# taz.de -- Venezolaner:innen im Exil: Ihr Hoffen auf einen Neuanfang
> In Kolumbien leben viele Exilvenezolaner:innen. Manche dort sehen den
> US-Präsidenten als Retter, der sie von Machthaber Maduro befreit hat.
(IMG) Bild: Hunger auf Veränderung: Die Wirtschaftskrise brachte viele Venezolaner:innen auf die Straße, hier 2019 in Caracas
Das Essen steht noch nicht auf dem Tisch, da hat die Party schon begonnen.
Es klingt nach Heimat: Gaitas, typische venezolanische Volkslieder, und
Guarachas, eine schnelle Tanzmusik. Dazu Tambor-Trommeln und Männerstimmen.
Auf einer verglasten Dachterrasse im Bogotaner Stadtteil Kennedy, im Süden
der kolumbianischen Hauptstadt, tanzen rund 30 Venezolaner:innen.
Glitzerherzen baumeln von der Decke, künstlicher Efeu rankt an den Wänden,
Paare schwingen die Hüften und singen die Klassiker lauthals mit.
Es sollte eine verspätete Weihnachtsfeier werden. Doch an diesem Abend
feiern sie vor allem den 3. Januar – den Tag, an dem US-Spezialeinheiten
den venezolanischen Machthaber Nicolás Maduro aus Caracas holten und nach
New York brachten. In Bogotá stoßen [1][Exiloppositionelle der Bewegung von
Friedensnobelpreisträgerin María Corina Machado] auf das an, was sie für
den Anfang vom Ende des Regimes halten.
Mariluz Palma Colmenares, 49 Jahre alt, nennen sie hier die Matriarchin.
Mit Reibeisenstimme koordiniert sie Musik, Essen, Gäste – und seit Jahren
auch ein Netzwerk der venezolanischen Opposition in Kolumbien. „Das ist
erst der Anfang“, sagt sie. Am Ende der Tafel steht auf einem Schild:
„Befreit alle politischen Gefangenen.“ Darüber ein laminiertes Foto:
Oswaldo Castillo, 32 Jahre alt, seit sieben Jahren in Haft.
## Verfolgt, inhaftiert, ins Exil gedrängt
Unter den Gästen sind Ingenieur:innen, Anwält:innen, Krankenschwestern,
Feuerwehrleute. Menschen, die bei Protesten gegen das Maduro-Regime
Verletzte versorgten, nachdem Sicherheitskräfte in die Menge geschossen
hatten – und die dafür verfolgt, inhaftiert oder ins Exil gedrängt wurden.
Viele von ihnen haben Angehörige, die bis heute in venezolanischen
Gefängnissen sitzen.
Beatriz Martínez heißt eigentlich anders. In einer Sitzecke beugt sie sich
nach vorn und hebt die Stimme gegen die immer lautere Musik. Sie will
erzählen. Beatriz Martínez ist Kosmetikerin, spezialisiert auf Augenbrauen.
Die ihren sind dezent, ebenso wie der Rest ihrer Erscheinung, die eher an
eine Unternehmensberaterin erinnert als an eine politische Aktivistin:
schwarze Hose, schwarzes Oberteil, heller Blazer, das Haar streng
zurückgesteckt, der Blick ernst hinter der Brille. Ihre Worte sind präzise.
Drei Kinder hat sie – ihretwegen, sagt sie, hielt sie es in Venezuela
irgendwann nicht mehr aus.
Gegenüber, an der Glasfront, von der Mutter getrennt durch die lange,
gedeckte Tafel, sitzt ihre Tochter zusammengesunken in einem Sessel, den
Blick ins Handy versenkt. Die schmale 20-Jährige mit dem Lockenkopf will
möglichst weit weg sein, während ihre Mutter spricht. Aus Angst, jemand
könnte über ihr Handy mithören, was die Mutter sagt – eine Vorsicht, die
viele Venezolaner:innen auch im Exil nicht ablegen. Vor wenigen Tagen
ist die Tochter aus Venezuela nach Bogotá gekommen, „um mich zu holen“,
sagt Beatriz Martínez.
