# taz.de -- Amtseinführung von Zohran Mamdani: Volksnähe in New York
       
       > Zohran Mamdani ist zum neuen Bürgermeister von New York vereidigt worden.
       > Er will die Regierungsfähigkeit der Linken beweisen.
       
 (IMG) Bild: Hoffnung auf ein anderes Amerika – Zohran Mamdani bei seiner Amtseinführung als New Yorker Bürgermeister, mit seiner Frau Rama Duwaji
       
       Es ist ein klirrend kalter Neujahrstag in New York, die gläsernen Bürotürme
       des Finanzdistrikts glitzern feiertagsleer in der Wintersonne, doch auf dem
       Broadway ist Betrieb, als würde die Börse auf Hochtouren laufen. Die ganze
       Stadt, so meint man, hat sich heute in die paar Blocks zwischen dem World
       Trade Center und der City Hall an der Brooklyn Bridge gezwängt. Der neue
       Bürgermeister wird vereidigt, eine Inaugurations-Party, wie es sie noch nie
       gegeben hat, ist angekündigt worden und jeder will dabei sein.
       
       So, wie etwa Brian Schaitkaya, der zusammen mit seiner kleinen Tochter seit
       einer Stunde geduldig frierend an der Church Street steht, um die
       Sicherheitskontrolle zum City Hall Park und den Broadway hinauf zu
       passieren. Dort hat das Team Mamdani ganz New York eingeladen, um mit ihm
       eine „Blockparty“ zu feiern.
       
       Brian wollte sich das nicht entgehen lassen, er gehörte zu Mamdanis Armee,
       jenen 90.000 Freiwilligen, die für ihn im Vorwahlkampf und im Wahlkampf von
       Tür zu Tür gingen, um Wähler zu mobilisieren. „Ich habe da im Lauf der
       Monate gespürt, dass etwas Besonderes im Gang ist“. New York, so glaubt
       Brian, sei seit dem vergangenen Frühjahr als Stadt zusammen gewachsen,
       Mamdani habe ein Gefühl der Gemeinsamkeit und Solidarität gestiftet, die
       der bald 50-jährige Brian so sein ganzes Leben lang noch nicht erlebt habe.
       Und heute will er dabei sein, um das mit seinen Mitbürgern zu feiern.
       
       ## Party hinterm Rathaus, Straßenfest am Broadway
       
       Genau das wollten auch Mamdani und sein Team. Kein Fest mit geladenen
       Gästen im Ballsaal eines Hotels, sondern ein Party für alle. Die Plätze im
       Park hinter dem Rathaus wurden auf einer First Come – First Serve Basis
       vergeben, das benachbarte Straßenfest am Broadway mit Bands und DJs war für
       jeden offen. Es war ein weiteres Zeichen, wenn es denn eines bedurft hatte,
       dass er ein Bürgermeister aller New Yorker sein möchte. Vor allem eben
       derjenigen, denen gemeinhin Zugang zu Machtnetzwerken und Ressourcen
       fehlen. „[1][Ich bin als demokratischer Sozialist angetreten] und werde als
       demokratischer Sozialist regieren“, sagte er bei seiner Rede auf den Stufen
       seiner neuen Wirkungsstätte.
       
       Die Inaugurations-Party war aber nicht nur deshalb größer als es eine
       Amtseinführung für einen New Yorker Bürgermeister je gewesen ist, weil
       Mamdani sie zu einem Volksfest machte. Die lange Reihe an Rednern und
       Ehrengästen ließ sie beinahe wirken wie eine alternative
       Präsidentschafts-Inauguration. [2][Die amerikanische Linke krönte an diesem
       Tag ihren eigenen Präsidenten], egal was in Washington passiert. „New York
       wird der Welt zeigen“, sagte Bernie Sanders, der Altersvorstand des
       progressiven Amerika, „dass es noch eine Regierung durch und für das Volk
       geben kann“.
       
       ## Hoffnung der Linken
       
       Dass es hier um mehr ging, als nur um einen neuen Stadtvorsteher machte
       auch die Eröffnungsrednerin, die progressive Star-Politikerin und
       Steigbügelhaltertin für Mamdani, Alexandria Ocasio Cortez, klar. „New York
       hat in unerträglichen Zeiten eine historisch ehrgeizige Führung gewählt.
       New York sucht den Weg nicht im Verharren in der Vergangenheit sondern im
       Mut zur Zukunft, einer Zukunft ohne die Ablenkung des Fanatismus und die
       Barbarei der extremen Ungleichheit.“
       
       [3][Und um die Hoffnungen, die auf Mamdanis Schultern lasten], noch zu
       erschweren, fügte sie, an Sinatra angelehnt, an: „If we can make it here,
       we can make it anywhere“ – wenn wir es hier schaffen können, können wir es
       überall schaffen.
       
       Die Hoffnung, dass der Amtsantritt von Mamdani nicht nur ein Neubeginn für
       New York ist, sondern für das ganze Land, trugen an diesem frostigen
       Neujahrstag auch Mamdanis Fans. Madison Weaver, eine junge Trans-Frau, die
       eine Wollmütze der Democratic Socialists trug, sagte: „Ich bin bekennende
       Sozialistin und ich bin es satt, dass der Sozialismus in diesem Land einen
       derart schlechten Ruf hat. Es sollte nicht als radikal gelten, zu fordern,
       dass normale Menschen ein gutes Leben führen können. Wir wollen ja keine
       Planwirtschaft. Nur eine Politik, die für einfache Leute funktioniert.“
       
       ## Große Erwartungshaltungen
       
       Mamdani selbst ist sich der Last der Erwartungen, die er weit über die
       Stadtgrenzen hinaus geschürt hat, sehr wohl bewusst. „Wir wissen, dass
       Viele auf uns schauen. Dass Viele sehen wollen, ob die Linke regieren kann.
       Sie wollen wissen, ob sie wieder hoffen dürfen.“
       
       Mamdani hat nicht vor, vor diesen Erwartungen zurück zu schrecken und
       angesichts der Realität des Regierens kleinere Brötchen zu backen. „Wir
       werden ohne Scham und ohne Unsicherheit regieren. Wir werden uns nicht für
       das entschuldigen, was wir glauben.“ Das klingt tapfer. Doch selbst
       diejenigen, die ihm geneigt sind, halten solche Rhetorik noch immer für zu
       fantastisch.
       
       „Er kann nicht alles erreichen ohne irgendjemandem weh tun. Er hat sich
       noch nicht ernsthaft damit beschäftigt, dass er wird harte Entscheidungen
       treffen müssen“, schrieb David Freedlander im New York Magazine. Seine
       unbändige Energie und sein ansteckender Optimismus werden ihm gewiss jedoch
       auch dabei helfen. Und das Heer seiner Anhänger, die nicht vor haben, mit
       der Amtseinführung wieder zu verschwinden.
       
       2 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
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