# taz.de -- Reaktion auf US-Einreiseverbote: Der Gegenschlag lässt auf sich warten
       
       > Nach dem Einreiseverbot für die deutsche NGO Hate Aid kommt aus der
       > Bundesregierung zwar Kritik an den USA. Direkte Gegenmaßnahmen bleiben
       > aber aus.
       
 (IMG) Bild: Eine Aktion zu digitaler Gewalt von Hate Aid vor dem Reichstag in Berlin, am 15.1.2025
       
       Der französische Präsident brauchte nur einen halben Tag, um auf die
       Einreiseverbote der USA zu reagieren. „Frankreich verurteilt die
       Visabeschränkungsmaßnahmen der Vereinigten Staaten“, schrieb Emmanuel
       Macron noch an Heiligabend auf der Plattform X.
       
       In Deutschland protestierten am gleichen Tag auch der Außenminister und die
       Justizministerin gegen den Schritt der US-Regierung. Der Bundeskanzler
       schweigt dagegen – auch nach den Feiertagen. Lediglich ein
       Regierungssprecher sagte am Montag auf Nachfrage in der
       Bundespressekonferenz: „Die Vorwürfe der US-Administration und die
       Einreisesperren unter anderem auch gegen zwei deutsche Staatsangehörige,
       weisen wir deutlich zurück.“
       
       Am 23. Dezember hatte das US-Außenministerium [1][Einreisesperren gegen
       fünf Europäer*innen verkündet,] die großen Social-Media-Unternehmen das
       Geschäft erschweren. Betroffen sind unter anderen der ehemalige
       französische EU-Kommissar Thierry Breton, in seiner Amtszeit mit zuständig
       für [2][den Digital Serivces Act (DSA) zur Regulierung von
       Plattform-Betreibern,] sowie die Geschäftsführerinnen der deutschen
       Organisation Hate Aid, Anna-Lena von Hodenberg und Josephine Ballon.
       
       [3][Hate Aid berät Betroffene von Hasskommentaren im Internet] auf mehreren
       Ebenen, unterstützt sie beispielsweise bei der Erstattung von Anzeigen und
       gewährt Prozesskostenhilfen. Außerdem lobbyiert die NGO politisch für
       wirksame Regeln, kritisiert etwa Verstöße der Unternehmen gegen den DSA und
       fordert die Verhängung spürbarer Bußgelder.
       
       ## „Klares Signal“ gefordert
       
       In einer ersten Reaktion auf die Einreiseverbote bezeichneten die beiden
       Geschäftsführerinnen diese in der vergangenen Woche als „Teil einer
       Einschüchterungstaktik gegen alle, die sich in Europa für die Umsetzung von
       geltenden Gesetzen auf sozialen Netzwerken einsetzten“. Von der
       Bundesregierung und der EU-Kommission forderten sie „ein klares Signal,
       dass das nicht hinnehmbar ist“.
       
       Ansonsten traue sich in Zukunft niemand mehr, „Missstände bei
       US-Tech-Konzernen anzuprangern“. Europäische Gesetze seien dann „nicht mehr
       das Papier wert, auf dem sie geschrieben wurden“.
       
       Am Montag sagte Geschäftsführerin Ballon der taz dann: „Wir waren sehr
       positiv überrascht, dass sowohl die Justizministerin als auch der
       Außenminister sehr zügig sogar öffentlich Stellung genommen haben. Das
       haben wir als starke Reaktion wahrgenommen.“ Das gelte auch für die
       Reaktionen von Macron und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen.
       
       Am meisten wünsche sie sich jetzt, „dass den Worten Taten folgen, vor allem
       seitens der EU-Kommission“. Dies könne „am besten in Form von
       Aufsichtsverfahren gegen Online-Plattformen geschehen, die z.B. durch ein
       Bußgeld zum Abschluss gebracht werden“. Gründe hierfür gebe es viele. Die
       Kommission habe schon etliche Verfahren gegen sehr große Plattformen
       angestrengt, aber bisher nur eins zum Abschluss gebracht.
       
       Ob Regierung und Kommission ihren bisherigen Protestäußerungen noch etwas
       hinzufügen werden und ob auch konkrete Gegenmaßnahmen zu erwarten sind, ist
       allerdings offen. „Es handelt sich beim DSA um ein europäisches Instrument
       und deshalb ist ein gemeinsames Vorgehen der EU-Kommission und der
       europäischen Mitgliedsstaaten aus unserer Sicht jetzt zentral im Umgang
       damit“, sagte ein Sprecher des Außenministeriums am Montag lediglich.
       
       ## Forderung nicht erfüllt
       
       Das Auswärtige Amt hat bislang auch den Geschäftsträger der US-Botschaft
       nicht zu einem Gespräch einbestellt. Unterschiedliche Auffassungen würden
       erst mit den „europäischen Partnern“ und dann „mit den transatlantischen
       Partnern“ besprochen, sagte der Ministeriumssprecher hierzu.
       
       Eine Einbestellung ist in diplomatischen Beziehungen ein deutliches Zeichen
       des Protests. Forderungen nach einem entsprechenden Schritt kamen zuletzt
       unter anderem von den Grünen. Parteichefin Franziska Brantner nannte die
       Einreiseverbote einen „direkten Angriff auf die Rechtsstaatlichkeit in
       Europa“. Der CDU-Abgeordnete Roderich Kiesewetter sprach sich ebenfalls für
       die Einbestellung aus. Ihm zufolge versuche die US-Regierung, „mit
       Einschüchterung in den demokratischen Diskurs einzugreifen“.
       
       Das US-Außenministerium hatte die Einreisesperren als Maßnahmen gegen einen
       „globalen zensur-industriellen Komplex“ bezeichnet.
       
       29 Dec 2025
       
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