# taz.de -- Bundeswehrskandal in Zweibrücken: „Nein heißt Ja, und Ja heißt anal“
       
       > Frauenhass, Rechtsextremismus und einiges mehr: Gegen 55 Soldaten des
       > Fallschirmjägerregiments 26 wird ermittelt. 3 wurden inzwischen
       > entlassen.
       
 (IMG) Bild: Soldaten des Fallschirmjägerregiments 26 der Bundeswehr in Zweibrücken, am 30.8.2025
       
       Nazitümelei, Antisemitismus, Gewaltrituale, Drogenmissbrauch und sexuelle
       Übergriffe – die Liste der Vorwürfe gegen das Fallschirmjägerregiment 26 im
       rheinland-pfälzischen Zweibrücken ist lang. Gegen insgesamt 55 Soldaten
       wird ermittelt. „Bei 19 Beschuldigten wurde die Entlassung eingeleitet. In
       3 Fällen ist diese bereits erfolgt“, teilte eine Sprecherin des Heeres der
       taz mit.
       
       Bislang seien 16 Fälle an die Staatsanwaltschaft abgegeben und in ebenfalls
       16 Fällen Disziplinarmaßnahmen ausgesprochen worden. In 20 Fällen habe die
       Wehrdisziplinaranwaltschaft Vorermittlungen aufgenommen. „Die Ermittlungen
       dauern jedoch weiter an“, so die Sprecherin. „Gewalt, Sexismus und
       Extremismus haben in unserer Bundeswehr keinen Platz“, betonte sie.
       
       Auslöser der Ermittlungen waren mehrere Eingaben von Soldatinnen des
       Fallschirmjägerregiments 26, die sich im Juni 2025 beim Amt des
       Wehrbeauftragten des Bundestages gemeldet hatten. Daraufhin seien
       umfangreiche Untersuchungen und Ermittlungen durch das Kommando Heer und
       die nachgeordnete Division Schnelle Kräfte eingeleitet worden.
       
       Laut der Heeressprecherin sei es durch die Ermittlungen und Vernehmungen
       „zu weiteren Meldungen aus der Truppe“ gekommen. Es gehe dabei um „Vorfälle
       im Zusammenhang mit sexualisiertem Fehlverhalten, extremistischen
       Verhaltensweisen und Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz“.
       
       ## Sexistische Sprüche gehören zum Alltag
       
       Insgesamt werden derzeit mehr als 200 straf- und disziplinarrechtliche
       Vorwürfe untersucht. „Als wir dahintergekommen sind, was in Zweibrücken
       vorgeht, waren wir schier sprachlos“, sagte der Kommandeur des Feldheeres
       Harald Gante der FAZ. „Über die Ereignisse, aber auch über die Art und
       Weise, wie man damit umgegangen ist.“ Die Untersuchungsakten zählen
       inzwischen schon mehr als 6.000 Blatt.
       
       [1][Die FAZ, die Teile davon einsehen konnte,] berichtet von
       „Judensau“-Beschimpfungen, Hitlergrüßen und einer angeblichen Nazi-Party.
       Von einer „rechtsextremen, offen antisemitischen Clique“ und einer
       „Frauenhasserkompanie“ ist die Rede. Neben den bei der Bundeswehr nicht
       unüblichen Saufgelagen bis zum Erbrechen sei auch der Missbrauch von Kokain
       „gut dokumentiert“.
       
       Die wenigen Frauen in der Truppe – ihr Anteil im Regiment liegt bei etwa 5
       Prozent – hätten Exhibitionismus ihrer „Kameraden“ erlebt und sich
       Vergewaltigungsfantasien anhören müssen. „Wenn eine sich nicht anbaggern
       ließ, so wird es berichtet, wurde sie möglichst weggemobbt“, so die FAZ.
       
