# taz.de -- Afrika-Cup: Sudan erspielt sich seine Hoffnung zurück
       
       > Bei der Afrikameisterschaft haben die Kicker des vom Bürgerkrieg
       > gezeichneten Landes beste Chancen, das Achtelfinale zu erreichen.
       
 (IMG) Bild: Schon bei der 0:3-Niederlage gegen Algerien deutete Sudan seine Fähigkeiten an. Beim 1:0-Sieg über Äquatorialguinea erst recht
       
       Als im verregneten Casablanca am frühen Sonntagabend der Schlusspfiff der
       Partie zwischen [1][Äquatorialguinea] und Sudan ertönte, sanken die Spieler
       [2][Sudans] nur noch dankbar zu Boden. Zum Jubel blieb ihnen offenbar nicht
       mehr genügend Kraft. Mit einer enormen Willensleistung hatten sie am
       zweiten Spieltag des Afrika-Cups einen 1:0-Sieg über den über weite
       Strecken überlegenen Gegner über die Runden gebracht – dafür hatten sie
       alles gegeben.
       
       Es war ein ebenso glücklicher wie als historisch zu bezeichnender Sieg. Der
       erste Sudans bei einem [3][Afrika-Cup] seit 2012 – und vor allem: der
       Erfolg eines Teams aus einem Land, das aktuell ganz andere Sorgen hat. Es
       tobt seit April 2023 ein furchtbarer Bürgerkrieg in Sudan, der das zivile
       Leben fast völlig zum Erliegen gebracht hat.
       
       Die Fußballer des Nationalteams sorgen zumindest ein klein wenig für
       Aufmunterung in einer katastrophalen Situation. Mit dem Sieg über
       Äquatorialguinea hat das Team, das von dem ghanaischen Coach Kwesi Appiah
       betreut wird, beste Chancen, ins Achtelfinale einzuziehen. Am Mittwoch,
       beim letzten Gruppenspiel gegen [4][Burkina Faso], reicht ein Punkt zum
       Weiterkommen.
       
       Allein die Tatsache, dass sich die Nationalmannschaft des Sudan für die
       Endrunde der Afrikameisterschaft in Marokko qualifizieren konnte, kommt
       einer Sensation gleich. [5][Fußball wird in Sudan] schon lange nicht mehr
       gespielt. Seit 2023 pausiert die nationale Liga.
       
       Sudans Fußball wird in Libyen organisiert 
       
       Und dennoch: Das Nationalteam spielt unverdrossen. Organisiert aus Libyen,
       wohin eine kleine Delegation des sudanesischen Fußballverbandes umgezogen
       ist, absolviert das Team von Trainer Appiah Länderspiele und nimmt an
       Turnieren teil. Und sorgt für eine fußballerische Sensation nach der
       anderen.
       
       Der Sprung zum Afrika-Cup gelang zum Beispiel, indem das Team den großen
       Favoriten [6][Ghana] in der Qualifikation hinter sich ließ. „Man muss
       einfach an sich glauben“, erklärte Erfolgstrainer Appiah nach dem Triumph
       über sein Heimatland. „Ich sage den Spielern immer wieder: Tut es für euer
       Land, für eure Heimat. Sorgt dafür, dass die Menschen im gebeutelten Sudan
       wenigstens einen Moment der Freude spüren können.“
       
       2014 war er als Nationaltrainer Ghanas noch umjubelter WM-Teilnehmer. Nun
       warf er das mit Topstars aus den europäischen Ligen besetzte Ghana mit
       No-Names aus dem Bürgerkriegsland aus dem Wettbewerb. Schaut man genauer
       hin, werden die Erfolge von Kwesi Appiah noch erstaunlicher: Appiah kann
       seine Nationalspieler nur aus einem Pool von rund 100 Aktiven aussuchen,
       die einigermaßen professionell Fußball spielen.
       
