# taz.de -- Bundeswehr in Grönland: 13 deutsche Soldaten eilen zur Hilfe
> Die Bundeswehr schickt Soldaten zu einer „Erkundungsmission“ nach
> Grönland. Seit 2024 war sie an mehr als 40 Übungen in der Arktis
> beteiligt.
(IMG) Bild: Bardufoss, Troms Norwegen, März 2025: Ein Waffenträger Wiesel der Gebirgsjäger der Bundeswehr bei der NATO-Übung Joint Viking
Deutschland unterstützt die dänische Armee bei der Ausweitung ihrer
Militärpräsenz auf Grönland. Am Donnerstag startete eine Transportmaschine
mit 13 Bundeswehrangehörigen zunächst in Richtung Dänemark, wie das
Verteidigungsministerium in Berlin mitteilte. Von dort aus sollten die
Soldat*innen am Freitag mit dänischen Streitkräften nach Grönland
weiterreisen. Die Mission erfolge auf Einladung Dänemarks. „Ziel ist, die
Rahmenbedingungen für mögliche militärische Beiträge zur Unterstützung
Dänemarks zu erkunden“, erklärte das Verteidigungsministerium.
Demnach werde geprüft, ob die Bundeswehr vor Ort etwa die Überwachung des
Seeraums unterstützen könne. Außer Deutschland kündigten auch Frankreich,
Schweden und Norwegen an, Militärangehörige auf die Arktisinsel zu
entsenden. Die Missionen erfolgen im Schatten der Drohungen Donald Trumps,
die USA könnten Grönland annektieren. [1][Am Mittwoch hatten sich deshalb
Dänemarks Außenminister Lars Løkke Rasmussen] und die grönländische
Ministerin für Außenangelegenheiten, Vivian Motzfeldt, mit der US-Regierung
in Washington getroffen.
Für die Bundeswehr ist es nicht die erste Mission in Grönland. Im September
hatten deutsche Militärangehörige dort an einer Übung namens „Arctic Light“
teilgenommen – allerdings nur mit drei Soldat*innen. Das geht aus einer
parlamentarischen Anfrage der Linksfraktion hervor, die der taz vorliegt.
Demnach ist die Bundeswehr in großer Regelmäßigkeit im hohen Norden
unterwegs: Die Bundesregierung listet insgesamt 40 Übungen in den
Anrainerstaaten der Arktis seit Anfang 2024 auf.
„Arctic Light“ war dabei die größte Nato-Operation, die Grönland seit
Langem gesehen hatte. Auch diese Übung fand ohne eine Beteiligung der USA
statt. Unter der Führung des dänischen Arktiskommandos trainierten im
September 550 Soldat*innen aus Frankreich, Großbritannien, Norwegen und
Schweden die Einsatzbereitschaft ihrer Spezialkräfte, die Nutzung von
Bodendrohnen und den Schutz kritischer Infrastruktur auf der arktischen
Insel. Schon damals wurde es [2][als ein Zeichen Dänemarks gegen die
Annektionsdrohungen Donald Trumps gesehen], dass die USA nicht in das
Manöver einbezogen waren.
Nicht alle Missionen der Bundeswehr im hohen Norden sind so klein wie die
Teilnahme an „Arctic Light“. So absolvierte die deutsche Marine vor der
Inselgruppe Andøya im Norden Norwegens vom 13. bis zum 24. Oktober nach
eigenen Angaben ihr „größtes Schießvorhaben seit Jahrzehnten“. Laut
parlamentarischer Anfrage waren 1.140 deutsche Soldat*innen an der Übung
beteiligt. [3][Der Bundeswehr zufolge] wurde dabei 300 Kilometer oberhalb
des Polarkreises „die Leistungsfähigkeit der Waffensysteme unter
realistischen Bedingungen“ getestet – der Übungseinsatz sei aber auch ein
„Beweis der Abschreckungsfähigkeit Deutschlands“ gewesen.
