# taz.de -- Venezuela und die USA: Delcy Rodríguez kündigt eine neue Ära an
       
       > Erstmals hat Venezuelas Präsidentin in einer Rede ihre Vision für die
       > Zukunft des Landes dargelegt. Es ist ein Bruch mit bisherigen
       > Überzeugungen.
       
 (IMG) Bild: Delcy Rodríguez, geschäftsführende Präsidentin Venezuelas, vor ihrer Rede in Caracas, am 15. 1. 2026
       
       ap/rtr | In ihrer ersten Rede zur Lage der Nation hat [1][die
       geschäftsführende venezolanische Präsidentin Delcy Rodríguez] für
       ausländische Investitionen in die Ölindustrie des Landes geworben. Am
       Donnerstag rief sie die Abgeordneten in der Nationalversammlung dazu auf,
       mit Reformen den Weg dafür freizumachen. „Venezuela kann in freien
       Handelsbeziehungen mit der Welt die Produkte seiner Energieindustrie
       verkaufen“, sagte sie. Die Verkäufe von venezolanischem Öl könnten dann dem
       Gesundheitssektor, der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes und
       Infrastrukturprojekten zugutekommen, sagte Rodríguez.
       
       Der Zugang zu venezolanischem Öl für US-Konzerne ist eines der zentralen
       Ziele von US-Präsident Donald Trump, seit er Venezuelas Staatschef Nicolás
       Maduro vor weniger als zwei Wochen entführen ließ. Maduros frühere
       Vizepräsidentin [2][soll sich zuvor auf einen Deal mit Trump eingelassen
       haben]. Sie steht nun unter dem Druck der USA, bei deren Plänen zur
       Umgestaltung der sanktionierten venezolanischen Ölindustrie zu kooperieren.
       In ihrer Rede erklärte sie in diesem Zusammenhang, in Venezuela entstehe
       jetzt eine „neue Politik“.
       
       Rodríguez verurteilte den US-Angriff mit der Gefangennahme Maduros scharf
       und sagte in ihrer Rede, die Beziehungen seien schwer belastet.
       Gleichzeitig zeigte sie sich aber auch offen für eine Annäherung an
       Washington. „Lasst uns keine Angst vor Diplomatie haben“, sagte sie mit
       Blick auf die USA. Ihre Rede wurde in Venezuela mit Verzögerung
       ausgestrahlt.
       
       ## Rodríguez kündigt Freilassungen an, darunter Deutsche
       
       Am Vortag hatte sie den Medien in einem vierminütigen Briefing mitgeteilt,
       ihre Regierung werde weiterhin Gefangene freilassen, die unter Nicolás
       Maduros harter Herrschaft inhaftiert worden waren.
       Menschenrechtsorganisationen bestätigten jedoch nur einen Bruchteil der von
       ihr behaupteten Freilassungen.
       
       Nach Angaben des Auswärtigen Amtes sind in Venezuela jetzt auch drei
       Deutsche aus der Haft entlassen worden. „Wir haben diese drei Personen ⁠in
       der Botschaft in Caracas in Empfang nehmen können.“ Die Bundesregierung
       habe diese Einzelfälle sehr eng begleitet und sich „sehr hochrangig“ vor
       Ort und auch in Berlin für diese Personen eingesetzt. Details ⁠zu den
       Hintergründen nannte der Sprecher nicht.
       
       Dies sei ein „gutes Zeichen und ein ⁠Schritt in die richtige Richtung“, der
       auch zu konstruktiveren Beziehungen führen könne. Die ‍EU ⁠und ihre
       Mitgliedstaaten hätten ‌die venezolanische Regierung mehrfach aufgerufen,
       alle derzeit in Venezuela inhaftierten politischen Gefangenen bedingungslos
       freizulassen.
       
       Rodríguez scheint einen schwierigen Balanceakt zu vollführen. Während ihrer
       Rede stand neben ihr ein Porträt von Maduro und dessen Frau Cilia Flores.
       Sie forderte die US-Regierung auf, die „Würde“ Maduros zu respektieren, der
       wegen Drogenhandelsvorwürfen in einem Gefängnis in Brooklyn festgehalten
       wird. Er plädierte auf nicht schuldig.
       
       „Wenn ich eines Tages als amtierende Präsidentin nach Washington gehen
       muss, werde ich aufrecht gehen“, sagte sie. „Ich werde erhobenen Hauptes
       gehen … niemals kriechend.“
       
       ## Oppositionsführerin Machado traf sich mit Trump
       
       Unterdessen hat US-Präsident Donald Trump [3][die venezolanische
       Oppositionsführerin María Corina Machado erstmals im Weißen Haus
       empfangen], um mit ihr über die Zukunft ihres Landes zu sprechen. Seit
       Maduros Sturz hatte Trump Machado von Gesprächen über das politische
       Schicksal Venezuelas ausgeschlossen und stattdessen Rodríguez seine
       Unterstützung zugesichert. Trump hatte erklärt, Machado verfüge nicht über
       genug Unterstützung innerhalb Venezuelas, um das Land zu regieren.
       
       Die Sprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, bezeichnete Machado als
       „eine bemerkenswerte und mutige Stimme“ für das venezolanische Volk. Sie
       sagte jedoch zugleich, das Treffen bedeute nicht, dass Trump seine Meinung
       über sie geändert habe. Leavitt fügte hinzu, Trump unterstütze neue
       venezolanische Wahlen „zur gegebenen Zeit“. Sie sagte jedoch nicht, wann er
       diesen Zeitpunkt für gekommen hält.
       
       ## Ungewissheit in Venezuela
       
       Auf den Straßen im Zentrum von Caracas lehnten es die meisten Venezolaner
       am Donnerstag ab, zu ihren Ansichten befragt zu werden – aus Angst vor
       Repressalien der Regierung. Maduros Sicherheitsapparat ist weiterhin intakt
       ist, wie sie gegenüber der Nachrichtenagentur AP bestätigten. Andere
       sagten, sie wüssten schlicht nicht, was sie zu der seltsamen neuen Realität
       ihres Landes sagen sollten, in der die USA nach eigener Darstellung das
       Sagen haben.
       
       „Es ist ein Meer der Unsicherheit“, sagte Pablo Rojas, ein 28-jähriger
       Musikproduzent. Nun liege die Macht, Entscheidungen zu treffen, bei der
       US-Regierung. Er erklärte, er verfolge Trumps Treffen mit Machado
       aufmerksam, „um zu sehen, ob sie eine Führungsrolle übernimmt“.
       Kopfschüttelnd fügte er hinzu: „Es ist unmöglich zu wissen, was passieren
       wird.“
       
       16 Jan 2026
       
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