       Die besten Clubs Sudan spielen in Ruandas Liga 
       
       Weil es keine einheimische Liga mehr gibt, haben die beiden großen Vereine
       des Landes, Al Hilal und El Merreikh, ihre Aktivitäten ins Ausland verlegt.
       In der Saison 2024/25 nahmen sie am Ligabetrieb von [7][Mauretanien] teil,
       seit dieser Saison sind sie in der Liga [8][Ruandas] mit dabei. Die Spieler
       sind heimatlos, fahren und fliegen von Hotel zu Hotel – es ist ein riesiger
       logistischer Aufwand. Beide Klubs haben dabei um die 40 Spieler unter
       Vertrag, weil sie nebenbei eben auch noch den Kader der Nationalmannschaft
       stellen müssen und die besten Spieler ständig unterwegs sind.
       
       Denn die „stolzen Falken“, wie Appiahs Team genannt wird, sind quasi im
       Dauereinsatz. 2024 und 2025 spielte die Mannschaft neben der Qualifikation
       für den Afrika-Cup auch die WM-Qualifikationsspiele. Die WM 2026 wurde
       dabei nur hauchdünn verpasst. Gegen Riesen wie den Senegal, DR Kongo oder
       Togo führten Appiahs Jungs die Tabelle bis in den September hinein an –
       erst in den letzten beiden Spielen rutschten sie noch aus den ersten beiden
       Quali-Plätzen heraus. Und das, obwohl sie ja nur Auswärtsspiele bestreiten,
       denn die angesetzten Heimspiele können nicht in Sudan ausgetragen werden,
       sondern finden zumeist in [9][Libyen] statt.
       
       Hinzu kamen für die sudanesischen Vielspieler noch die Wettbewerbe des
       „Chan“, das ist die Afrikameisterschaft nur für Akteure, die auch im
       Klubfußball auf dem afrikanischen Kontinent aktiv sind. Und kürzlich war
       das Nationalteam dann noch beim Fifa-Arab-Cup mit dabei, der im November
       und Dezember in Katar ausgespielt wurde. Appiah sieht’s pragmatisch: „Den
       Arab-Cup haben wir als Vorbereitungsturnier für den Afrika-Cup genutzt.“
       Das Team schied dort nach der Gruppenphase aus, doch man nahm es nicht
       tragisch: „Ich habe einiges ausprobieren können und für den Afrika-Cup
       bekommen wir noch ein paar starke Spieler mit sudanesischen Wurzeln dazu,
       die wir zuletzt in Malaysia und Australien aufgetrieben haben“, erklärt
       Appiah.
       
       Der Star des Teams ist wieder zurück 
       
       In Marokko wieder dabei ist [10][Mohamed Abderahman], Kapitän,
       Rekordspieler und Rekordtorschütze seines Landes. Der 32-Jährige sorgt als
       Mittelstürmer seit fast zehn Jahren für die größte Torgefahr des Teams, war
       in den vergangenen Wochen allerdings verletzt. Abderahman ist schnell,
       wendig und hat gelernt, sich gegen scheinbar übermächtige gegnerische
       Abwehrreihen zu behaupten.
       
       Denn das sudanesische Spiel ist einfach wie klar strukturiert: Man spielt
       aus einer massiven Deckung heraus, bei Ballgewinn wird steil auf Abderahman
       gespielt. Und dann rücken dessen Teamkollegen überfallartig nach.
       Zahlreiche Favoriten sind dieser entschlossenen und beinahe perfekt
       eingespielten Taktik Sudans schon zum Opfer gefallen. In Marokko werden
       sich in der Vorrunde die Gruppengegner Algerien, Burkina Faso und
       Äquatorialguinea damit auseinandersetzen müssen. Sie werden auf ein höchst
       motiviertes Gegnerteam treffen. Denn für Appiah ist klar: „Wenn ich den
       Jungs in der Ansprache sage: ‚Kämpft für eure Leute in der Heimat. Sorgt
       dafür, dass sie wenigstens einen kleinen Moment Grund zum Lächeln haben‘ –
       dann kann man sich keine größere Motivation mehr vorstellen.“
       
       30 Dec 2025
       
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