## Die Linke kritisiert den Einsatz
Der verteidigungspolitische Sprecher der Linksfraktion, Ulrich Thoden,
kritisiert das Engagement der Bundeswehr im hohen Norden. „Das ist Ausdruck
eines abenteuerlichen Expansionskurses, mit dem sich die Bundesregierung
Deutschland künftig als militärische Arktismacht etablieren will“, sagte er
der taz. Der Bundesregierung gehe es dabei nicht um die Landesverteidigung,
sondern „um militärische Zugriffsmöglichkeiten auf die begehrten
Rohstoffressourcen der Arktis“.
Das Auswärtige Amt weist diese Anschuldigungen zurück. Ziel der deutschen
Arktispolitik sei es, zur Sicherheit in der Region beizutragen. Es gehe
darum, „Kooperationen zu fördern und die friedliche Nutzung der Arktis“ auf
Grundlage anerkannter Normen zu unterstützen. Mit Blick auf Grönland heißt
es aus dem Ministerium: „Grönland gehört den Grönländerinnen und
Grönländern, und es ist an Dänemark und Grönland, über alle Angelegenheiten
zu entscheiden, die beide Länder betreffen.“
In der Arktis gibt es bedeutende Reserven an Erdöl und Erdgas.
Bergbauunternehmen aus der ganzen Welt haben es aber besonders auf die
Vorkommen von Metallen abgesehen, die hier im Boden liegen. Dabei steht
Grönland im Fokus: Im Süden der Insel liegen laut der deutschen
Gesellschaft für Außenwirtschaft (GTAI) die zwei weltweit größten bekannten
Lagerstätten von Seltenen Erden, die für die Herstellung moderner
technischer Geräte benötigt werden.
„Die Rohstoffe in der Arktis gehören den Anrainerstaaten, da hat
Deutschland keinen Zugriff darauf“, sagt auch Volker Rachold der taz. Der
Geochemiker leitet das Deutsche Arktisbüro, eine im Alfred-Wegner-Institut
und Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung integrierte
Forschungseinrichtung.
Doch die Lagerstätten auf der Arktisinsel sind durchaus bedeutsam: 25 der
34 Rohstoffe, die von der EU im Critical Raw Materials Act (CRMA) als
wichtig für die Wirtschaft eingestuft werden, konnten in industriell
bedeutsamen Mengen auf Grönland nachgewiesen werden. „Natürlich sind diese
Ressourcen auch für die EU ein wichtiges Thema“, sagt Rachold. Für ihn ist
es „schockierend“, dass die USA auch wegen des Zugriffs auf diese
Ressourcen, Nato-Partnern mit Gewalt droht. „Das hat die Sicherheitspolitik
in der Arktis nochmal komplett verändert.“
Bereits im Herbst 2024 hatte die Bundesregierung unter Federführung des
Auswärtigen Amts eine neue Arktisstrategie beschlossen. Unter dem Titel
„Deutschland und die Arktis im Kontext von Klimakrise und Zeitenwende“
[4][geht es darin um die veränderte sicherheitspolitische Lage in der
Region.] Im Fokus stehen dabei die russischen und chinesischen Aktivitäten.
## „Ein menschheitsgeschichtlicher Rückschritt“
In den Leitlinien heißt es, dass die militärische Bedeutung der Arktis auf
absehbare Zeit zunehmen werde. Russland habe seine militärische Präsenz
ausgebaut und trete gegenüber den arktischen Nato-Verbündeten zunehmend
aggressiv auf.
Die Bundesregierung verweist in dem Papier auch [5][auf die russische
Nordflotte.] Die strategischen Atom-U-Boote Russlands sollen die nukleare
Zweitschlagfähigkeit des Landes garantieren. Die Nordflotte habe als
„Instrument russischer Außen- und Sicherheitspolitik an Bedeutung
gewonnen“, heißt es von der Bundesregierung. Die Fähigkeit Russlands, im
hohen Norden die Freiheit der Schifffahrt im Nordatlantik zu
beeinträchtigen, stelle ebenfalls eine „strategische Herausforderung“ dar.
