# taz.de -- Künstler Anton Henning in Düsseldorf: Surfen zwischen postmoderner Ironie und Furor
> Er zitiert, verfremdet und triggert, was die Kunstgeschichte bietet. Im
> Düsseldorfer Privatmuseum Philara stellt der Berliner Künstler Anton
> Henning aus.
(IMG) Bild: Anton Henning: „Chair Painting No. 2“, 1993 (links), und „La Rencontre No. 4“, 2004 (rechts), je Öl auf Leinwand
Versteckt in einem Hinterhof im hippen Düsseldorfer Stadtteil Flingern mit
seiner beachtlichen Dichte an Kunstgalerien liegt die Sammlung Philara.
Hinter einer unscheinbaren Tür tut sich eine verschachtelte
Ausstellungsfläche von über 1.700 Quadratmetern mit bis zu neun Meter hohen
Decken auf. Das 2016 eröffnete Privatmuseum des Düsseldorfer
Immobilienunternehmers und Kunstsammlers Gil Bronner widmet sich
ausschließlich der Gegenwartskunst, im Laufe von zwei Jahrzehnten hat
Bronner 1.300 Arbeiten angekauft und konzeptionell ziemlich unorthodox von
lokalem und regionalem Nachwuchs bis hin zu international etablierten
Positionen gesammelt.
In diesem Privatmuseum ist nun das verwirrend vielgestaltige Werk des 1964
geborenen, in Berlin und im Brandenburgischen lebenden Künstlers Anton
Henning zu sehen. Henning ist auch als Gestalter von Möbeln und
Salon-Interieurs hervorgetreten. „Träume, Trichter & Tricksereien“ lautet
der beziehungsreiche Titel der fordernden Schau, deren Objekte schwer in
einen ästhetischen Zusammenhang zu bringen sind.
Denn vor Henning ist fast nichts sicher, er zitiert und verarbeitet
unerschrocken und mit besitzergreifender Pranke Großkünstler der
Vergangenheit und zentrale Motive der Kunstgeschichte. Beinahe jedes Bild
triggert tief abgespeicherte Motive, die Henning mal surreal verfremdet
oder frech dem blanken Kitsch oder einer ausgestellten wie laienhaften
Unbeholfenheit ausliefert. Das Gedächtnis brummt, Henning bedient sich
großzügig und in einem Gestus, der [1][zwischen postmoderner Ironie] und
zerstörerischem Furor oszilliert.
## Er stapelt nicht tief
Bei den Bezugspunkten stapelt er nicht gerade tief: Picasso, Modigliani,
Matisse, aber auch Courbet, Tizian und Rembrandt unterzieht er seinen
Befragungen danach, wie sich die Kunstgeschichte mit der Gegenwart
verbinden lässt. Als „Diebereien“ bezeichnet Henning selbst seine Methode,
mit denen er das Alte wie durch ein Nadelöhr seines mitunter bewusst
schlechten Stils in die Gegenwart holt.
Ein ganz eigenes Motiv dagegen sind Kühe, die in mehrfacher Ausführung zu
sehen sind, eine schaut konsterniert auf rosa Hintergrund hinter einem
Design-Sofa hervor. Ein weiteres, sich wiederholendes Motiv sind
abwechselnd medizinisch oder industriell anmutende Trichter mit langen
Schläuchen, mit denen er aberwitzige Verbindungen herstellt.
Und dann gibt es noch ein seltsames, flaches, mit drei wulstigen Armen
ausgestattetes Objekt, das in abstraktem Bild-Umfeld wie eine ausgefranste
fliegende Untertasse, oder in der grobkörnig adaptierten „Begegnung“ von
Gustave Courbet wie eine Boomerang-ähnliche, fließende Form wirkt.
„Hennling“ nennt Henning diese Form, die sich als selbstreferenzieller Witz
durch seine Werke zieht.
## Und auch ein ungebrochen naives Stillleben
Aktuelle Arbeiten wie „Paradies“ wecken mit ihren schwellenden,
fleischartigen Formationen dagegen [2][Assoziationen an den Surrealisten]
Salvador Dalí, aber auch an Fantasiewesen aus der Hexenküche des Hieronymus
Bosch. Mehrfach nähert er sich auch der aktuellen Popkultur, Motiven von
Andy Warhol, und malt auch mal ein ungebrochen naives Blumenstillleben in
schreienden Farben. Als Provokation?
Man weiß es nicht. Viele Arbeiten geben Rätsel auf, häufig entsteht der
Eindruck, dass Henning an einer Lösung gar nicht interessiert ist, sondern
nur an der eigenen, weiterhin berserkerhaft strömenden Produktion, die –
ausgelassen oder manisch? – zwischen den Welten, Genres und Stilen surft.
5 Jan 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Postmoderne-Architektur-in-der-Provinz/!6136566
(DIR) [2] /Surrealismus-in-Belgien/!6046982
## AUTOREN
(DIR) Regine Müller
## TAGS
(DIR) Bildende Kunst
(DIR) Postmoderne
(DIR) Ausstellung
(DIR) Malerei
(DIR) Kunst
(DIR) Bildende Kunst
(DIR) Kunst
(DIR) Ausstellung
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Türkische Künstlerin Neriman Polat: Fortschreitende Verluste
Die türkische Feministin Neriman Polat zeigt in der Berliner Dependance der
Istanbuler Galerie Zilberman ihre politische Kunst. Hoffnungsvoll ist die
eher nicht.
(DIR) Hans-Peter Feldmann-Ausstellung: Der Anti-Künstler
Im Kunstpalast Düsseldorf sind die lakonischen Bilder und obsessiven
Nippes-Ansammlungen des 2023 verstorbenen Künstlers Hans-Peter Feldmann zu
sehen.
(DIR) Siebzehn Mal Marcel Duchamp: Ein Scherz mit Duchamp
Rudolf Herz ließ für seine Ausstellung „Marcel Duchamp. La Patte“ Pariser
Straßenkünstler malen. Zu sehen ist sie im museum FLUXUS+ Potsdam.
(DIR) Selbstreferentialität der Kunst: Kunst aus Zitaten
Künstler wie Jochen Plogsties und Heimo Zobernig nutzen die Kopie als
Ausgang für ihre Arbeiten. Derzeit sind sie in Hannovers
Kestnergesellschaft zu sehen.