       Sexistische Sprüche von Vorgesetzten hätten zum Alltag gehört. Gereicht
       hätten sie „von sexueller Belästigung bis zu Eselsbrücken, um sich Parolen
       aus dem Nato-Alphabet wie ‚Alpha-Foxtrott‘ oder ‚Victor-Hotel‘ zu merken,
       die dann laut Ermittlungsakten als ‚Arschfick‘ und ‚Vergewaltigung von
       hinten‘ übersetzt wurden“.
       
       Bei einer „Wochenendbelehrung“, bei der Soldat:innen darauf hingewiesen
       werden sollen, wie sie sich außerhalb der Kaserne richtig verhalten, habe
       ein stellvertretender Zugführer erklärt: „Es wird nur gefickt, was gefickt
       werden will. Und denken Sie daran: Nein heißt Ja, und Ja heißt anal.“
       
       ## Verurteilungen wegen Vergewaltigung
       
       Es ist nicht das erste Mal, dass das Regiment für negative Schlagzeilen
       sorgt. So wurden im April 2023 zwei zu diesem Zeitpunkt bereits ehemalige
       Fallschirmjäger vom Landgericht Zweibrücken zu Haftstrafen von viereinhalb
       beziehungsweise zweieinhalb Jahren verurteilt. Auf dem Rückweg von einer
       Kneipentour hatten sie 2018 eine damals 18-jährige Zeitsoldatin
       vergewaltigt – einer der beiden sogar zum zweiten Mal. Im November 2025
       [2][sendete das ZDF eine Reportage] über die betroffene Frau, die immer
       noch unter den Folgen leidet.
       
       Das [3][Fallschirmjägerregiment 26] wurde im Jahr 2015 aufgestellt und
       umfasst rund 1.800 Soldat:innen. Es gilt als eine Eliteeinheit der
       Bundeswehr. 7 seiner 11 Kompanien sind in der Niederauerbach-Kaserne in
       Zweibrücken und 4 im saarländischen Merzig stationiert. Der Truppenteil
       gehört zur Luftlandebrigade 1 in Saarlouis und wurde seit 2022 von Oberst
       Oliver Henkel geführt, der im Zuge der Ermittlungen Anfang Oktober von
       Oberstleutnant Martin Holle abgelöst wurde.
       
       Zuletzt sorgten zwei Fallschirmjäger des Regiments [4][für öffentliches
       Aufsehen], als sie schwerbewaffnet mit einem Sturm-, einem Maschinengewehr
       und einer geladenen Pistole in Weihnachtsmannverkleidung über den
       Weihnachtsmarkt in Zweibrücken marschierten. Kommandeur Holle entschuldigte
       sich anschließend für den martialischen Auftritt „persönlich und von
       Herzen“.
       
       Als Reaktion auf die diversen Vorfälle in der Niederauerbach-Kaserne hat
       die Bundeswehr nun einen „Aktionsplan Luftlandetruppe“ erarbeitet. Laut der
       Sprecherin des Heeres werde dieser Maßnahmenkatalog „zurzeit finalisiert
       und dann in Kraft gesetzt“. Zu den Zielen gehörten „das Verstärken der
       Bemühungen in den Bereichen der Erziehung, Wertevermittlung und der
       Persönlichkeitsbildung“. Auch solle „die Führbarkeit der Luftlandeeinheiten
       verbessert werden“.
       
       30 Dec 2025
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/hitlergruesse-und-frauenhass-ermittlungen-bei-den-fallschirmjaegern-200363566.html
 (DIR) [2] https://www.zdf.de/play/reportagen/37-grad-kurzreportagen-100/das-schweigen-brechen-zweimal-vergewaltigt-100
 (DIR) [3] https://www.bundeswehr.de/de/organisation/heer/organisation/division-schnelle-kraefte/luftlandebrigade-1/fallschirmjaegerregiment-26
 (DIR) [4] https://www.t-online.de/nachrichten/panorama/gesellschaft/id_101038854/weihnachtsmarkt-zweibruecken-soldaten-mit-waffen-polizei-ermittelt.html
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Pascal Beucker
       
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