Für Rachold ist diese Entwicklung menschheitsgeschichtlich ein Rückschritt.
„Wir sind wieder da, wo wir vor vielen Jahrzehnten gewesen sind“, sagt der
Wissenschaftler. In der Hochphase des Kalten Kriegs sei die Arktis einst
ein Hotspot für militärische Aktivitäten gewesen. „Die Atom-U-Boote der USA
und Russlands waren dort stationiert.“
Es sei deshalb auch ein bewusst gesetztes Zeichen gewesen, dass im Jahr
1986 die nuklearen Abrüstungsgespräche zwischen US-Präsident Ronald Reagan
mit seinem sowjetischen Counterpart [6][Michail Gorbatschow in Reykjavik
stattgefunden haben.] Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs habe sich die
Konstellation im hohen Norden fundamental gewandelt. „Die Arktis war 30
Jahre lang eine Region die von Zusammenarbeit geprägt und von den
geopolitischen Krisen ausgenommen war“, so Rachold.
Als Russland die Ukraine überfallen habe, habe sich diese Ausgangslage
wieder schlagartig verändert. In den Aktivitäten der Bundeswehr sieht er,
„dass Deutschland im Rahmen der Nato zum Schutz der Anrainerstaaten bereit“
sei.
Linken-Politiker Thoden kritisiert die Aufrüstung im hohen Norden. „Wir
treten für eine ausschließlich friedliche Nutzung der Arktis und für den
konsequenten Schutz ihres durch den Klimawandel bedrohten einzigartigen
Ökosystems ein“, erklärte er. Kritisch betrachtet er deshalb auch deutsche
Waffenexporte in die Region.
## Deutschland exportiert Waffen in die Region
Laut der Antwort auf die Kleine Anfrage der Linksfraktion lieferte
Deutschland im Jahr 2025 Rüstungsgüter im Wert von etwa 3 Milliarden Euro
an Arktis-Anrainerstaaten. An erster Stelle steht dabei Norwegen mit
Waffenimporten aus Deutschland über mehr als 1,3 Milliarden Euro. Das
dürfte damit zusammenhängen, dass Norwegen ein Hauptabnehmer deutscher
U-Boote ist und diese Waffensysteme zu den teuersten Rüstungsgütern
gehören. An zweiter Stelle folgten demnach Waffenexporte nach Schweden, die
sich in dem Zeitraum auf etwa 940 Millionen Euro beliefen. Auf Platz drei
folgen die USA mit rund 480 Millionen Euro.
In der parlamentarischen Anfrage beziehen sich die Fragenden Thoden und
Desiree Becker (ebenfalls Linke) [7][auch auf einen Bericht der taz über
eine Reise] von Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) nach Kanada,
auf der er für den Kauf deutscher U-Boote warb. Die Abgeordneten wollten
nun wissen, in „wessen Auftrag“ Pistorius unterwegs gewesen sei. Die
Bundesregierung gibt dazu an, der Verteidigungsminister habe die Bewerbung
der deutschen Waffenschmiede TKMS für den Verkauf von U-Booten an Kanada
„politisch unterstützt“.
15 Jan 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Vor-Treffen-in-Washington/!6145706
(DIR) [2] /US-Planspiele-ueber-Groenland/!6143443
(DIR) [3] https://www.bundeswehr.de/de/organisation/marine/aktuelles/maritime-uebung-gestartet-6016792
(DIR) [4] /Forschung-vom-Deutschen-Arktisbuero/!6095784
(DIR) [5] /Atomschrott-im-Nordmeer/!6010263
(DIR) [6] https://www1.wdr.de/stichtag/stichtag6048.html
(DIR) [7] /U-Boot-Deals-in-Kanada/!6122915
## AUTOREN
(DIR) Cem-Odos Gueler
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