„Ich sah, wie sich Venezuela veränderte. Das war nicht das Land, in dem ich
meine Kinder aufziehen wollte. Ohne die Freiheit zu sagen, was du wirklich
denkst. Ich sah, wie es mit dem Bildungssystem bergab ging, wie sie in den
Schulen nicht mehr unterrichteten, sondern indoktrinierten. Deshalb begann
ich, meine Stimme zu erheben“, sagt Martínez.
Im Januar 2018 sah sie im Fernsehen, wie der frühere Polizist Óscar Pérez
und Kämpfer gegen die Maduro-Regierung in Caracas von venezolanischen
Sicherheitskräften gestellt und hingerichtet wurden, obwohl er sich zuvor
mit seinen Mitstreitern ergeben hatte. Die Bilder gingen durch das Land.
Für Beatriz war das ein Wendepunkt. „Das war so sadistisch“, sagt sie. Kurz
darauf begann sie, selbst auf die Straße zu gehen.
Mit ihrer Familie geriet sie darüber in Konflikt. Viele hätten sich
arrangiert, sagt sie, angepasst, um durchzukommen. Sie selbst bekam
Drohungen, das Umfeld wurde feindseliger. „Es wurde immer enger.“ Um ihre
Kinder zu schützen, zog sie allein aufs Land, ließ die Familie zurück.
Doch auch dort fühlte sie sich nicht nach kurzer Zeit nicht mehr sicher.
Nachbarn hätten begonnen, einander zu denunzieren. Dann ermordete ein
Colectivo, ein paramilitärischer Arm der Regierung, ihre Nachbarn auf
brutale Weise. „Da habe ich gedacht: Ich bin wahrscheinlich die Nächste.“
## Seit fünf Jahren hat Martínez die Kinder nicht gesehen
Martínez entschied sich, Venezuela zu verlassen. Das war vor acht Jahren.
Während der Pandemie kehrte sie noch einmal kurz zurück, als ihre Mutter
krank wurde. Seit fünf Jahren hat sie ihre Kinder nicht mehr gesehen.Von
ihrem Mann hat sie sich getrennt. Er hat für eine ausländische Vereinigung
in Caracas gearbeitet und besaß ein Visum für die USA. Sie bat ihn damals,
dorthin zu gehen und sie und die Kinder nachzuholen. Er habe sich
geweigert, wollte in Caracas bleiben.
Ihre älteste Tochter lebt heute in den USA. Sie ist 23 Jahre alt. Als sie
19 war, sagt Beatriz Martínez, habe der Vater beschlossen, sie außer Landes
zu bringen – ohne ihre Zustimmung. Die Flucht führte durch den
Darién-Dschungel, eine der gefährlichsten Routen der Welt.
Von lebensgefährlichen Situationen habe die Tochter später berichtet, sagt
Martínez. „Ich weiß, dass sie dort Dinge erlebt hat, die niemand erleben
sollte. Ich bin mir sicher, dass sie unterwegs vergewaltigt wurde.“
Die Kinder, sagt sie, hätten nicht verstanden, warum die Mutter sie damals
zurückgelassen habe. Sie machten ihr noch heute Vorwürfe. Ihretwegen will
Martínez jetzt zurück. „Es gibt vieles, was wir wieder aufbauen müssen.“
Als ihre Tochter sie am 3. Januar aus Caracas anrief, weil die Fenster von
den Bomben klirrten und sie die Schüsse hörten, habe sie zu ihr und dem
weinenden Sohn gesagt: „Es ist für unsere Freiheit. Das musste passieren.“
## „Die USA machen sauber“
In ein paar Tagen will sie mit ihrer Tochter nach Venezuela. Noch ein wenig
abwarten, was Trump treibt, wie sich die Lage entwickelt. „Die USA schicken
nicht ihre Diplomaten zurück ins Land, ohne vorher sauberzumachen“, glaubt
Martínez.
Im Zentrum von Bogotá, im Schatten der Bäume gegenüber der Kirche Nuestra
Señora de las Aguas, wartet Rodrigo Castellanos darauf, dass sein Telefon
plingt. Sein Name ist geändert. Wie ein Dutzend anderer Venezolaner steht
er hier und wartet auf den nächsten Auftrag.
Rodrigo Castellanos verdient seinen Lebensunterhalt mit der kolumbianischen
Liefer-App Rappi, die wegen ihrer Arbeitsbedingungen immer wieder in der
Kritik steht. „Neun von zehn Rappi-Fahrern in Bogotá sind Venezolaner“,
schätzt er.
