# taz.de -- Grenzkrieg Kolumbien und Ecuador: Verkohlte Leichen und eine mysteriöse Bombe
> Die Lage zwischen Kolumbien und Ecuador ist angespannt. Zum Zollkrieg
> kommen nun auch noch Bombardierungen im Grenzgebiet hinzu.
(IMG) Bild: Gewerkschaften und Transportarbeiter blockieren die Autobahn an der Grenze zwischen Ecuador und Kolumbien
Es waren schwere Vorwürfe, die Kolumbiens Präsident Gustavo Petro bei einer
im Fernsehen übertragenen Kabinettssitzung erhob: „Wir werden aus Ecuador
bombardiert, und es sind nicht Rebellengruppen, die das tun.“ Er habe
US-Präsident Donald Trump aufgerufen, den ecuadorianischen [1][Präsidenten
Daniel Noboa] dazu zu bringen, Einsätze auf kolumbianischem Territorium
einzustellen. „Denn wir wollen keinen Krieg.“
Einen Tag später sprach Petro in einem Post [2][auf der Plattform X] von
„27 verkohlten Leichen“ im kolumbianischen Departamento Nariño. Getötet
durch eine Militäroperation, die Ecuador in der Grenzregion durchführe.
[3][Präsident Noboa widersprach]: Sein Land kämpfe „gegen den
Drogenterrorismus in all seinen Formen“ – aber nur auf seinem eigenen
Territorium. Viele der Banden würden aus Kolumbien stammen.
Zu diesen Vorwürfen kommt ein weiterer mysteriöser Fall. Nahe der Grenze zu
Ecuador im Departamento Putumayo entdeckten Bauern bereits Anfang März eine
Bombe, wie die New York Times berichtete. Gefunden wurde das Kriegsgerät
auf einem Feld, auf dem Bananen und Koka angebaut werden. 250 Kilo schwer
soll sie sein. Putumayo grenzt an Nariño, das Gebiet, wo die verkohlten
Leichen gefunden wurden.
Der Bombenfund fällt zusammen mit dem Tag, an dem die USA [4][den Beginn
von gemeinsamen Militäroperationen] mit Ecuador verkündeten. Trump hatte
zuletzt eine – bislang vor allem symbolische – „Amerikas
Anti-Kartell-Koalition“ (A3C) aus 17 Ländern zusammengetrommelt. Ecuador
ist dabei. Kolumbien nicht.
## Sehr unübersichtliche Situation
Man habe aus Sicherheitsgründen die kolumbianische Regierung verständigt,
schreibt die New York Times. Kurz darauf erwähnte Petro die Bombe im
Fernsehen und beschuldigte Ecuador, sie abgeworfen zu haben. Beweise
lieferte er allerdings nicht. Sie gehöre nicht der Armee – und die
bewaffneten Gruppen hätten keine Flugzeuge, sagte Petro nur.
Die kolumbianische Außenministerin Rosa Villavicencio versucht, die Wogen
zu glätten. [5][Am Donnerstag sagte sie]: „Wir befinden uns mit Ecuador in
einem Dialogprozess.“ Die Verteidigungsministerien arbeiteten an einer
gemeinsamen Untersuchung zu der Bombe. Dass diese aus Ecuador stamme, sei
mittlerweile klar.
Im Widerspruch zu den Aussagen des Präsidenten zu den verkohlten Leichen
stehen Recherchen der Zeitung El Espectador, die sich auf [6][Angaben der
Rechtsmedizin] berufen. Demnach habe es nur zwei Ereignisse mit verkohlten
Leichen in Nariño gegeben – beide schon im Januar. In einem Fall sei nachts
in einem Kokainlabor auf dem Land ein Brand ausgebrochen, bei dem zwölf
Menschen starben. Der zweite Fall war ein Feuer mit zwei Toten.
[7][Schon im Februar] hatte das Onlinemedium Revista Raya über drei
bombardierte Kokainlabore in Nariño und Dutzende Tote, darunter
Zivilist:innen berichtet, und gefragt: „Sind die USA oder Ecuador
verantwortlich?“ Die Vermutung: eine verdeckte Militäroperation, ausgeführt
von Ecuador aus mit Drohnen, unterstützt von den USA.
## Angespannte Lage
Die Beziehungen zwischen der rechten Regierung in Ecuador und der linken
Regierung in Kolumbien sind seit Monaten angespannt. Im Januar hatte Noboa
US-Präsident Trumps Strafzölle nachgeahmt und Waren aus Kolumbien mit 30
Prozent belegt. Er nennt das „Sicherheitsabgabe“. Angeblich, weil Kolumbien
in der Grenzregion nicht seinen Teil zur Verbrechensbekämpfung beiträgt.
Mittlerweile hat sich der Zollkrieg [8][auf beidseitige 50 Prozent
hochgeschaukelt]. Wirtschaftsverbände in beiden Ländern schlagen Alarm. Sie
befürchten, [9][dass 300.000 Arbeitsplätze wegfallen und der illegale
Handel explodieren wird.] Auch das Leben von Dialysepatient:innen
sei in Gefahr, die von kolumbianischem Zubehör abhängig seien.
Nun muss die Diplomatie helfen. [10][Beide Präsidenten sollen sich in Lima
bei der Andengemeinschaft] (CAN) am 23. und 24. März dank internationaler
Vermittlung treffen. Es soll der erste persönliche Versuch werden, die
wirtschaftliche und militärische Krise zu lösen.
20 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://x.com/DanielNoboaOk/status/2033890946421497875?s=20
(DIR) [2] https://x.com/petrogustavo/status/2033925920390586547?s=20
(DIR) [3] https://x.com/DanielNoboaOk/status/2033890946421497875?s=20
(DIR) [4] /Anti-Drogenkrieg-in-Ecuador/!6160097
(DIR) [5] https://www.elespectador.com/politica/con-el-presidente-donald-trump-ya-hay-buenas-relaciones-canciller-de-colombia/
(DIR) [6] https://www.elespectador.com/judicial/chocan-versiones-de-medicina-legal-y-del-presidente-petro-sobre-cuerpos-calcinados-en-narino/
(DIR) [7] https://revistaraya.com/tres-laboratorios-de-cocaina-bombardeados-en-narino-estados-unidos-o-ecuador-son-los-responsables.html
(DIR) [8] https://elpais.com/america-colombia/2026-03-02/colombia-alista-una-bateria-arancelaria-para-igualar-el-50-a-ecuador.html
(DIR) [9] https://www.infobae.com/america/america-latina/2026/03/03/guerra-comercial-entre-ecuador-y-colombia-advierten-por-la-perdida-de-300000-empleos-y-escasez-de-insumos-de-dialisis/
(DIR) [10] https://www.elespectador.com/politica/delegaciones-de-colombia-y-ecuador-se-reuniran-en-lima-la-otra-semana-para-mediar-tensiones-en-frontera-noticias-hoy/
## AUTOREN
(DIR) Katharina Wojczenko
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