster Gorgonzilla
       geht; Titelheld der Uraufführung, inspiriert von Godzilla, ein ikonisches
       Monster aus dem japanischen Kino der 1950er Jahre.
       
       An der Staatsoper Hamburg umwogt das Meer Gorgonzillas Insel mit
       flatternder Plastikplane im Stil der Augsburger Puppenkiste. Hubschrauber
       und Flugzeug greift das Monster aus der Luft. Der Mord am König-Präsidenten
       ist schließlich als trashiges Schattentheater inszeniert. Und immer wieder
       tanzen Glitzerpuschel-schwingende Cheerleaderinnen durchs Bild.
       
       „Monster’s Paradise“ ist neben frühen Mini-Opern das dritte abendfüllende
       Musiktheater-Werk von Elfriede Jelinek und Olga Neuwirth nach „Bählamms
       Fest“ (1998/1999) und „Lost Highway“ (2002/2003). Die österreichische
       Komponistin spricht mit Blick auf die Literaturnobelpreisträgerin Jelinek
       von einer „Seelenverwandtschaft“.
       
       ## Elektroakustisch singt das Monster
       
       Neuwirth hat das Libretto zu „Monster’s Paradise“ gemeinsam mit Jelinek
       geschrieben und schließlich vertont als vielschichtigen Soundtrack. Der
       speist Zitate von Johann Sebastian Bach und Alban Berg ebenso ein wie
       offene Anleihen an Kurt Weills Brecht-Songs und Johann-Strauss-Walzer.
       
       Dazu Pop, Jazz, Schreichöre, auch eine bewusst verstimmte Elektrogitarre,
       Schlagwerk-Effekte und eine elektroakustisch verzerrte Monster-Stimme. Der
       Floß-Epilog schließlich wartet mit einer Neuinterpretation von Klaviermusik
       Franz Schuberts auf.
       
       Das ist alles grundsätzlich spannend anzuhören, ungeachtet mancher Längen.
       Tobias Kratzer, Intendant seit Spielzeitbeginn, plant jede Saison eine
       Uraufführung ein. Dieses erste Auftragswerk hatte große Erwartungen
       geweckt, aber nicht erfüllen können.
       
       3 Feb 2026
       
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