Castellanos’ Hände sind rissig, das Gesicht gezeichnet von Höhensonne und
langen Arbeitstagen. Er arbeitet elf Stunden am Tag, sieben Tage die Woche.
An guten Tagen kommen umgerechnet 100 Dollar zusammen, sagt er. Meistens
deutlich weniger. Als das Telefon endlich plingt, bringt die Fahrt 3.000
Pesos – umgerechnet etwa 70 Cent.
Wenn er es schafft, schickt Castellanos Geld nach Brasilien. Dort lebt sein
17-jähriger Sohn mit seiner venezolanischen Mutter. Er hat ihn zuletzt
gesehen, da war er drei. „Hier habe ich Arbeit“, sagt er immer wieder. Es
gehe ihm gut in Kolumbien.
Er hat eine kolumbianische Freundin, die ebenfalls bei Rappi arbeitet.
Einen Aufenthaltstitel hat Castellanos nicht. Deshalb kann er nicht mehr
mit dem Motorrad ausfahren. Er hat keine gültigen Papiere, die
Verkehrspolizei habe ihm schon eine Strafe aufgebrummt. Deshalb hat er sich
vor zwei Wochen ein E-Bike gekauft.
In Venezuela hat er auf Zuruf in einer Autowaschanlage ausgeholfen. Vor
vier Jahren, als seine Mutter starb, ging er nach Kolumbien. Eine Schwester
war schon dort. Mit seinem kleinen Bruder, der noch in Venezuela lebt,
spricht er täglich.
## Telefonieren über Codes
Sie haben einen Code entwickelt. „Er hat große Angst, mit mir zu sprechen,
weil alle Telefone in Venezuela abgehört werden. Also nennen wir keine
Namen.“ Sein Bruder schickt ihm Inhalte aus dem Netz. „Das Internet dort
sagt andere Sachen als hier.“Und was denkt er über die USA? „Die haben
nichts gemacht. Sie haben alle anderen der Bande dagelassen. Damit sich
etwas ändert, muss ein Präsident her, der kein Chavist ist. Die Chavisten
sind alle gleich.“ Dass die USA sich Venezuelas Öl holen wollen, tue ihm
weh. „Das ist mein Land und das Öl gehört uns.“ Er hat nicht vor, jetzt
nach Venezuela zurückzukehren. Vielleicht in drei, vier Jahren: „Abwarten
und schauen.“
Was Rodrigo Castellanos erlebt, ist kein Ausnahmefall, sagt Ronal
Rodríguez. Der Kolumbianer ist Politologe und forscht seit mehr als 20
Jahren an der [2][Beobachtungsstelle für Venezuela an der Universidad del
Rosario in Bogotá], seit mehr als einem Jahrzehnt mit Schwerpunkt
Migration. Die Migrationsforschung der Beobachtungsstelle wurde bis Anfang
dieses Jahres von der deutschen Konrad-Adenauer-Stiftung unterstützt.
Rodríguez arbeitet eng mit Kolleg:innen in Venezuela zusammen und
erstellt unabhängige Empfehlungen zur Migrationspolitik.
In den 70ern, als Venezuela boomte, wanderten viele Kolumbianer:innen
dorthin aus. 2002, nach dem gescheiterten Putsch gegen Präsident Hugo
Chávez, verließen viele Venezolaner:innen das Land – zuerst die
wohlhabenderen. 2007 kam eine weitere Welle nach Kolumbien: Studierende,
die sich wegen eines vom venezolanischen Staat subventionierten Dollars das
viel teurere Studium in Kolumbien leisten konnten.
2015 verwies Venezuela 32.000 Kolumbianer:innen aus der Grenzregion
des Landes. Venezolaner:innen folgten in Massen, zunächst um auf der
kolumbianischen Seite einzukaufen – und schließlich wurde die
Versorgungskrise und Verfolgung so krass, dass sie das Land in Massen
verließen. Acht Millionen Venezolaner:innen, ein Viertel der Bevölkerung,
sind seit 2014 aus ihrem Land fortgegangen. Etwa drei Millionen leben heute
in Kolumbien.
