# taz.de -- Proteste in Iran: Hinsehen, zumindest das
> Die Iraner*innen wollen Licht und sie wollen Freiheit. Was kann ich am
> Bildschirm tun, um ihnen zu helfen?
(IMG) Bild: Iraner bei einem Protest gegen die Regierung in Teheran, am 8.1.2026
Was ist das für ein Fenster, durch das ich schaue und nur diese Spannung
sehe, die in der Luft liegt? Als könne man Spannung an etwas erkennen. An
der Dunkelheit, am Feuer, an den Menschen, die rennen, an den Menschen, die
zusammengeschlagen werden, an den Menschen, die in Gewehrläufe schauen. Und
erschossen werden. Männer, Frauen, Kinder. Schon wieder. In Iran. Wie vor
sieben Jahren 2019. Wie vor vier Jahren 2022.
[1][Frau, Leben, Freiheit!]
Mein Fenster ist bildschirmgroß. Dahinter Leere. Dahinter Angst. Dahinter
Hoffnung. Dahinter Verzweiflung, die Menschen auf die Straße treibt. In
Iran, dem Land, das so wunderschön sein soll, mit einer Hochkultur, wären
da nicht die klerikalen Terroristen, die die Macht an sich gerissen haben
und sich daran klammern, als sei es ihr Besitz. Sie zerstören das Land und
die Menschen. Kleriker, denen eine blutige Gotteshand Legitimation ist für
Gier, Grausamkeit und die Unterdrückung von Frauen. Letztere wollen sie zum
Schatten ihrer selbst machen. Die Kleriker hetzen ihre Schergen auf alles,
was nach dem Fadenende von Lebensfreude und Freiheit greift.
Jetzt hänge ich wieder am Bildschirm, diesem Fenster, und spüre nicht nur
den Mut der Leute, die Licht wollen und Freiheit, ich spüre auch die
Machtlosigkeit, die sie antreibt. Ihre Machtlosigkeit spiegelt meine. Was
kann ich tun? Geld spenden? Wohin? Muslime weltweit auffordern, die Mullahs
zur Verantwortung zu ziehen aufgrund des Missbrauchs ihrer Religion? Wie?
Der unwilligen Regierung hierzulande schreiben, sie sollen das Regime in
Iran endlich als Terrorregime brandmarken und die Wirtschaftsbeziehungen
kappen? Und?
Nur bruchstückhaft werden noch Videos gesendet aus Iran, die Mullahs haben
das Internet abgeschaltet. Aber selbst auf den wenigen Filmen, die
rauskommen, ist die Anspannung zu spüren.
Die Instagram-Nutzerin [2][hana.parvaz braucht fünf Sätze] in weißen
Lettern auf einem ansonsten schwarzen Bildschirm, unterlegt mit dem Sound
der Demonstrationen, um all das zu zeigen, was geschieht.
„Listen.
Can you hear them?
These are the people of Iran.
Right now, they have no connection to the world.
Be their voice.“
Man muss in die Dunkelheit hineinhören, aber wie können wir die Stimme der
Iranerinnen und Iraner sein, wenn wir nichts tun können, außer aus dem
Fenster zu schauen?
[3][Wer je auf einer Demonstration war], weiß, wie gut es tut, unter
Gleichgesinnten eine Straße entlangzugehen und zu zeigen: Hier sind wir.
Wir stehen für die Veränderung ein, die wir erstreben. Nicht nur ich will
sie, andere wollen sie auch. In Iran will es fast das ganze Volk. Die
schiere Menge gibt Hoffnung.
Und wer je auf einer Demonstration war und die brutale Gewalt von
Polizisten erlebt hat, die zuschlagen, bis man das Bewusstsein verliert,
von oben bis unten blau, weiß, wie furchtbar es sein kann. Ich kenne die
Farbe an mir.
Wenn ich die Videos aus Iran auf dem Bildschirm sehe und nicht wegschauen
kann, dann, weil ich den Willen der Menge spüre. Ihre Hoffnung. Und ihre
Angst.
Ich bin nicht die einzige. Viele kleben derzeit am Bildschirm. Es ist das
Einzige, was wir tun können. Hinsehen. In der Hoffnung, dass die
Iraner*innen es dieses Mal schaffen, das Terrorregime zu stürzen. Dieses
eine Mal.
17 Jan 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://de.wikipedia.org/wiki/Frau,_Leben,_Freiheit
(DIR) [2] https://www.instagram.com/p/DTaT_BAjBX_/
(DIR) [3] /Solidarisch-mit-den-Protesten-im-Iran/!6144610
## AUTOREN
(DIR) Waltraud Schwab
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