# taz.de -- Elfenbeinküste beim Afrika-Cup: Hinten hui, vorne hui
> Auf ihre Defensive können sich die Fußballer der Elfenbeinküste eh
> verlassen. Beim Afrika-Cup sorgen Diallo und Diomande auch für den
> Offensivschwung.
(IMG) Bild: Kaum zu stoppen: Der Ivorer Amad Diallo (l.) enteilt mit Ball seinem Gegenspieler Arthur Avom (Kamerun)
Der [1][Afrika-Cup] ist auch im kalten Manchester stets präsent. Der
englische Premier-League-Klub United vermisst schmerzlichst seinen
Spielmacher Bryan Mbeumo. Und er wird ManUnited noch etwas länger fehlen.
Denn ins Viertelfinale hat dieser Kamerun gerade als Kapitän geführt. Die
Engländer schauen auch sehnsüchtig auf das Team der Elfenbeinküste und
ihren hochtalentierten Amad Diallo, der gerade die ivorischen Anhänger
verzückt.
Schon zwei Treffer hat der 23-Jährige beim [2][Afrika-Cup] erzielt, er ist
auf der rechten Außenbahn der Ivorer so etwas wie ein Schlüsselspieler.
Einer, der mit seiner Schnelligkeit und seinen Stärken im Eins-gegen-Eins
so etwas wie den Unterschied machen kann. So wie das auf dem anderen Flügel
der Elfenbeinküste auch Leipzigs Yan Diomande gerade zeigt.
Die Elfenbeinküste und ihre Offensive – es hatten [3][erhebliche Zweifel an
ihrer Qualität geherrscht, bevor der Titelverteidiger zur afrikanischen
Kontinentalmeisterschaft aufbrach]. Weil die „Elefanten“, wie sie genannt
werden, seit [4][Didier Drogba] irgendwie keinen echten Star mehr haben.
Gerade in der Offensive nicht. Der einzige Stürmer mit internationalem
Format – so dachte man – sei Sébastien Haller, der beim Cup
verletzungsbedingt fehlt. Ohnehin, so sieht man das beim deutschen
Gruppengegner der WM 2026, ist die Defensive das neue Faustpfand.
Die kurz vor dem Afrika-Cup abgeschlossene WM-Qualifikation beendeten die
Ivorer ohne ein Gegentor. In zehn Spielen gelangen acht Siege. Das
Torverhältnis: 25:0. Die Mannschaft stand defensiv stets sicher, schloss
irgendwann einen der spärlich vorgetragenen Angriffe erfolgreich ab und
brachte den Sieg über die Zeit.
## Verhängnisvolle Kritik
Dabei kann sich das Team aus Westafrika vor allen Dingen auf eines
verlassen: die mannschaftliche Geschlossenheit. Ein Prinzip, das Trainer
Emerse Faé vor alles andere stellt – auch vor außergewöhnliches Talent. So
kostete Nicolas Pépé, der im spanischen Villarreal gerade große Leistungen
zeigt, ein kritischer Kommentar gegenüber Teamkollegen die Teilnahme am
Afrika-Cup.
Der 30-jährige Offensivspieler hatte vor dem Turnier jene kritisiert, die
in jungen Jahren für Frankreich spielten, um später ins Trikot der
Elfenbeinküste zu wechseln. Wie das im Übrigen einst auch Trainer Faé
gemacht hat. „Hätten wir nur auf den sportlichen Aspekt geschaut, wäre er
dabei gewesen“, sagte Faé über Pépé, doch er erklärte: „Zu einer
Nominierung gehören auch die Dinge neben dem Platz.“
Der 41-jährige Coach der Ivorer hat sich in kürzester Zeit ein enormes
Profil verschafft. Es ist ihm gelungen, aus einem Team der eher Namenlosen
eine funktionierende Einheit zu formen. Dabei war der Posten des
Nationaltrainers für den einst beim FC Nantes als zentraler
Mittelfeldspieler auftrumpfenden Ex-Nationalspieler eigentlich gar nicht
vorgesehen.