## „Der künftige Präsident ist irgendwo in Kolumbien“
Der Politikwissenschaftler Rodríguez ist überzeugt: „Venezuelas Schicksal,
Venezuelas Demokratie ist eng mit uns verbunden. In diesem Moment ist sehr
wahrscheinlich irgendwo in den kolumbianischen Institutionen, irgendwo in
Kolumbien, der künftige Präsident Venezuelas.“ Er meint einen der jungen
Menschen, die in Bogotá leben und ausgebildet wurden und politische
Prozesse in einer Demokratie kennengelernt haben.
Die Verbindungen der venezolanischen Regierenden zu Kolumbien seien immer
stark gewesen. „Paradoxerweise ist Nicolás Maduro, der eine kolumbianische
Mutter hat und deshalb ein Recht auf die kolumbianische Staatsbürgerschaft
hätte, der schlimmste Präsident für die kolumbianischen Interessen in der
Geschichte Venezuela gewesen“, sagt Rodríguez.
Die politischen Verbindungen zwischen Venezuela und Kolumbien seien alt,
sagt Rodríguez. Und sie seien auch im Alltag sichtbar, hörbar, schmeckbar.
Das gehobene Mittelklassenviertel Cedritos im Norden Bogotás trägt seit
Jahren den Spitznamen „Cedrizuela“. Auf einer ehemaligen, parkplatzgroßen
Brache zwischen Hochhäusern liegt seit sechs Jahren „San Roque“, eine
Ansammlung von Foodtrucks und Kiosken, fast alle betrieben von
Venezolaner:innen, die Spezialitäten aus der Heimat verkaufen. Auch das
Publikum stammt zum größten Teil aus Venezuela – und kann sich die
gehobenen Preise leisten.
Abraham Uzcategui, 33 Jahre alt, hat vor bald drei Jahren hier „Amelie
Cakes“ eröffnet. Der bärtige Mann herrscht in seinem pinken Häuschen über
Karamellpudding, venezolanische „Tres Leche“-Torte und andere Schleckereien
wie die Golfeados, Schnecken mit Rohrzucker, Anis und Käse.
## „Von allein wären die Chavisten nicht gegangen“
Er verspüre eine unbändige Freude, dass Maduro in New York gefangen sei.
„Venezuela ist ein Narkostaat – und niemand machte Anstalten, etwas zu
unternehmen. Die Chavisten sind mehr als 25 Jahren an der Macht. Von allein
wären sie nie gegangen.“
Uzcategui findet: „Jetzt sagen sie uns, die Venezolaner verstehen nicht,
dass Trump nur ihr Öl will. Alle wissen das. Die Russen und Chinesen waren
auch nicht da, weil ihnen die Arepas (runde Maisfladen, d. Red.) schmecken.
Aber wenn sie deine Familie umbringen, weil du anders denkst, du das Land
verlassen musst, ist dir das egal. Dann willst du einfach nur, dass sie
diese Leute wegholen.“
Wenn die Ölindustrie anziehe, sagt Uzcategui, dann werde alles gut, dann
würden die anderen Branchen folgen: Stahl, Lebensmittel, Chemikalien. Dann
brauche es Schulen für die Angestellten, Bäckereien. So sieht Uzcategui
das.
Sein Vater arbeitete in der Ölindustrie. 2003 habe er seine Arbeit
verloren. Sein Arbeitgeber, die Firma Schlumberger, verließ das Land. Sei
Vater landete auf der Tascón-Liste, auf der der gleichnamige Abgeordnete
angebliche Oppositionelle der Chávez-Regierung denunzierte. Das bedeute ein
Arbeitsverbot, weil ihn niemand anstellen durfte. Die Eltern verließen mit
den beiden Söhnen Venezuela. 22 Jahre ist das her. Da war Uzcategui elf.
Abraham Uzcategui ging auf internationale Schulen. Er begann ein
Ingenieursstudium an der teuren Eliteuni Los Andes in Bogotá, wechselte
dann an die Universidad de la Sabana, um Gastronomie abzuschließen. Der
Vater verdiente gut. „Meine Geschichte ist anders als die der meisten“,
betont er.
Alle Jahre besuchte die Familie die Verwandtschaft. Es war wie ein
Schnappschuss von einem Land in der Krise, das immer weiter verkam.
2017 war Uzcategui zum letzten Mal in der alten Heimat. Seine Eltern,
mittlerweile in Rente, hatten es noch einmal versuchen wollen, sie
überlegten, ob sie in Venezuela alt werden könnten. Es war die Zeit, wo es
kaum etwas zu kaufen gab in Venezuela und die Menschen um drei Uhr morgens
Schlange standen. „Wenn der Bäcker abends schloss, stürzten sich die
wartenden Leute auf die Müllsäcke und suchten nach Essbarem. Da kamen Leute
im Anzug nach dem Dienst aus der Bank und suchten im Müll nach Essen.“
## Aus „Nie wieder“ wird „Dann geh’ ich“
Uzcategui sagt, dass die Leute sei dem 3. Januar anders redeten über ihre
zurückgelassene Heimat als früher. Aus „Nie wieder gehe ich nach Venezuela
zurück“ wurde immer öfter: „Wenn sich wirtschaftlich jetzt wirklich was
tut, dann geh’ ich.“
Für Uzcategui selbst ist das nicht so klar. Er sagt: „Ich liebe Kolumbien
und verteidige es gegen alle, die sagen, dass in Venezuela der Zucker süßer
ist.“ Das Geschäft laufe gut.
Und doch haben seine Partnerin und die Restfamilie beschlossen, in den
kommenden zwei Jahren auszuwandern – nach Kanada. Dort lebt sein Bruder
schon, ist mittlerweile Kanadier. Mehr Stabilität, ein steuerfinanziertes
Gesundheitswesen, ein gutes Bildungssystem für die künftigen Kinder, die da
kommen mögen. Englisch und Französisch spreche er auch, sagt Uzcategui.
Eine Freundin habe es so formuliert: „Innerhalb von Lateinamerika umziehen,
das ist wie ein Zimmertausch auf der ‚Titanic‘.“In Kennedy, im Süden
Bogotás, geht die Party weiter. Mariluz Palma Colmenares, die Frau mit der
schwarzen Mähne und der Reibeisenstimme, hält den Laden zusammen. Bis ins
hinterste Dorf Kolumbiens habe sie das Netz der Opposition ausgebaut, sagt
sie. Dafür habe sie Drohungen erhalten, die sie angezeigt habe. Wer
dahinter steht, weiß sie nicht. Chavismus-Anhänger, oder aber jemand, der
ihrer eigenen Gruppierung nahestehe? „Das Wichtigste ist, dass ich keine
Angst davor habe“, sagt Colmenares.
In Venezuela war sie internationale Handelsberaterin eines Bauunternehmens.
In Kolumbien hat sie geputzt, gekellnert, in Bäckereien und Restaurants
geschuftet – „alles, um Geld nach Hause zu schicken“. Vor sechs Jahren kam
sie her, lief zu Fuß von Cúcuta nach Bogotá, sagt sie. Zwei ihrer vier
Kinder leben mittlerweile hier.
Gegen das Morden des Regimes sei die US-Militäroperation am 3. Januar mit
chirurgischer Präzision verlaufen. So viele Menschen seien dagegen unter
Maduro Tag für Tag an Hunger gestorben. So sieht Colmenares die Dinge.
## Trump als Befreier?
„Venezuela wird sich durch Trump verändern. Es wird sich schnell erholen –
denn Trump ist ein Geschäftsmann, der sich mit Wirtschaft und
internationalen Finanzen auskennt. Das wird für Millionen
Venezolaner:innen in- und außerhalb des Landes Wohlstand bringen –
und auch für andere Länder, die er vom Kommunismus und Narkodiktaturen
befreit“, glaubt sie.
Erst müsse Trump Ordnung und Sicherheit schaffen, sagt Mariluz Palma
Colmenares. Dann könnten María Corina Machado und Edmundo González
übernehmen – „sie haben keine Waffen“. Der neue Übergang müsse mit Härte
beginnen. Dialog reiche nicht aus.„Ich bin glücklich“, sagt Mariluz Palma
Colmenares. „Weil ich Venezuela frei sehen werde.“
Die Musik wird immer lauter. Jemand ruft nach einem Lied aus Maracaibo. Zu
afrovenezolanischen Trommeln stampfen sie die aufgestaute Wut und Trauer in
die Nacht, bis nur noch Freude bleibt, zueinander, auseinander. Es ist wie
eine Familienfeier. Auf der Terrasse im Süden Bogotás wird getanzt, als sei
der Neuanfang zum Greifen nah.
28 Jan 2026
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