Zum [5][Afrika-Cup 2024, der in der Elfenbeinküste stattfand], war er als
Co-Trainer des Franzosen Jean-Louis Gasset engagiert worden. Als das Team
dann aber vor heimischem Publikum in der Vorrunde ein desaströses 0:4 gegen
Äquatorialguinea kassierte, wurde Gasset kurzerhand gefeuert.
## Sportliches Wunder
Faé übernahm, holte sich von der Pressetribüne den als TV-Experten
agierenden ehemaligen Bundesliga-Profi Guy Demel als Assistenten und
schaffte ein sportliches Wunder: Er dirigierte das Team nicht nur so gerade
eben noch in die K.-o.-Phase, sondern schob die Mannschaft um den
erfahrenen Franck Kessié anschließend auf eine Woge des Erfolgs. Am Ende
hielten die Nationalspieler in Abidjan vor der freudetrunkenen
Anhängerschaft den Siegerpokal in den Händen.
Faé hat gleich vier erstklassige Innenverteidiger zur Verfügung, die
allesamt wichtige Rollen in großen europäischen Klubs spielen. In der
Startelf stehen mit dem Ex-Frankfurter Evan N’Dicka vom [6][AS Rom] und
[7][Bergamos] Odilon Kossounou (einst Bayer Leverkusen) zwei ehemalige
Bundesligaspieler in der Startelf. Dahinter lauern mit Ousmane Diomandé von
[8][Sporting Lissabon] und Emmanuel Agbadou (Wolverhampton) zwei junge
Leute, die bereits auf allerhöchstes europäisches Klublevel mitmischen. Es
ist ein Quartett, das in Afrika unerreicht ist – die Konkurrenz schaut da
nur neidisch zu.
Im Mittelfeld ist der langjährige Milan-Profi Franck Kessié als Kapitän
gesetzt. Der 29-Jährige, der heute für Saudi-Klub Al Ahli spielt, gibt nach
wie vor das Tempo und den Rhythmus der Mannschaft vor. Und in der Offensive
überzeugen überraschenderweise nun auch noch Diomande und Diallo. Im
Achtelfinale am Dienstag trifft das Team auf Burkina Faso. Die
Elfenbeinküste ist klarer Favorit. Manchester United wird noch etwas länger
auf seinen quirligen Amad Diallo warten müssen.
5 Jan 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Afrika-Cup/!t5020938
(DIR) [2] /Afrika-Cup/!t5020938
(DIR) [3] /Afrika-Cup-im-Maennerfussball/!5987135
(DIR) [4] /Didier-Drogba/!t5039277
(DIR) [5] /Elfenbeinkueste-gewinnt-Afrika-Cup/!5988857
(DIR) [6] /AS-Rom/!t5029342
(DIR) [7] /Fussball-Restart-in-Bergamo/!5691708
(DIR) [8] /Portugiesische-Nachwuchsfussballer/!5976500
## AUTOREN
(DIR) Olaf Jansen
## TAGS
(DIR) Elfenbeinküste
(DIR) Fußball
(DIR) Afrika-Cup
(DIR) Manchester United
(DIR) Didier Drogba
(DIR) Kongo
(DIR) Afrika-Cup
(DIR) Fußball
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Afrika-Cup in Marokko: Lumumba-Doppelgänger Michel Kuka posiert als lebende Statue
Er sieht genauso aus wie der Nationalheld der Demokratischen Republik Kongo
und ist bei jedem Fußballspiel seines Landes der Hingucker.
(DIR) Afrika-Cup: Sudan erspielt sich seine Hoffnung zurück
Bei der Afrikameisterschaft haben die Kicker des vom Bürgerkrieg
gezeichneten Landes beste Chancen, das Achtelfinale zu erreichen.
(DIR) Afrika-Cup in Marokko: Flugversuche von Ugandas „Kranichen“
Uganda gehört nicht zu den Größen des afrikanischen Fußballs. Ein mächtiger
Klubbesitzer möchte das ändern und legt sich mit dem eigenen Verband an.